1. S wie Startaufstellung mit Strafe
Eigentlich fuhr Max Verstappen im Qualifying überraschend die schnellste Zeit, nachdem er zuvor im Sprint noch ein Debakel erlebt hatte. Der Niederländer schlug George Russell um eine halbe Zehntel. Und dennoch wird der Weltmeister hinter dem Briten starten. Genau jenen Russell hatte er zuvor durch unnötiges Langsamfahren behindert. Die Stewards nahmen sich der Sache an und reagierten. Dadurch steht Russell auf Pole-Position und Verstappen wurde neben ihn auf Startplatz Zwei zurückversetzt.
Reihe Zwei im Katar-GP gehört McLaren mit Lando Norris vor Oscar Piastri. Dann folgt der erste Ferrari mit Charles Leclerc. Neben ihm steht Lewis Hamilton. Carlos Sainz und Landsmann Fernando Alonso teilen sich Reihe Vier. Die ersten Zehn runden Sergio Perez und Kevin Magnussen ab. Für Nico Hülkenberg ging das Qualifying daneben. Der Deutsche geht nur von Rang 18 aus ins Rennen. Die gesamte Startaufstellung findet ihr hier:
2. S wie Start
Der Weg zur Kurve Eins in Katar ist nicht lang. Nur 371 Meter trennen Startplatz 1 von der ersten Bremszone. Aber Kurve 1 hat es in sich, sie bietet Platz für zwei oder gar mehr Autos nebeneinander. Das Feld muss sich dort also nicht unbedingt einordnen. Vielmehr gehen die Kämpfe zumeist über mehrere Kurven hinweg. Dies kann im Zweikampf unangenehme Folgen haben. Max Verstappen erlebte das im Sprint. Eingeklemmt zwischen seinen Konkurrenten verlor er drei Plätze. Noch schlimmer erwischte es die Mercedes-Piloten im Vorjahr. Die beiden kollidierten. Hamilton schied aus, Russell wurde ans Ende des Feldes geworfen. Es ist zu erwarten, dass die Boliden auf der linken Seite einen Vorteil am Start haben, da diese deutlich sauberer ist. In Kurve Eins sind sie dann aber auf der riskanteren Außenbahn. Für Spannung ist also gesorgt, wenn um 17:00 Uhr MEZ die Lichter der Ampel erlöschen.

3. S wie Strategie
2023 erlebte die Formel 1 in Katar ein regelrechtes Reifendebakel. Pflichtboxenstopps wurden angeordnet, da die Pirellis nur eine gewisse Rundenzahl durchhalten würden. Dies hatte mit den aggressiven Pyramiden-Kerbs zu tun, die nun an der Spitze abgerundet wurden. Wir können uns dieses Jahr wieder auf die klassischen Faktoren der Reifenabnutzung konzentrieren. Und da könnte es recht spannend werden, denn laut Mario Isola ist sowohl eine Einstopp- als auch eine Zweistoppstrategie möglich.
Die präferierten Reifen sind eindeutig Medium und Hard. Von letzteren haben sich fast alle Teams zwei Sets aufgespart. Der Weiche kommt nur bei einem kurzen Stint am Start oder einem Schlussspurt, etwa nach einem Safety-Car, in Frage. Die als am schnellsten prognostizierte Strategie ist der Einstopp in der Reihenfolge Medium-Hard. Dies ist aber wie immer nur als eine Orientierung anzusehen. Oft kommt es doch deutlich anders, weil sich beispielsweise die Bedingungen überraschend stark ändern. Der limitierende Faktor ist der linke Vorderreifen. Dieser verschleißt auf der Strecke in Katar am schnellsten .
4. S wie Scuderia unter Titel-Zugzwang
Ferrari muss eigentlich dringend Punkte auf Erzrivale McLaren aufholen, wenn es mit dem Konstrukteurstitel noch etwas werden soll. 30 Punkte Rückstand hat Maranello nach dem Doppelsieg ihrer Kontrahenten im Sprint bereits. Wenn McLaren im Rennen den Vorsprung um 15 weitere Punkte ausbaut, dann jubeln sie bereits in Katar. Bei einem Sieg reichen sogar 14 Zähler. Ferrari muss das verhindern, doch starten sie hinter den Papayas.
Charles Leclerc und Carlos Sainz stehen also gehörig unter Druck. Die Pace im Sprint machte nicht allzu viel Hoffnung. Zwar konnten die Roten der Spitzengruppe einigermaßen folgen, doch schneller waren sie keineswegs. Es braucht also einen guten Start und eine gute Strategie. Ansonsten hilft wohl nur Pech beim Rivalen.
5. S wie Sauber gegen die Blamage
2026 wird Sauber zu Audi. Doch den sportlichen Ansprüchen eines Werksteams fährt der Traditionsrennstall aus Hinwil in der Saison 2024 gnadenlos hinterher. Keinen einzigen Punkt konnten Valtteri Bottas und Zhou Guanyu bisher einfahren. Neben dem quasi feststehenden letzten Platz der WM-Wertung steht das Team also vor der großen Blamage einer kompletten Nullnummer.
Kein Wunder also, dass alles darangesetzt werden soll, dies in den verbleibenden beiden Rennen der Saison noch zu verhindern. Ausgerechnet in der Heimat der neuen Mitbesitzer aus Katar scheint sich nun vielleicht doch noch eine Chance aufzutun. Mit den Plätzen 12 und 13 im Qualifying war Sauber so gut wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Und auch im Sprint zeigte sich eine Pace, mit der zumindest im Mittelfeld mitgeschwommen werden konnte. Es entstand der Eindruck: Wenn es irgendwo geht, dann hier.
6. Starker Nacken statt Schwitzen
Im Vorjahr ging es in Katar heiß her. Doch leider war das für die Formel-1-Piloten wörtlich zu nehmen. Die große Hitze sorgte in Kombination mit der schnellen Pace und hohen Luftfeuchtigkeit für eine Extrembelastung, wie sie die Fahrer zuvor wohl noch nie erlebt hatten. Logan Sargeant gab sogar verfrüht das Rennen auf. Die Podiumszeremonie wirkte weniger wie eine Feier und mehr wie eine Truppe von drei Männern, die es beim Saunagang übertrieben hatten.

Dieses Jahr ist das Problem zum Glück ad acta gelegt. Der Grand Prix wurde in eine spätere Jahreszeit verlegt und dementsprechend ist es kühler. Dadurch ist aber auch die Strecke schneller geworden, viel schneller. Mehr als drei Sekunden waren die Piloten im Qualifying unter der Zeit von 2023. Und auf einem so flüssigen und flotten Kurs wie dem Losail International Circuit bringt das wiederum eine andere Belastung mit sich: In den Kurven wurden fast 7G gemessen, die da an Kopf und Helm ziehen. Hier wird sich also zeigen, wer beim Nackentraining seine Hausaufgaben gemacht hat.
7. S wie Sieger
Nach den bisherigen Eindrücken muss der Topfavorit auf den Sieg eindeutig George Russell heißen. Der Mercedes-Pilot startet nicht nur von der Pole-Position, sondern war auch als einziger Fahrer das gesamte bisherige Wochenende über ganz vorne dabei. Im Sprint hätte er schon schneller als der zweiplatzierte Oscar Piastri gekonnt, doch dieser erhielt DRS von Teamkollege Lando Norris spendiert. Außerdem verteidigte sich der Australier hart gegen die Angriffe des Briten. Nun kann Russell bei einem guten Start vornewegfahren.

Hinter Max Verstappen steht ein Fragezeichen. Zum einen geht er nun auf der schmutzigen Seite der Startaufstellung in den Katar GP. Zum anderen kann über die Rennpace seines RB20 nur spekuliert werden. Im Sprint war er noch langsamer als Nico Hülkenberg im Haas. Dann änderte Red Bull das Setup massiv, was im Qualifying sofort Wunder bewirkte. Ob das in diesem Ausmaß auch im Rennen gilt, bleibt abzuwarten. Zuletzt war Verstappen meist auf eine Runde etwas konkurrenzfähiger als im Longrun. Da gingen seinem Auto zu schnell die Reifen ein. Doch abschreiben sollten wir den Ausnahmepiloten natürlich nie.
Die dritten im Bunde sind die McLaren. Im Sprint-Qualifying noch erste Kraft, drückte die Konkurrenz im Sprint bereits gewaltig und schob sie dann im Qualifying in Reihe Zwei zurück. Doch Lando Norris und Oscar Piastri haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind zu zweit. Woking kann die strategische Zange auspacken, während Lewis Hamilton und Sergio Perez bisher einfach zu schwach unterwegs waren, um Russell und Verstappen helfen zu können. Der WM-Kampf kümmert die McLaren-Fahrer übrigens erstmal wenig. Sie wollen gewinnen, das interessiert sie mehr als Ferrari. Die Scuderia selbst dürfte für den Sieg aller Voraussicht nach nur ein Außenseiter sein.



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