Für Oscar Piastri war der Monaco Grand Prix nicht das glänzendste Wochenende seiner Formel-1-Saison: Im ersten Freien Training schrammte er mit seinem Frontflügel in Sainte Devote an der Wand entlang, im Qualifying kam er nicht über Startplatz 3 hinaus und im Rennen konnte er im sonst so überlegenen McLaren nicht um den zweiten Platz kämpfen.

Der Australier fühlte sich an der Cote d'Azur nicht wohl: "Ich kam nicht in den Rhythmus, ich bin mit wenig Selbstvertrauen ins Qualifying gegangen. In Monaco bezahlst du dafür den Preis, wenn du keine saubere Runde hinbekommst. Da ist das Wochenende für mich schon verloren gewesen", erklärte Piastri nach dem Rennen.

Beim Start brachte ihn Max Verstappen kurz ins Schwitzen, als der Niederländer versuchte, in Kurve 1 außen vorbeizugehen. Der 24-Jährige gab nicht nach, Verstappen musste zurückziehen, um nicht in der Wand zu landen. Anders als Sauber-Pilot Gabriel Bortoleto, der vor dem Tunnel in die Bande krachte und eine virtuelle Safety-Car-Phase auslöste. Danach lag Piastri plötzlich vier Sekunden hinter dem Führungsduo Lando Norris und Charles Leclerc.

McLaren in Monte Carlo: Formel-1-Taktikspiel oder Pace-Probleme?

War die Lücke ein strategischer Schachzug von McLaren? Die Taktik, einen Piloten absichtlich langsam fahren zu lassen und dadurch die Konkurrenz aufzuhalten, damit der zweite Fahrer einen oder gar zwei Reifenwechsel herausfahren kann, war in Monte Carlo beliebt. Noch am Qualifying-Samstag beteuerte McLaren-Teamchef Andrea Stella, keinen Fahrer für den anderen zu opfern, aber Teamwork sei nicht ausgeschlossen.

Oder war es doch fehlende Pace von Piastri? Charles Leclerc befand sich nie in Angriffsdistanz des Australiers. Für Stella war eine Zieleinfahrt mit beiden Piloten auf dem ersten und zweiten Platz keine Option: "Um darüber nachzudenken, hätte Oscar zumindest einmal im Heck von Leclerc sein müssen. Aber das war er nicht. Den Grund dafür müssen wir uns erst anschauen." Laut Stella hatte Piastri vor allem in den langsamen Kurven mit dem Auto zu kämpfen.

McLaren wollte sich den zweiten Platz mit einem Undercut gegen Leclerc sichern, doch nach einem verpatzten ersten Reifenwechsel war Oscar Piastri genau dort, wo er angefangen hatte: hinter dem Ferrari. "Wir haben es versucht. Aber etwas zu tun, dass uns auf einen anderen Platz außer den dritten gebracht hätte, war schwierig", sah Piastri die Situation gewohnt nüchtern. Auch Stella stimmte seinem Fahrer zu: "Ich weiß nicht, was wir noch tun hätten sollen, um Oscar auf P2 zu bringen."

F1-Sieger Lando Norris: Wo ist Oscar?

"Wo ist Oscar? Er muss für mich Druck auf Charles machen", verlangte Norris am Funk während seines intensiven Duells mit Lokalmatador Leclerc. Tatsächlich gelang es Piastri - nach einem kleinen Wandkuss in Sainte Devote - erst in den finalen Runden, zum Führungsduo aufzuschließen. Doch nicht aus eigener Kraft, sondern weil die beiden Vordermänner von einem langsamen Max Verstappen mit einem noch zu absolvierenden zweiten Reifenwechsel aufgehalten wurden.

Im Zweikampf konnte Piastri seinem Teamkollegen schließlich nicht helfen. Doch die Top-4 fuhren ins Ziel, wie sie starteten. Der Australier ist zufrieden mit seiner Leistung: "Wenn ein Podium in Monaco ein schlechtes Wochenende ist, dann läuft es im Allgemeinen sehr gut. Ein Sieg wäre natürlich besser gewesen", scherzte Piastri, dessen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf Lando Norris nach diesem Wochenende auf nur noch drei WM-Punkte schrumpfte.

Für George Russell konnte das Monaco-Wochenende nicht schlechter laufen. Schaden im Qualifying, Start von P14 und dann steckt er auch noch ewig hinter den Williams fest. Da platzt dem Mercedes-Piloten der Kragen! Was passiert ist, lest ihr im Artikel!