Das Formel-1-Wochenende in Monaco steht in den Startlöchern. Doch noch immer beschäftigt sich die Königsklasse mit den Folgen einer an sich sportlich unbedeutenden Szene aus dem ersten Freien Training des Emilia-Romagna-GP. Franco Colapinto, der in Imola erstmals im Alpine-Cockpit von Jack Doohan Platz nahm, wirkte im ersten Freien Training überfordert und stand mehrmals der Konkurrenz im Weg. So auch Red-Bull-Pilot Yuki Tsunoda, der sich daraufhin stark gestikulierend bei Colapinto beschwerte.

Aufgrund dieser Szene sah sich Tsunoda mit einer Welle hasserfüllter Nachrichten aus dem Colapinto-Fanlager konfrontiert. Colapinto selbst stellte vor dem Monaco-GP klar, dass die Reaktion von Tsunoda in Imola völlig gerechtfertigt gewesen sei und Tsunoda den Hass, der ihm entgegenschlug, nicht verdient habe. "Ich kann seine Reaktion nachvollziehen, er ist im Recht. Ich wäre auch verärgert, wenn mich jemand blockieren würde, so wie ich es getan habe. Ehrlicherweise liegt er richtig und darf auch verärgert sein. Es ist wirklich schlimm, dass er dafür Hass abbekommt."

Grundsätzlich kann der 21-Jährige die leidenschaftlichen Reaktionen der Motorsport-Fans nachvollziehen. Dies müsse allerdings immer mit dem nötigen Respekt geschehen. "Wir als Menschen im Sport müssen unser Bestes tun, um die Leute zu beruhigen und ihnen zu vermitteln, dass sie den Sport im TV und an der Strecke genießen sollen. Und sie sollen respektvoll bleiben, anders als es manche tun", meinte Colapinto.

Mehr könne er nicht tun. "Das ist alles, was ich machen kann. Ihnen verständlich zu machen, dass es nicht das Richtige ist. Natürlich haben sie die Freiheit zu schreiben, was sie fühlen und wollen. Aber sie müssen immer den Respekt wahren und nicht die Linie überschreiten."

Colapinto selbst Opfer von Internethass

Der zerstörte Alpine von Franco Colapinto
Auch nach seinem Abflug im Imola-Qualifying stand Colapinto in der Kritik, Foto: IMAGO / Eibner

Negative Kommentare von Fans, die den Bogen überspannen, kennt Colapinto aus eigener Erfahrung. "Seit meiner Zeit in der Formel 2 bekomme ich sehr viel Hass in den sozialen Medien ab. Das passiert einfach", erklärte der 21-Jährige. Er selbst habe sich dafür entschieden, dem Ganzen nicht allzu viel Bedeutung zu schenken.

"Wir sind Sportler und sollten uns auf die Dinge konzentrieren, die wir kontrollieren können. Es gibt Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen und die wir nicht wirklich ändern können zum Beispiel wie Menschen andere respektieren oder was diese Menschen tun", so der Argentinier.

Die Hassbotschaften an Tsunoda riefen auch die FIA auf den Plan. In einem Social-Media-Posting schrieb FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem: "Der Motorsport basiert auf Wettbewerb, Leidenschaft und Engagement, und alle Rennfahrer vertreten diese Werte auf der Rennstrecke. Die Leidenschaft und Begeisterung, die wir für unseren Sport empfinden, sollten uns verbinden und niemals in Missbrauch oder Hass umschlagen. Ich stehe voll und ganz hinter Yuki Tsunoda und Franco Colapinto und danke ihnen, dass sie sich gegen das wachsende Problem der Online-Beleidigungen im Motorsport ausgesprochen haben."

Yuki Tsunodas Teamkollege Max Verstappen konnte mit seinem Sieg in Imola überzeugen. Formel-1-Experte Christian Danner sieht Verstappen nun wieder ganz vorne im Titelrennen mit dabei:

Verstappen Formel-1-Weltmeister? Danner: Er kann es schaffen! (11:56 Min.)