Nach dem Rakettenangriff auf ein Öl-Depot des saudi-arabischen Konzerns Aramco am Freitag des vergangenen Saudi-Arabien GPs fanden noch am Freitag einige Meetings zwischen Formel-1-Fahrern, Teamchefs, Verantwortlichen der Formel 1 und FIA sowie lokalen Behörden statt. Obwohl die Formel 1 und FIA Freitagnacht erklärten, das Rennen fortzusetzen, gingen die Diskussionen zwischen den Fahrern stundenlang weiter.

Einige haben sich wohl gegen eine Fortsetzung ausgesprochen, obwohl am Ende dann doch gefahren wurde - und wenn gleich es den Fahrern freigestanden wäre, die Strecke und den Grand Prix zu verlassen, kam es zu keinem Streik einzelner Fahrer oder Gruppen. Die Geschichte der Formel 1 zeigt jedoch, dass ein solcher Streik nicht der erste gewesen wäre. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf einige Fahrer-Streiks oder Situationen, in denen Piloten kurz davor waren.

Belgien GP 1981: Mangelnde Sicherheit für Mechaniker

Der Belgien GP wurde von zwei dramatischen Unfällen überschattet. Am Freitag wurde ein Mechaniker von Osella Engeneering von Williams-Pilot Carlos Reutemann erfasst, als dieser über die Boxenmauer stürzte. Jener Mechaniker erlag in der Folge seinen Verletzungen. Vor dem Rennen zwei Tage später protestierten viele Mechaniker aufgrund von Sicherheitsbedenken und wurden dabei auch von einigen Formel-1-Piloten unterstützt, die in den Streik gingen, aus ihren Boliden ausstiegen und schließlich nicht am Grand Prix teilnahmen. Zu diesen zählten Gilles Villeneuve, Jody Scheckter, Didier Pironi, Alain Prost und auch Jaques Laffite.

Eine weitere Tragödie sollte in Zolder aber seinen Lauf nehmen, als nach einem Startabbruch ein weiterer Versuch unternommen wurde, das Rennen in Angriff zu nehmen. Riccardo Patrese, der seinen Motor nach dem ersten fehlgeschlagenen Start ausgeschaltet hatte, konnte diesen nicht mehr zum Laufen bringen und wedelte in der Folge ordnungsgemäß mit beiden Armen. Im selben Moment, in dem ein Arrow-Mechaniker Patrese helfen wollte und sich hinter dessen Boliden bewegte, gab die Rennleitung trotzdem das Rennen frei. Patreses Teamkollege fuhr danach unglücklicherweise in das Heck seines stehengebliebenen Strallrivalen und traf dabei auch den Mechaniker, der aber Glück im Unglück hatte und mit einem gebrochenen Bein davonkam.

Lotus 2013: Kein Gehalt für Kimi

Nachdem Kimi Räikkönen 2012 nach einem dreijährigen Rally-Abenteuer in die Formel 1 zurückgekehrt war, ging der Finne 2013 in seine zweite Saison für den britischen Rennstall Lotus. mit zwei Siegen ein erfolgreiches Kapitel seiner Karriere, das aber ein eher unschönes Ende fand. Lotus geriet aufgrund hoher Schulden in finanzielle Schwierigkeiten, was unter anderem an einem großzugigen Vertrag Räikkönens, der auf acht Millionen Euro dotiert und für jeden erzielten Punkt einen Bonus von 50000 zusätzlichen Euro beinhaltet haben soll.

Bei den 183 Punkten die Räikkönen in der Saison 2013 insgesamt sammeln konnte eine ordentliche Summe. Dieses Gehalt konnte Lotus allerdings nicht stemmen, weshalb Räikkönen zu seinem Unmut auf Zahlungen warten musste. Die Situation schaukelte sich so auf, dass der Iceman öffentlich tatsächlich in Erwägung zog, in den Streik zu gehen und die letzten beiden Rennen in den USA und Brasilien nicht mehr an den Start zu gehen. Und so kam es schließlich auch. Offiziell aufgrund einer Rückenoperation. 2014 erklärte das Team schließlich, keine Schulden mehr bei Kimi Räikkönen zu haben. der Finne fuhr zu diesem Zeitpunkt aber längst für seinen Ex-Rennstall Ferrari.

Südafrika GP 1982: Fahrer stellen sich gegen neue Superlizenz

Nur eine Saison nach dem tragischen Wochenende von Zolder kam es 1981 zu einem weit größeren Streik. Vor dem Saisonstart 1982 in Südafrika sollten alle Piloten für ihre Superlizenz von der FISA neue Vertragsbedingungen unterschreiben, die den Piloten jedoch viele Rechte abgenommen und den Einfluss der einzelnen Teams gegenüber ihren Fahrern verstärkt hätte. Ein weiterer Punkt war auch, dass es verboten gewesen wäre, die FISA selbst zu kritisieren.

Niki Lauda zettelte den Kyalami-Streik mit an -
Niki Lauda zettelte den Kyalami-Streik mit an -Foto: LAT Images

In der Folge kam es am Donnerstag vor dem Rennwochenende, an dem das Training hätte stattfinden sollen, zu einem Streik der 31 Piloten, die sich in der Folge in einen Bus setzten und in ein Hotel fuhren, in dem sie die Nacht verbrachten. Nach einem zwischenzeitlichen Ultimatum, bei dem den Fahrern gedroht wurde, sie auf Lebenszeit zu suspendieren, wurde aus diesen Drohungen aber keine Realität und die Fahrer durften am Südafrika GP teilnehmen. Aus den FISA-Klauseln wurde schließlich nichts.

Deutschland GP 2013: Pirelli-Pneus eine Gefahr

Für den Reifenausstatter der Formel 1 sollte es beim Großbritannien GP 2013 ganz dicke kommen. Die Pneus des italienischen Herstellers standen für ihren hohen Verschleiß in der Kritik, in Silverstone sollte das Fass aber überlaufen. Bei Lewis Hamilton, Felipe Masse, Jean-Eric Vergne und Sergio Pérez platzten allesamt die linken Hinterreifen, was die Gummi-Elemente zu gefährlichen Geschossen für hinterherfahrende Fahrer machte.

Platzende Reifen wurden in Silverstone zu gefährlichen Geschossen -
Platzende Reifen wurden in Silverstone zu gefährlichen Geschossen -Foto: LAT Images

Obwohl Pirelli die Teams beschuldigte, durch eine falsche Handhabung mit den Reifen ebenfalls eine Mitschuld zu tragen, drohte die Fahrervereinigung GPDA vor dem Deutschland GP auf dem Nürburgring mit einem Streik, der etwa auch von Felipe Massa ganz offen kommuniziert wurde. Die Piloten setzten sich schließlich doch ins Auto, Pirelli reagierte aber ebenfalls und brachte verstärkte Reifen. In weiterer Folge wurden sogar die Reifenmodelle des Vorjahres eingesetzt.

Japan GP 1976: Lauda opfert Titel für Sicherheit

Die Saison 1976 war gekennzeichnet durch einen packenden WM-Kampf zwischen Ferrari-Pilot Niki Lauda und McLaren-Pilot James Hunt, aber auch vom verhängnisvollen Unfall Niki Laudas auf dem Nürburgring, der schon damals als vergleichsweise gefährlich und nicht ganz zeitgemäß angesehen wurde. Die beim schweren Unfall erlittenen Verbrennungen hinderten Lauda aber nicht daran, bereits nach nur zwei verpassten Rennen in Monza wieder ins Auto zu steigen und auf Anhieb wieder auf Rang vier zu fahren.

Hunt, der in Abwesenheit Laudas fleißig Punkte gesammelt hatte, konnte den Rückstand auf Lauda bis zum Saisonfinale in Japan insgesamt dennoch verkürzen, wodurch dem Briten auf den WM-Führenden Österreicher nur drei Punkte fehlten. Schlechtes Wetter sorgte in Fuji aber dafür, dass das Rennen schließlich nach hinten verschoben wurde. Der Grand Prix sollte dann aber doch trotz sehr schlechten Bedingungen starten. Diese waren jedoch so schlecht, dass Lauda bereits nach zwei Runden an die Box fuhr und aufgrund von Sicherheitsbedenken aus seinem Boliden ausstieg - Eine Entscheidung, die der Österreicher nach eigener Aussage nie bereute.