Am Mittwoch ist es so weit: Ab 08:00 Uhr heulen auf dem Bahrain International Circuit die Motoren auf. Carlos Sainz wird erst am Nachmittag im Williams FW47 Platz nehmen. Dem Spanier ist bewusst, dass die eineinhalb Testtage bei weitem nicht ausreichen, um seinen komplett neuen Dienstwagen vollends zu verstehen.
"Ich weiß aus Erfahrung, dass es etwa sechs Monate dauert, bis man ein neues Auto wirklich verinnerlicht. Ein guter Winter mit dem Team hilft, direkt konkurrenzfähig zu sein, aber das letzte Zehntel – vielleicht sogar zwei – lernt man erst im Laufe der Saison herauszuholen", erklärte Sainz. Nach Stationen bei Toro Rosso, Renault, McLaren, Ferrari und nun Williams kennt der Routinier die Herausforderungen eines Teamwechsels genau. Der entscheidende Faktor: Anpassungsfähigkeit.
Jedes Wochenende stellt neue Anforderungen – sei es die erste Fahrt auf Intermediate-Reifen oder das Verständnis der Pirelli-Mischungen, die je nach Strecke variieren. "Das erste Mal auf Intermediate-Reifen, das erste Mal auf weichen Reifen – und dann kann der weiche Reifen an einem Wochenende ein C3 sein, am nächsten ein C4 und danach ein C5, bevor es wieder zurück zu einem C3 geht. Es gibt so viele Dinge, die man von Rennen zu Rennen lernen muss. Das bedeutet nicht, dass wir nicht sofort wettbewerbsfähig sein können, aber um wirklich das letzte Zehntel aus dem Auto herauszuholen, braucht es Zeit", so Sainz weiter.
Nichtsdestotrotz will der Spanier das weiterhin strauchelnde Williams-Team sowohl in naher als auch in ferner Zukunft auf ein neues Level heben. Williams beendete die vergangene Saison auf dem vorletzten Platz und stritt sich häufig mit Sauber um die letzten Plätze. Sainz selbst rechnet mit einem harten Jahr im Mittelfeld, will aber zeitnah auch Fortschritte sehen.
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Formel-1-Testfahrten als erster Gradmesser
Für Williams und die anderen Teams sind die Testfahrten in Bahrain der erste große Vergleich: Wer hat sich am meisten verbessert? Wo gibt es noch Nachholbedarf vor dem Saisonstart in Australien? Während Sainz am Mittwochnachmittag und Donnerstag im Cockpit sitzt, übernimmt Teamkollege Alexander Albon am Mittwochmorgen und am Freitag das Steuer. Der 28-Jährige sieht in Sainz als Teamkollegen keine Gefahr - im Gegenteil! Er freut sich auf die Zusammenarbeit, nach zwei Jahren mit Rookies an der Seite eine willkommene Veränderung.
"Er hat sofort eine andere Dynamik ins Team gebracht, einfach aufgrund seiner Erfahrung. In vielerlei Hinsicht können wir mehr von ihm lernen als er von uns", sagt Albon. Er hofft, dass sich die Zusammenarbeit langfristig für Williams auszahlt. "In den letzten zwei Jahren lag die Verantwortung für die Fahrzeugentwicklung größtenteils auf meinen Schultern – sei es im Simulator, in den FP1-Sessions oder bei anderen Abstimmungsarbeiten. Mit zwei etablierten Fahrern kann sich das nun ändern."
Der Vorteil: Doppelte Entwicklungsarbeit. "Wenn beide Fahrer an einem Rennwochenende verschiedene Dinge testen, kann das Team viel schneller Fortschritte machen. Es wäre übertrieben zu sagen, dass sich die Entwicklungsrate verdoppelt, aber es eröffnet uns definitiv ganz neue Möglichkeiten", gibt sich Albon für die bevorstehende Saison hoffnungsvoll.



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