Haas erfüllte mit einem TPC-Test in Mugello seinem ehemaligen Formel-1-Fahrer Romain Grosjean am Freitag in Mugello einen lange gehegten Wunsch. Der Franzose wollte sich gebührlich aus der Königsklasse verabschieden, nachdem ihn ein schwerer Feuerunfall beim drittletzten Grand Prix seiner - wie damals schon feststand - letzten F1-Saison 2020 diese Möglichkeit geraubt hatte.

Diesen Abschied erlebte Grosjean nun in der Toskana mit Haas, nachdem ein einst kurz nach seinem F1-Aus geplanter Test mit Mercedes zunächst aufgrund von Terminkollisionen verschoben wurde und schließlich nie zustande kam. Der Franzose zeigte sich nach dem Test glücklich und bedankte sich bei Haas, dessen Teamchef Ayao Komatsu und dem Eigentümer Gene Haas. "Es war fantastisch und ich bin sehr dankbar hier zu sein", so Grosjean.

Zurück im Haas-F1-Boliden: Onboard mit Romain Grosjean (01:56 Min.)

"Hätte das in Abu Dhabi 2020 erwartet": Grosjean holt tränenreichen F1-Abschied nach

"Am Anfang fühlt ich mich etwas eingerostet, aber dann kam alles wieder zurück", berichtete der 39-Jährige, der damit erstmals überhaupt in einem Boliden der Ground-Effect-Generation Platz nahm "Es war eine einzigartige Gelegenheit, einige Leute zu sehen, die schon in Australien 2016 dabei waren und diese neue Generation von Autos zu fahren", schwärmte Grosjean.

"Ich konnte sogar einen stehenden Start machen. Und wisst wir was, es war der erste stehende Start seit Bahrain 2020. Nur dieses Mal lief es ein bisschen besser", konnte er sich einen Hinweis auf jenes Rennen nicht verkneifen, bei dem er nach einem Crash auf der ersten Runde nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen war.

Am Ende seines womöglich letzten Tages in einem Formel-1-Auto kamen dem 179-fachen Grand-Prix-Teilnehmer sogar die Tränen, wie er zugab. Zum Abschluss des Tages waren ihm zu Ehren nämlich nochmal alle Anwesenden Spalier gestanden. "Sie haben mich zum Weinen gebracht. Ich behielt mein Visier unten, aber auf meiner letzten Inlap waren alle von Ferrari, Red Bull, Pirelli und natürlich von Haas hier und haben geklatscht und mich mit stehenden Ovationen bedacht", sagte Grosjean.

"Das war etwas, das ich in Abu Dhabi 2020 erwartet hätte, aber ich denke heute war es sogar besser", erklärte er die Bedeutung, die dieser Moment für ihn hatte. Abu Dhabi 2020, das wäre etatmäßig sein letzter Formel-1-GP gewesen. Das Abschiedsrennen, das ihm aufgrund seines schweren Unfalls und der daraus resultierenden Handverletzungen nie vergönnt war. Für jenes Rennen hatten ihm seine Kinder damals einen eigenen Helm designt, den er nun für den Test in Mugello erstmals trug.

F1-Karriere vorbei, aber nicht Rennfahrer-Karriere: Wo fährt Grosjean 2026?

Grosjean hatte 2009 als Teamkollege von Fernando Alonso bei Renault in der Formel 1 debütiert. Seine erste vollständige Saison bestritt er aber erst 2012 mit Lotus. In seiner fast zehn Saisonen andauernden Laufbahn, die er in Enstone und bei Haas verbrachte, fuhr er insgesamt zehnmal auf das Podium, ehe er nach 2020 seinen Sitz bei dem US-Team verlor.

Die letzten Jahre verbrachte Grosjean vor allem in der Indycar-Serie, wo er trotz anfänglicher Erfolge, einer Pole Position und sechs Podestplatzierungen am Ende von 2024 nach vier Jahren kein Cockpit mehr erhielt. 2024 und 2025 war er außerdem im Langstrecken-Programm von Lamborghini unterwegs und startete dabei auch im Vorjahr bei den 24 Stunden von Le Mans. Wie es mit der Rennfahrer-Karriere von Grosjean weitergeht, ist nicht bekannt. Derzeit bemüht er sich um eine Rückkehr als Stammfahrer in die Indycar-Serie für 2026.

Beim Kampf um ein Cockpit könnte Grosjean noch Konkurrenz bekommen. Mick Schumacher fährt im Oktober seinen ersten Test mit einem Indycar.