Die Erwartungen von Lando Norris und von McLaren vor dem Formel-1-Qualifying in Austin waren eigentlich gedämpft. Beim Sprint-Qualifying am Freitag war der Papaya-orange Bolide nur vierte Kraft, im Sprint am Samstag musste sich Norris permanent nach hinten orientieren und konnte mit Max Verstappen nicht Schritt halten.
Doch in der Qualifying-Entscheidung auf dem Circuit of the Americas war davon nichts mehr zu sehen. In Q1 und Q2 hielt sich das McLaren-Duo noch bedeckt, doch im dritten Abschnitt schlug Norris plötzlich zu und unterbot die Zeit von Pole-Favorit Verstappen um 0,032 Sekunden. Woher kam die Wiederauferstehung des WM-Zweiten?
Lando Norris: Pole-Triumph gegen Verstappen dank Traumrunde
Wie so oft in der Formel 1 gibt es nicht eine einzelne Antwort, die als Erklärung herhalten kann. Ein Faktor erwies sich aber als ausschlaggebend für die Pole Position, nämlich der Faktor Fahrer. Davon ist jedenfalls Lando Norris selbst überzeugt: "Das war die beste Runde meiner Karriere."
Auf seinem ersten Umlauf in Q3, der sich aufgrund des späteren Unfalls von George Russell als entscheidend erwies, ging laut dem Briten alles auf. "Ich wusste, dass ich mehr riskieren und das letzte bisschen extra finden musste und das passte alles perfekt zusammen. Es ist mit Sicherheit keine Runde, die ich so wiederholen könnte", staunte er.

"Wenn man uns mit den Red Bulls vergleicht, ich wusste, dass Max im ersten Sektor extrem schnell ist, in den Highspeed-Kurven. Ich versuchte da seinen Vorteil so gut es ging in Grenzen zu halten und damit ging es schon gut los. Dann auch im letzten Sektor und in den Kurven zwischen Turn 12 und 16. Wenn dort eine Abschnitt schiefgeht, dann fällt alles auseaindern. Aber heute saß alles, zum ersten Mal an diesem Wochenende und wahrscheinlich auch zum letzten Mal", beschrieb Norris seine Runde. "Es passte einfach perfekt zusammen."
Das konnte Max Verstappen nicht von sich behaupten. Der Red-Bull-Pilot baute auf seiner Q3-Runde einen leichten Fehler in Kurve 19 ein, der sich als entscheidend erwies. Denn bis zu diesem Punkt lag Norris noch leicht zurück. Doch dort verpasste Verstappen ganz leicht den Scheitelpunkt und rutschte damit hinter seinen Titelrivalen.
Der zweite Faktor, der McLaren in die Hände spielte, ist laut Norris auch die Abstimmung seines Boliden. Zwischen dem Sprint und dem Qualifying dürfen die Formel-1-Teams ja 2024 wieder ihr Setup anpassen. Dabei fanden die Papaya-Orangen mehr Körner, als es die bereits am Freitag besser aussortierte Konkurrenz konnte.
Doch auch im Qualifying dauerte es, bis ins entscheidende Segment, ehe Norris wieder ein gutes Gefühl in das Auto aufbauen konnte. "Ich sagte noch nach Q2 [zu meinem Renningenieur], dass ich kein Vertrauen ins Auto habe. Es hüpfte überall herum", sagte der dreifache Saisonsieger. Vor allem langsame Ecken erwiesen sich im Training und im Sprint-Qualifying als Achillesferse: "Ich hatte Probleme in Kurve 1 und ich hatte Probleme in Kurve 12."
Was kann der McLaren im Longrun? Teamchef erklärt Sprint-Probleme
Als es darauf ankam, klappten auch diese Passagen. Doch sind mit den Setup-Verbesserungen auch die Longrun-Probleme beseitigt? Denn in den 19 Runden des Samstags-Rennens brachen die Pneus am Wagen von Norris merkbar schneller ein als jene am RB20 von Verstappen oder am SF-24 von Carlos Sainz und Charles Leclerc. McLaren-Teamchef Andrea Stella relativierte das. Der Italiener erklärte, dass die Reifen von Norris eine Runde älter gewesen waren als jene der Konkurrenz.
Nichtsdestotrotz wird der USA-GP kein Selbstläufer. Stella hob hervor: "Ich habe erwartet, dass dieses Wochenendes das schwierigste im noch verbleibenden Kalender sein wird." Dass Norris das Auto auch hier auf die Pole stellen konnte, spricht Bände über die derzeitige Verfassung des McLaren MCL38.



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