In São Paulo wird es Zeit für das dritte und letzte Sprint-Rennen der Formel-1-Saison 2022. Bereits in Imola und Österreich wurde das Format ausgetestet - wie schon im Vorjahr bei drei Gelegenheiten. In der neuen Formel-1-Saison 2023 wird das Sprint-Format von drei auf sechs Rennwochenenden ausgedehnt. Um welche Rennen es sich dabei handelt, wurde noch nicht bekanntgegeben. Und wie funktioniert der F1 Sprint jetzt? Das verraten wir Euch in unserer Übersicht:

Der Zeitplan: Klassisches Formel-1-Qualifying heute

Freitag, 11. November 2022

  • 16:30 Uhr*: 1. Freies Training (60 Minuten)
  • 20:00 Uhr: Qualifying (Q1, Q2, Q3)

Samstag, 12. November 2022

  • 16:30 Uhr: 2. Freies Training (60 Minuten)
  • 20:30 Uhr: Sprint-Rennen (24 Runden)

Sonntag, 13. November 2022

  • 19:00 Uhr: Grand Prix (71 Runden)

* Alle Zeiten MEZ

So wird die Startaufstellung bestimmt

Das Ergebnis der normalen Qualifikation am Freitagabend ist gleichzeitig die Startaufstellung für das Sprint-Rennen am Samstag. Etwaige Startplatzstrafen werden dabei nicht berücksichtigt, sie werden erst für die Startaufstellung am Sonntag angerechnet. Die Startreihenfolge für den Grand Prix ergibt sich aus dem Zieleinlauf des Formel-1-Sprints. Der Sieger startet im Hauptrennen von der Pole Position, der Zweitplatzierte von P2 und so weiter.

Scheidet ein Pilot im Sprint-Rennen aus, muss er am Ende des Feldes starten. Scheiden mehrere Fahrer aus, werden sie nach Anzahl der absolvierten Runden aufgereiht. Scheiden Fahrer in der gleichen Runde aus, entscheidet ihre ursprüngliche Qualifikations-Position darüber, wer vorne starten darf. Der Sieger des Sprint-Rennens geht übrigens nicht wie 2021 als Pole-Setter in die Statistik ein, stattdessen erhält diese Ehre Schnellste des Qualifyings am Freitag.

Punktevergabe für das Sprint-Rennen

Punkte am Samstag waren ein großes Streitthema. Ursprünglich sollte der Sieger des Sprints eine zweistellige Punktausbeute mitnehmen. Auch hier gibt es eine Änderung zum Versuchsjahr 2021. In der Saison 2022 werden nicht nur die drei Erstplatzierten mit Punkten belohnt, nun erhalten alle Fahrer der Top-8 Zähler auf ihr Punktekonto.

PositionPunkte
18
27
36
45
54
63
72
81

Distanz und Dauer der Sprint-Rennens

100 Kilometer schreibt das Reglement vor. In Brasilien entspricht das 24 Runden. Normalerweise ist der Sprint damit in rund 30 Minuten vorbei. Safety-Car-Phasen und rote Flaggen können das Samstagsrennen aber verzögern. In diesem Fall gilt: Maximal 60 Minuten reine Fahrzeit, maximal 90 Minuten inklusive Unterbrechungen. Wird der Sprint unterbrochen und kann nicht wieder aufgenommen werden, gelten folgende Regeln: Bei weniger als zwei Runden (ohne Safety Car und/oder VSC) oder wenn der Führende weniger als 50 Prozent der Renndistanz zurückgelegt hat, gibt es keine Punkte. Bis 75 Prozent der Renndistanz werden immerhin halbe Punkte vergeben.

Die Reifen-Regeln am Sprint-Wochenende

Normalerweise erhält jeder Pilot 13 Sätze Slicks am Wochenende. An einem Sprint-Wochenende sind es nur zwölf Sätze. Sechs davon der weichsten Sorte, vier Mediums und zwei harte Sätze. Ein Satz muss nach dem 1. Freien Training zurückgegeben werden. Im Qualifying am Freitagabend dürfen nur die weichsten Reifen eingesetzt werden. Ein Satz ist fix für Q3 reserviert.

Die Fahrer haben an Sprint-Wochenenden einen Satz Reifen weniger, Foto: LAT Images
Die Fahrer haben an Sprint-Wochenenden einen Satz Reifen weniger, Foto: LAT Images

Zwei weitere Reifensätze müssen nach dem 2. Freien Training zurückgegeben werden. Im Sprint-Rennen gilt: Alles kann, nichts muss. Die Startreifen dürfen frei ausgesucht werden, Boxenstopps sind keine Pflicht. Nach dem Sprint-Rennen muss der Reifensatz mit den meisten absolvierten Runden zurückgegeben werden.

Im Jahr 2021 galt noch die Besonderheit, dass die Top-10 an Sprint-Wochenenden nicht auf den verwendeten Reifen aus dem zweiten Qualifying-Abschnitt starten mussten. Diese Regelung wurde ab der Saison 2022 hinfällig, nun dürfen sich die Piloten am Rennsonntag unabhängig vom Wochenend-Format den Startreifen stets frei aussuchen. Allerding müssen im Rennen weiterhin mindestens zwei unterschiedliche Reifenmischungen benutzt werden.

Ablauf vor dem Rennen

30 Minuten vor dem Samstags-Rennstart öffnet die Boxengasse. Damit ist der Vorlauf zum Sprintrennen kürzer als der zum Grand Prix. Nur fünf Minuten bleibt die Boxengasse geöffnet. Statt unbegrenzt Sichtungsrunden in dieser Zeit ist lediglich die eine Runde in die Startaufstellung erlaubt. Wer danach wieder an die Box abbiegt, muss aus der Boxengasse starten. Das Prozedere in der Startaufstellung bleibt identisch.

Ablauf nach dem Rennen: Siegerehrung?

Eine klassische Siegerehrung mit Pokal gibt es nicht. Auch hier will man einer Verwässerung des Grand Prix vorbeugen. Stattdessen gibt es für den Gewinner des Sprintrennens eine Medaille. Im Gegensatz zum letzten Jahr wird die Siegerehrung auf einem Podium durchgeführt. Jedoch handelt es sich dabei nicht um das offizielle Podium vom Rennsonntag. Im vergangenen Jahr drehten die drei Erstplatzierten noch eine Ehrenrunde auf der Strecke.

Sprint-Regeln: Parc fermé und Sperrstunden

Die Sperrstunde von Freitag auf Samstag für die Mechaniker entfällt. Grund: Der Parc fermé beginnt schon früher. Mit dem Start der Qualifying-Sitzung am Freitagabend ist die Abstimmung der Autos eingefroren. Setup-Änderungen sind dann nur noch in sehr beschränktem Maße zulässig. Reifendrücke und Frontflügel-Flaps dürfen beispielsweise justiert werden. Feder, Dämpfer, Bodenfreiheit, Aero-Konfiguration und Co. dürfen nicht mehr angepasst werden.

Schon am Freitag befinden sich die Autos im Parc fermé, Foto: LAT Images
Schon am Freitag befinden sich die Autos im Parc fermé, Foto: LAT Images

Es gibt aber Ausnahmen: Wird ein Bauteil beschädigt, darf es mangels Ersatzteile auch durch Bauteile anderer Spezifikationen ersetzt werden. Diese müssen aber im Saisonverlauf schon einmal eingesetzt worden sein. Außerdem dürfen während des Parc fermé an einem Sprint-Wochenende auch noch Bremsmaterialien, Auspuffsysteme, Ölfilter, Luftfilter und Zündkerzen gewechselt werden. Die Kupplung darf revidiert werden.

Geld für die Sprint-Rennen

Finanziell bringt ein Sprint-Wochenende zwei Probleme mit sich: Einerseits kostet das Sprint-Rennen die Teams mehr Geld. Das soll durch die gesteigerten Einnahmen des Kommerziellen Rechteinhabers kompensiert werden. Liberty Media nimmt vom Veranstalter eine höhere Gebühr, die dann wiederum über den festen Verteilungsschlüssel zu einem gewissen Prozentsatz an die Teams ausgeschüttet wird. Am Ende sollen die Rennställe finanziell profitieren.

Mehr Geld ist gut, nicht aber, wenn man es gar nicht ausgeben darf. Die Top-Teams haben mit der Budgetobergrenze so knallhart kalkuliert, dass es keinen Raum für die zusätzlichen Ausgaben gibt. Deshalb sind 150.000 US-Dollar pro Sprint-Rennen von der Budgetobergrenze ausgenommen. Kommt es während des Sprints zu einem Unfall, so darf das Team bei einem Schaden von/ab 150.000 US-Dollar ebenfalls die Budgetobergrenze überschreiten.

Formel 1 Sprintrennen: So kam es dazu

Seit vielen Jahren diskutieren die Fahrer, Teams und Verantwortlichen der F1 und FIA darüber, wie sie ein Formel-1-Wochenende aufwerten könnten. Ein Zwei-Tages-Format wurde 2020 in Imola getestet, die Idee von Reverse-Grid-Rennen wurde oft in den Ring geworfen, aber letztlich stets verworfen. "Wir wollen keinen künstlichen Schnickschnack", erklärte F1-Sportchef Ross Brawn die ablehnende Haltung.

Das Ergebnis der jahrelangen Diskussionen war die Einführung von Sprint-Rennen in der Saison 2021. Weil die F1 den Grand Prix am Sonntag aber nicht mit einem zweiten Rennen am Samstag verwässern wollte, hieß das 100 Kilometer lange Rennen am Samstag zunächst offiziell Sprint-Qualifying. Für das zweite Jahr kam es 2022 zu einem leichten Umdenken: Die Formel 1 will inzwischen den Begriff 'The Sprint' durchsetzen. Gemeint ist aber immer das gleiche: Ein kurzes Rennen am Samstagnachmittag, das die Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag bestimmt.

Beim Automobilweltverband tat man sich lange Zeit schwer mit einer Revolution des Formats. FIA-Präsident Jean Todt ist heute noch kein großer Fan des F1 Sprints. Es war der kommerzielle Rechteinhaber Liberty Media, der etwas ausprobieren wollte. Fans sollen vom neuen Format angezogen werden, schlussendlich mehr Geld in die Kassen gespült werden.

"Die Intensität des Wochenendes wird gesteigert", erklärt Brawn die Vorzüge. "Gleichzeitig wird mit dem Sprint-Qualifying die Integrität des Sports bewahrt und er bleibt weiterhin eine Leistungsgesellschaft." Genau deshalb fiel die Idee mit umgekehrter Startreihenfolge bei den Kritikern durch.

Das 99-seitige Regelwerk musste zu einem nicht unbeträchtlichen Teil angepasst werden. Ganze 199 Mal taucht darin nun der Terminus 'Sprint Session' auf. Weitere Anpassungen für die Formel-1-Saison 2023 und darüber hinaus sind nicht ausgeschlossen.