Sie reisen gerne mit Familie zum Rennen. Was bedeutet Ihnen diese Begleitung?

Nick Heidfeld: Das ist für mich eine Art moralische Unterstützung. Weniger an der Strecke als am Abend, ich kann so einfach besser abschalten. Ich freue mich immer sehr, wenn jemand von der Familie oder eben Patricia mitkommen. Dabei muss man sehen, dass das für sie eher langweilige Tage sind, weil ich als Fahrer so wenig Zeit habe.

Wird Patricia mit der kleinen Juni auch wieder mitkommen?

Nick Heidfeld: Sie wird mit Sicherheit ein paar Rennen besuchen, wenn auch nicht so viele wie in der Vergangenheit. Juni wird sicher mitreisen, aber nicht mit an die Strecke kommen. Da halte ich ein Baby für fehl am Platz. Juni ist bei ihrer Oma im Hotel besser aufgehoben.

Wie hat Juni Ihr Leben verändert?

Nick Heidfeld: Sehr stark! Ich hatte mich vorher mit Leuten unterhalten, die versucht haben, mir zu vermitteln, wie das so ist. Aber die Realität übertrifft alle Vorstellungen. Für mich ist es das Schönste auf der Welt, ein Kind wie Juni zu haben. Und wir wollen auch noch mehr Kinder. Die Formel 1 ist dadurch nicht weniger wichtig für mich geworden. Aber das Leben hat eben auch noch einen anderen Sinn bekommen. Ich spüre auch, dass ich Misserfolge besser verarbeiten kann, wenn ich nach Hause komme, und dann ist die kleine Juni da.

Ist Fahrrad fahren nach dem Unfall noch Ihr Hobby?

Nick Heidfeld: Ja, auf jeden Fall. Ich bin eine Weile nicht gefahren, weil es lange gedauert hat, bis die Schulter ausgeheilt war. Und ich bevorzuge auch wieder das Mountainbike statt des Rennrads. Das macht mir mehr Spaß und ist auch weniger gefährlich, als im Straßenverkehr zu fahren. Vorausgesetzt natürlich, man veranstaltet keine Downhill-Abenteuer. Das würde mir zwar Spaß machen, aber das Sturzrisiko ist doch zu groß.

Worin unterscheiden sich Schweizer und Deutsche?

Nick Heidfeld: In meinen Augen sind die Schweizer noch ein bisschen zurückhaltender als die Deutschen. Ansonsten denke ich, sofern man überhaupt verallgemeinern kann, dass vieles, was man über die Deutschen sagt, auch auf die Schweizer zutrifft. Beispielsweise Pünktlichkeit und Genauigkeit.

Wollten Sie jemals größer sein?

Nick Heidfeld: Wenn ich mich selbst geplant hätte, wäre ich vielleicht etwas größer. Aber ich habe mich nie an meiner Größe gestört, und im Motorsport ist das eine gewisse Hilfe.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Nick Heidfeld: Ja, das bin ich. Speziell jetzt durch die Familie. Ich bin natürlich nicht ununterbrochen und zu hundert Prozent glücklich, das gibt es wohl nicht. Ich denke: Man gewöhnt sich an alles, leider auch an das Schöne. Und ich setze mir ja auch Ziele, die ich erreichen will. Allen voran die Weltmeisterschaft.