Lewis Hamilton hatte in den letzten Wochen ohnehin schon kaum Pace und haderte vor seinem Abschied von Mercedes mit dem Handling des Silberpfeils. Jetzt kam im Qualifying von Abu Dhabi auch noch Pech dazu. Denn der Rekord-Weltmeister flog schon im ersten Abschnitt raus, kann dafür allerdings sehr wenig.

Auf seiner entscheidenden schnellen Runde war Hamilton klar auf Kurs zu Q2, doch dann wurde Kevin Magnussen vor ihm von seinem Erscheinen überrascht. Der Däne versuchte möglichst gut Platz zu machen, fuhr in Kurve 14 innen vollständig neben die Strecke. Er stand Hamilton nicht im Weg, hatte jedoch bei seiner Ausweich-Aktion einen Pöller mitgenommen.

Pöller-Pech lässt Hamilton kalt: Heute ging es nicht darum

Dieser flog auf den Kurs und wurde direkt in den Boliden von Hamilton geschleudert, verklemmte sich dort. In diesem Zustand verlor Hamilton in den letzten zwei Kurven der Strecke die zwei Zehntelsekunden Zeit, die er bis dahin gegen Fernando Alonso (der letztendlich auf P15 landete) in der Hand gehabt hatte.

Viel Pech für Hamilton also. Er gab sich nach dem Qualifying allerdings gefasst: "Ich habe keine Emotionen. Ich bin sehr ruhig", stellte er fest. "Es war eine unglückliche Session und wir bekamen einen Pöller unter das Auto", rezitierte der fünffache Abu-Dhabi-Polesetter die Faktenlage.

Für den 105-fachen Grand-Prix-Sieger steht an diesem Wochenende sowieso der Abschied von Mercedes im Vordergrund und nur sekundär das Ergebnis. Seine Prämisse: Noch einmal mit dem Team, das ihm so viel bedeutet, arbeiten zu können, ehe er nach Maranello geht. "Dieses Timing, dass es genau unter das Auto flog… Aber ich fühle keinen Schmerz, denn für mich ging es heute darum, noch einmal alles bewusst mitzuerleben und ich habe jeden Moment genossen."

Lewis Hamilton: Dachte, wir können um Podium mitkämpfen

Dass ihn die verpasste Chance auf ein gutes Ergebnis ein bisschen wurmt, kann er aber dann doch nicht leugnen. Denn ausgerechnet in Abu Dhabi schien der Negativ-Lauf, den Hamilton zuletzt erlebte, beendet zu sein. "Das Auto ist vollkommen anders als an den letzten fünf Wochenenden, es hat sich wirklich großartig angefühlt. In FP3 war ich Dritter und meine Rennpace war die zweitschnellste, also dachte ich ehrlich, dass wir um ein Podium mitkämpfen könnten", sagte Hamilton.

Jetzt geht es am Rennsonntag einmal wieder nur um Schadensbegrenzung. Dass die 5,281-Kilometer lange Strecke auf der Yas-Insel aufgrund vieler nach außen abfallender Kurven als eher überholfeindlich gilt, macht die Aufgabe nicht einfacher. "Es wird morgen nicht einfach werden, zu überholen. Aber ich arbeite jetzt an der Strategie, anstatt um ein Podium zu kämpfen", nahm Hamilton das als Herausforderung.

Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton im Paddock
Lewis Hamilton beim Formel-1-Wochenende in Abu Dhabi - seinem letzten Grand Prix für Mercedes, Foto: LAT Images

Hamilton erleichtert: Habe dieses Formel-1-Jahr überstanden

"Wir werden sehen, wie weit wir es morgen schaffen werden. Wenn wir in die Top 10 kommen, das wäre unglaublich", will er die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. In erster Linie scheint bei Hamilton aber eine Emotion zu dominieren: Endlich ist ein Ende der (gemessen an der WM-Position) schlechtesten Formel-1-Saison seiner Karriere in Sicht: "Ich habe es geschafft. Ich habe eine sehr sehr hartes und schlechtes Jahr überstanden", werden seine ersten Gedanken am Sonntagvormittag sein, vermutete der Brite.

Nebenbei erlitt die ansonsten so sagenhafte Qualifying-Statistik von Hamilton auf dem Yas Marina Circuit nun schon das zweite Jahr in Folge einen Dämpfer. Bis 2022 hatte Hamilton sich bei jedem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi eine Startposition in den Top 5 erarbeitet und das seit dem Debüt der Strecke 2009 – damals stand er übrigens auf Pole. Im Vorjahr schied er mit P11 erstmals in Q2 aus, in diesem Jahr war nun zum ersten Mal im ersten Qualifying-Segment Schluss. Die Session beendete Hamilton auf P18, dank Strafen geht er am Sonntag von Platz 16 ins Rennen.

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