Lewis Hamilton ist an diesem Formel-1-Wochenende erstmals als Ferrari-Fahrer in Monza. Mit seinem Wechsel zur Scuderia wandelt er auf den Spuren von F1-Legende Michael Schumacher, der sich ein Vermächtnis in Maranello schuf. Der Kerpener gewann das Heimrennen der Italiener fünf Mal. Hamiltons erste Saison in Rot läuft bisher jedoch schleppend. Mit der Strafe aus Zandvoort im Gepäck, wird es für ihn am Sonntag schwieriger, vor den Augen der Tifosi zu glänzen. Der Geist seiner unvergessenen Vorreiter ist für ihn trotz der herausfordernden Zeiten allgegenwärtig.

"Das erste Mal in Monza, im Ferrari in Rot die Garage zu verlassen, wird etwas unglaublich Besonderes sein. An dieser Rennstrecke zu sein, versetzt mich zurück in meine Kindheit, als Michael [Schumacher] hier gewonnen hat. Jetzt bekomme ich die Möglichkeit, das dieses Rennwochenende vor den Tifosi zu erleben", freut sich Lewis Hamilton auf die 16. Station im Kalender der Saison 2025. Bereits fünf Mal war er im Königlichen Park von Monza siegreich, ein Mal mit McLaren-Mercedes und vier Mal mit Mercedes.

Lewis Hamilton mit Ferrari noch ohne Formel-1-Podium

Michael Schumacher gewann 1996 gleich beim ersten Auftritt für Ferrari in Monza. Auch er erlebte in seinem ersten Jahr in Rot einige Turbulenzen. In Reichweite eines Sieges kam Hamilton bisher noch nicht. In China gelang ihm ein erster Platz im Sprint, aber in den Grands Prix stand er dieses Jahr noch kein einziges Mal auf dem Podest. Es in Monza zu schaffen, wäre für ihn ein besonderer Erfolg.

"Ich war hier schon oft auf dem Podium und habe gesehen, wie es für die anderen Ferrari-Fahrer war. Allein die Vorstellung wird weit von dem entfernt sein, was für ein Gefühl das sein muss", gerät er ins Schwärmen. Doch davon ist er derzeit weit entfernt. Die Misserfolge nagen am siebenfachen Champion: "Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, was soll ich sagen? Hatte ich erwartet, dass meine Gefühlswelt dermaßen volatil sein wird? Nein."

Hamilton ohne Spaß? Danner: Dann soll er etwas anderes machen! (06:32 Min.)

Nicht wenige Weltmeister scheiterten daran, Ferrari zurück an die Spitze zu führen. Nigel Mansell, Alain Prost, Fernando Alonso und Sebastian Vettel siegten für die Scuderia, führten zuweilen auch WM-Kämpfe, konnten den Titel am Ende jedoch nicht zurück nach Maranello holen. In der Regel endeten die Beziehungen zwischen den Fahrern und dem italienischen Rennstall mit verbrannter Erde.

Lewis Hamilton fühlt Ferrari mehr als Mercedes

Hamilton fühlt sich bei den Tifosi bis jetzt gut aufgehoben. "Die Leidenschaft und die Unterstützung, die sie und dieses Team mir gegeben haben, ist etwas, das ich so noch nie zuvor erlebt habe", streut der 40-Jährige den Italienern Rosen. Im Vorfeld des Italien GP wurden Teamkollege Charles Leclerc und er bei einem Fan-Event in Mailand empfangen. Ein Erlebnis, das bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterließ.

"Das war eine einzigartige Erfahrung. Auch am Morgen, als wir nach Maranello kamen und ich dort das Ferrari-Logo gesehen habe, musste ich mich kurz kneifen. Es ist einzigartig, die Menschen vor der Fabrik zu sehen, die immer da sind. Ich habe in all meinen Jahren zuvor nie Fans vor den Werkshallen stehen sehen, und hier siehst du das jedes Mal", so Hamilton über diese neue Erfahrung in seinem 19. Jahr in der Formel 1. "Die Liebe für diese Marke, und was sie den Menschen bedeutet, ist sehr klar zu sehen."

Ferrari-Saison nicht die schwierigste in Lewis Hamiltons Karriere

Sportlich hat Lewis Hamilton die eigenen Erwartungen an den Wechsel zu Ferrari noch nicht erfüllt. Die größte Krise seiner Formel-1-Karriere sieht er allerdings nicht. "Da gab es einige Saisons, die für mich schwierig waren. Ich erinnere mich daran, dass 2009 schwierig war, und 2010 und 2011 waren auch nicht toll. Dann war 2012 für mich ein wichtiger Moment. 2022 und 2023 waren auch schwierig", erinnert er an seine harten Jahre in der Königsklasse.

Im Spätherbst der Karriere seine langjährigen Weggefährten von Mercedes für Ferrari verlassen zu haben, bereut er nicht im Ansatz. "Das hier ist wirklich der Traum, den ich lebe. Dieser Wechsel, um Rennen für Ferrari zu fahren. Ich hatte das ganze letzte Jahr, um mich darauf vorzubereiten und trotzdem gibt es Dinge, die du nicht vorhersehen kannst. Sowohl von meiner Seite, als auch von Seiten des Teams, wurden viele Anpassungen vorgenommen", erklärt er.

Die Unterstützung durch das Team, an dessen Spitze mit Teamchef Fred Vasseur ein Freund vergangener Tage steht, ist für Hamiltons Moral unabdingbar. "Sie haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um mich hier aufzunehmen. Es gibt kulturelle Unterschiede", sagt er. "Es ist eine Kombination von Dingen. Aber je schwieriger es ist, desto besser kann es dich machen. Das Jahr ist für alle im Team schwierig und es bereitet uns auf bessere Tage vor. Wir werden nach diesen ersten sechs Monaten stärker sein und sind motiviert, uns nach vorne zu kämpfen. Ich habe die besten Menschen um mich herum, um das zu schaffen."