Seit Jahren ist es Formel-1-Teams verboten, während der laufenden Saison private Tests zu fahren. Eine Regel, die allgemein bekannt ist. Doch so klar ist dieses Testverbot eigentlich nicht. Ebenfalls seit Jahren nutzen Teams ein etabliertes Schlupfloch im F1-Reglement, um teils tausende Kilometer abzuspulen. Das wird allen Beteiligten inzwischen zu bunt. Jetzt wird eingegriffen.
Im engeren Sinne handelt es sich bei diesen Tests natürlich nicht um Tests mit den aktuellen Autos. Diese sind absolut verboten, nur Reifentests im Pirelli-Auftrag und unter FIA-Aufsicht sind erlaubt. Was aber seit Jahren im Reglement verankert ist, das ist das "Testing of Previous Cars" - Testfahrten mit alten Autos.
Als "altes Auto" definiert das Sportliche Reglement jedes F1-Auto, welches aus einer der drei Saisons vor dem vorangegangenen Kalenderjahr stammt. Einfach gesagt: 2024 darf jedes Team private Testfahrten mit Autos aus den Jahren 2022, 2021 und 2020 veranstalten.
Test-Regeln 2024 im Fokus: Sogar Max Verstappen im Auto
Bis jetzt war der eingeräumte Umfang recht großzügig. Bei den Tests durften nur Teile zum Einsatz kommen, die in der damaligen Saison mindestens bei einem Grand Prix genutzt wurden. Die Tests mussten auf für die Formel 1 homologierten Strecken stattfinden und mit für diesen Zweck konstruierten Pirelli-Reifen. Sonst konnte man im Großen und Ganzen tun, was man wollte.
2024 rückte das Thema zunehmend in den Fokus. Zum einen, weil die 2022er-Autos erstmals verwendet werden durften, sprich Autos aus der aktuellen Regelgeneration. Einige Teams zeigten nur wenig Zurückhaltung. Mercedes stellte etwa ein großes Programm für seinen 2025er-Fahrer Andrea Kimi Antonelli auf die Beine, mit Tests in Spielberg, Barcelona, Silverstone und Spa. Teilweise zusammen mit Testfahrer Mick Schumacher und Einsatzfahrer George Russell zusammen.
Auch Alpine organisierte mehrere Testtage für seinen zukünftigen Fahrer Jack Doohan. Oscar Piastri hatte 2021 von einem ähnlichen Programm profitiert. Doch es sind nicht nur Rookies. Ferrari begann ein umfangreiches Programm vor Saisonstart. Max Verstappen fuhr einen Red Bull RB18 in Imola.
Besonders der Verstappen-Test rief Kritiker auf den Plan. Er kam zwischen Barcelona und Österreich, als Red Bull nach Referenzen suchte, während man an der Stabilität des aktuellen Autos arbeitete. Das 2024er-Auto ist ultimativ schließlich eine Evolution des 2022er-Modells. "Da ging es mehr um Entwicklung als sonst was", ortete Ferrari-Teamchef Fred Vasseur damals.
So sehen die neuen Test-Regeln für 2025 aus
So spielen mehrere Faktoren zusammen. Man ist sich generell einig, dass diese Tests ideal sind, um Rookies vorzubereiten. Aber wenn sie für andere Zwecke genutzt werden, oder permanent während der Saison stattfinden, führen sie die eigentlichen Prinzipien der Team-Entlastung und der Kostenersparnis, wegen welcher Tests eigentlich verboten sind, ad absurdum. Das brachte alle Beteiligten zur Schlussfolgerung, dass es einen robusteren Rahmen braucht. Der wurde nun in der Vorwoche vom Motorsport-Weltrat der FIA abgesegnet und greift ab 2025.
Es beginnt damit, dass nun nur mehr ein Auto pro Tag zur Verfügung stehen und eingesetzt werden darf. Ein "Tag" wird jetzt auf neun durchgängige Stunden (zu fahren zwischen 09:00 Uhr bis 19:00 Uhr) festgesetzt. Nur 20 solcher Tage sind pro Kalenderjahr noch erlaubt. Für die WM eingeschriebene Einsatzfahrer des Teams dürfen zusammen höchstens 1.000 Kilometer fahren, verteilt über maximal vier Tage.
Das beliebige Wählen von Strecken, die im aktuellen Kalender vertreten sind, ist nun ebenfalls vorbei. In den 60 Tagen vor dem Beginn eines jeden Grand Prix ist die entsprechende Strecke Sperrzone. Auf Strecken, welche im Vorjahr nicht im Kalender waren oder die in den Augen der FIA seit dem letzten Grand Prix signifikant modifiziert wurden, darf überhaupt nicht getestet werden.
Damit sollte die Lage sich etwas entspannen, ohne zugleich Nachwuchspiloten um ihre Chancen zu berauben. Abgesehen von diesen Regeln werden 2025 übrigens auch die Reifentests angepasst. Der Fokus rückt (logischerweise) auf die komplett neuen Reifen für 2026, welche mit von den Teams umgebauten Testträgern ausgetragen werden. Die dafür anberaumten Tage wachsen von 10 auf 40. Auch 2024 fahren die ersten Testträger schon. Wie die erste Ausfahrt lief, verrät Pirelli hier:



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