Exklusiv
Formel E

Nick Heidfeld: Nicht das Ende meiner Motorsport-Karriere

Nick Heidfeld ist nicht mehr Stammfahrer in der Formel E, sein Mahindra-Cockpit übernimmt Pascal Wehrlein. Heidfeld im Exklusiv-Interview zu seiner Zukunft.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nick Heidfeld tritt in der kommenden Formel-E-Saison einen Schritt zurück und wird nicht mehr Stammfahrer bei Mahindra sein, dem indischen Rennstall, für den er in den vergangenen drei Jahren an den Start gegangen war. Stattdessen begleitet der frühere Formel-1-Fahrer das Team weiter an den Rennwochenenden, als Ersatzfahrer und Berater für das neue Fahrerduo Pascal Wehrlein/Jerome D'Ambrosio.

Die neue Rolle bedeutet jedoch nicht das Karriereende von Heidfeld, der die zehntmeisten Punkte in der Geschichte der Formel E erzielt hat. Neben seinem Motorsport-Engagement ist der 41-Jährige seit Kurzem zudem Testfahrer und Markenbotschafter bei Automobili Pininfarina, das mit Stammsitz in München einen Elektro-Supersportwagen mit rund 1.900 PS entwickelt.

Im exklusiven Interview mit Motorsport-Magazin.com spricht Heidfeld über den neuen Job und seine Zukunft im Motorsport.

Nick, du bist in der kommenden Saison nicht mehr Stammfahrer bei Mahindra. Bedeutet das das Ende deiner aktiven Karriere im Motorsport?
Nick Heidfeld: Nein. Ich werde mich nicht aus dem Rennsport zurückziehen. Das ist nicht mein Ziel. Motorsport wird auch weiter Teil meines Lebens bleiben.

Wirst du weiter bei Langstrecken-Rennen an den Start gehen?
Nick Heidfeld: Ja, das möchte ich nicht ausschließen. Nordschleife allerdings nicht, das 24-Stunden-Rennen finde ich zu verrückt. Relativ gefährlich, zu viele Autos und teilweise nicht die besten Fahrer. Auch, wenn es die beste Rennstrecke der Welt ist, habe ich das aktuell nicht auf meiner Agenda. Auch Rallycross würde ich gerne mal probieren. Das würde mich reizen. Rallyesport auch, aber da spielt der Sicherheitsaspekt auch eine große Rolle. Ich bin schließlich Familienvater.

Heidfeld erzielte 8 Podestpätze in 44 Formel-E-Rennen - Foto: LAT Images

Du bist zwischen 1999 und 2016 sechs Mal bei den 24 Stunden von Le Mans gestartet. Sind weitere Le-Mans-Rennen eine Möglichkeit?
Nick Heidfeld: Das bleibt auf jeden Fall eine Option, der ich offen gegenüberstehe. Ich bin froh, dass ich dort einige Male gefahren bin. Das war immer ein fantastisches Event. Auch in Bathurst würde ich gern mal fahren, die Strecke ist einfach etwas Besonderes. Es gibt noch ein paar tolle Sachen, mit denen ich mich noch nicht weiter beschäftigt habe.

Künftig bist du in die Entwicklung eines Supersportwagens involviert. Wieso jetzt dieser Schritt?
Nick Heidfeld: Der Hauptteil meines Programms besteht jetzt das erste Mal in etwas anderem außer Rennen zu fahren. Ich bin nun offen für andere Dinge als nur den Rennsport. Auch nachdem ich aus der Formel 1 ausgeschieden bin, habe ich mich gefragt, wie es weitergeht. Ich war aber nie offen für etwas anderes als Motorsport. Jetzt war die Zeit reif, auch mal nach links und nach rechts zu schauen. Ich bin extrem froh, dass ich mit Automobili Pininfarina zusammenarbeiten kann, weil ich dadurch die Möglichkeit habe, meine Passion weiterzuleben. Ich habe bei Mahindra offensichtlich einen guten Job gemacht, in dem Sinne, dass sie wissen, dass ich in der Autoentwicklung mit Sicherheit zu den Besten gehöre. Das passt wie die Faust aufs Auge.

Heidfeld entwickelt den Pininfarina-Supersportler PF0 mit - 1.900 PS Elektro-Power - Foto: Pininfarina

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Pininfarina beziehungsweise dem Ableger Automobili Pininfarina?
Nick Heidfeld: Mahindra ist ja Eigentümer von Pininfarina. Dadurch war der Kontakt relativ schnell hergestellt. Ich war schon bei der offiziellen Bekanntgabe der Partnerschaft total gespannt, mit einer Firma in Verbindung zu sein, die viele meiner Traumautos designt hat. Vor ein paar Jahren habe ich mir einen Ferrari Testarossa gekauft, der optisch einer meiner Traumwagen ist. Meine Augen haben geleuchtet, als ich die Möglichkeit hatte, mit Pininfarina zusammenzukommen. Dann haben sich die Dinge für mich zum Glück in eine Richtung entwickelt, die ich mir nicht besser hätte vorstellen können. Wir entwickeln jetzt den stärksten italienischen Sportwagen, den es jemals gab - und das mit einer Marke, die die schönsten Autos aller Zeiten designt hat. Da musste ich mich selber kneifen: Als kleines Kind habe ich mit Matchbox-Autos gespielt und der 512 Testarossa war mein Traumauto! Jetzt bin ich Markenbotschafter und in die Entwicklung des Autos involviert - das ist fantastisch.

Wie genau sehen deine Aufgaben in diesem Projekt aus?
Nick Heidfeld: Bei Pininfarina bin ich in erster Linie Markenbotschafter und Testfahrer, werde aber von Anfang an in alle möglichen Bereich einbezogen. Ich werde beim Design, bei der Haptik und generell beim Auftritt meinen Senf dazugeben. Ich erwarte natürlich nicht, dass ich federführend beteiligt sein werde. Ich werde aber sehr viel Spaß daran haben, Dinge von unseren Fachleuten zu lernen und gerade in dieser frühen Entwicklungsphase eine Richtung mitvorzugeben.

Heidfeld mit Mahindra Racing CEO Pawan Goenka, Mate Rimac und Automobili Pininfarina CEO Michael Perschke - Foto: Pininfarina

Was reizt dich an dem Job, einen Auto mitzuentwickeln?
Nick Heidfeld: Das bedeutet in einer gewissen Art und Weise ein neues Universum. Im Gegensatz zum Motorsport können wir hier in den meisten Bereichen unreglementiert vorgehen. Im Motorsport ist es zwar auch spannend, aus einem Reglement das Beste herauszuholen. Aber jetzt stehen die Türen im weitesten Sinne offen für etwas Neues.


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