Nichts da mit Lando Norris. Max Verstappen misst sich bei der Entscheidung im Formel-1-Qualifying in Monza mit seinem Teamkollegen Sergio Perez im Kampf um P7, anstatt um die Pole mitzumischen. Der Weltmeister landet nach einer horrenden Q3-Pleite nur auf der sechsten Position und muss einen massiven Rückschlag im WM-Kampf befürchten, denn Titelrivale Norris fährt auf Pole.
Bei Red Bull war man nach dem Qualifying in Erklärungsnot. Motorsportberater Dr. Helmut Marko konnte sich keinen Reim darauf machen, warum Verstappen nach einem starken Q2, das er auf P2 beendet hatte, im entscheidenden Segment plötzlich so chancenlos war. "Nach der Performance in Q2 waren wir eigentlich optimistisch, aber wir wurden eines Besseren belehrt", so Marko.
Nach Q2 verschwindet Max Verstappens Pace plötzlich
Beim einem Zeitenvergleich zeigt sich, warum Red Bull so ratlos ist. Denn in Q2 legte Verstappen noch eine Rundenzeit von 1:19,662 hin. In Q3, eine Session, die eigentlich schnellere Rundenzeiten zuließ, konnte der Fahrer mit der Startnummer 1 nicht einmal die 1:20er-Marke knacken. "Im Moment ist es wirklich unerklärlich. Auf beiden Reifensätzen kam einfach keine Performance", so Marko.
Eine potenzielle Erklärung für den plötzlichen Performance-Einbruch könnte das Wetter mit sich bringen. Aufgrund einer etwas zunehmenden Bewölkung gingen die Temperaturen zu Beginn von Q3 etwas zurück. Ferrari-Konkurrent Carlos Sainz berichtete aufgrund dieser Wetterveränderung von etwas mehr Untersteuern.
Untersteuern war jene Fahreigenschaft, die Verstappen in Q3 am meisten zu schaffen machte. "Aus irgendeinem Grund hatte ich in Q3 viel Untersteuern auf beiden Reifensätzen. Das kann ich im Moment nicht verstehen. Es war einfach nicht fahrbar", ärgerte sich der Niederländer. "Es ist nicht normal, dass man vier Zehntel langsamer fährt als in Q2."
Was allerdings gegen die Temperatur-Theorie spricht, ist der Beginn des zweiten Qualifying-Segments. In diesem war Verstappen im zweiten Run zwar vorne dabei, im ersten Umlauf zeigten sich jedoch bemerkenswerte Parallelen zu Q3. "Ich hatte das Problem schon auf dem ersten Satz in Q2", so der Holländer. "Die einzige Erklärung wäre, dass das Fahrgefühl auf einem gebrauchten Reifen besser war als auf einem neuen", vermutet Verstappen.
Wo verliert Max Verstappen in der Qualifying-Entscheidung die Zeit?
Auf der ersten Hälfte der Runde war Verstappen noch in der Lage, das Untersteuern irgendwie zu umfahren. Doch auf der zweiten Hälfte war das dann nicht mehr möglich. Der Knackpunkt war die zweite Lesmo-Kurve. Abgesehen von seinem schnellen Q2-Run verlor Verstappen in und nach Kurve 7 jeweils viel Zeit auf die Konkurrenz. Möglicherweise hatten in dieser Kurve die Vorderreifen aufgrund des Untersteuerns zu viel Belastung abbekommen.
Untersteuern war schon in Zandvoort das maßgebliche Problem bei Red Bull. Teamchef Christian Horner kündigte deshalb eine weitere Spurensuche an. Im Interview bei Sky F1 sagte er: "Wir schauen uns alles an. Wir fuhren mit einer älteren Spezifikation als letzte Woche, um zu sehen, ob das die Probleme beheben könnte. Aber in der Realität hatten wir noch immer dieselben Handling-Charakteristiken und Probleme."
Wie stehen Red Bulls Chancen im Rennen?
Während Marko noch auf die Renn-Performance von Verstappen baut, ist der dreifache Champion selbst nicht sehr hoffnungsvoll, was die Rennpace des RB20 in Monza angeht. "Die Longruns mögen auf dem Papier gut aussehen, aber sie haben sich für mich persönlich nicht gut angefühlt", bremste Verstappen die Erwartungen.
Der zweifache Monza-Sieger fürchtet, dass das Handling im Longrun die entscheidende Schwachstelle sein könnte: "Das Problem ist, wenn man kein gut ausbalanciertes Auto hat, dann wirkt sich das auf die Renndauer ziemlich schmerzhaft auf die Reifen aus." Von Startplatz 7 aus traut er sich nicht an einen Sieg zu denken. Erneut muss Verstappen auf Schadensbegrenzung hoffen.

Das Leid von Verstappen hatte zur Folge, dass Perez so nah wie lange nicht mehr an seinen Stallgefährten herankam. Nach dem ersten Q3-Run lag er sogar vor Verstappen, erst im entscheidenden Versuch unterbot der WM-Leader seine Marke um vier Hundertstelsekunden. Ein Abstand, der normalerweise wohl ein Grund zum Feiern wäre, dieser konnte allerdings angesichts der Red-Bull-Pleite nach dem Monza-Qualifying auch Perez nicht froh stimmen.
"Die Verbindung in unserer Balance fehlt im Moment, das ist das größte Problem", lamentierte er. Die Balance des Autos vor dem Scheitelpunkt unterscheidet sich von jener danach, stellte er fest - mit einem schmalen Fenster dazwischen. "Man kann es nicht lösen. Denn wenn man in eine Richtung geht, dann verschlimmert sich das Problem an einem anderen Punkt", erklärte der Mexikaner. Horners Ansatz: "Irgendetwas funktioniert eindeutig nicht am Auto. Es wird eine technische Lösung für ein technisches Problem geben müssen."



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