Knapp drei Minuten dauerte das Formel-1-Qualifying in Austin für Isack Hadjar. Auf seiner ersten schnellen Runde nahm er in der Highspeed-Passage zu viel Geschwindigkeit mit und landete in Kurve sechs im Reifenstapel. Er schlug mit mindestens 18 g in die Wand ein. Das Medical Car holte den Crash-Piloten von der Unfallstelle ab und brachte ihn für eine Untersuchung ins Medical Center. Er blieb unverletzt, war aber fuchsteufelswild mit sich selbst.
Nach dem Unfall schlug er sich mehrmals wild auf den Helm und schüttelte den Kopf. Nach dem Aussteigen trat er gegen ein am Boden liegendes Werbebanner. Nach dem Qualifying ging er hart mit sich ins Gericht: "Ich hatte Probleme mit dem Auto, aber als ich es verloren habe, war das mehr ein Ich-Problem als sonst etwas."
Hadjar ist als Fahrer sehr selbstkritisch und hatte schon öfter ähnliche Wutausbrüche, wenn er unter seinen eigenen Erwartungen performte. Warum es zum Einschlag kam, weiß der Rookie genau: "Ich bin die Passage komplett falsch angegangen. Ich habe die erste Hälfte auf die leichte Schulter genommen und war dann zu schnell. Als ich das Heck verloren habe, war es zu spät. Ich konnte nichts tun."

Helmut Marko zu Hadjar-Crash: Kann man akzeptieren
Es ist Hadjars erster Ausflug auf den Circuit of the Americas, viel Glück hatte er bisher nicht. Im Sprint wurde er ins Anfangschaos verwickelt und musste sich nach mehreren Berührungen mit Yuki Tsunoda und Pierre Gasly vom Ende des Klassements wieder auf Platz 12 vorkämpfen. "Es war einfach nicht mein Tag", lamentierte der Franzose. Wenigstens war die Pace des VCARB 02 zufriedenstellend.
Ein Empfehlungsschreiben für das hart umkämpfte Red-Bull-Cockpit an Max Verstappens Seite sind solche Leistungen jedoch nicht. Dr. Helmut Marko – offener Fan des jungen Franzosen – war wenig begeistert, vergab aber ein mildes Urteil. "Wir haben ein Highlight [gemeint ist Max Verstappen, Anm. d. Red.] und drei nicht so gute Leistungen. Wir haben uns mehr erwartet, weil der Racing Bulls hier gut war, aber so ist das mit jungen Fahrern", sagte er gegenüber dem ORF.
Hadjars Fahrfehler verzeiht der Motorsport-Berater: "Hadjar ist einer der Fahrer, der wenige Fehler macht. Einmal in Australien, im ersten Rennen, und jetzt, im 19. Rennen. Das kann man akzeptieren." Bei seinem Debüt-Grand-Prix in Melbourne flog Hadjar im Regen schon in der Formationsrunde in die Mauer und marschierte danach weinend durchs Fahrerlager.
Hadjar heute resilienter als zu Beginn seiner Karriere
So emotional wie damals reagierte er in den USA nicht, der Unfall beim Australien Grand Prix war natürlich um vieles dramatischer. Aber Hadjar hat seither auch an Resilienz gewonnen. Leicht zu verdauen, sind solche Fehler trotzdem nicht. "Ich bin es mehr gewohnt. Ich hatte einige Tiefen in meiner Karriere. Aber es trifft mich immer noch hart", schilderte Hadjar.
Ein bisschen mehr Trainingszeit wäre wohl gut gewesen. Weil der Große Preis der USA ein Sprint-Wochenende ist, hatten die Piloten nur eine Session, um sich einzugewöhnen. Der Circuit of the Americas ist eine anspruchsvolle Strecke mit kniffligen Passagen – für einen Rookie kein leichtes Unterfangen. "Hätte ich ein weiteres Training gehabt, wäre ich dort gecrasht. Das hätte geholfen", so Hadjar. Dass es die Performance verbessert hätte, bezweifelt er: "Ich war bisher ganz gut darin, mich schnell an Strecken zu gewöhnen, die ich noch nicht kannte. Ich glaube nicht, dass es daran gelegen hat."
Am Formel-1-Samstag in Austin passierte so viel! Alles Wichtige fasst euch Christian im Video zusammen - einfach hineinschauen!



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