Jede Menge Action lieferte der vorletzte Tag der Testfahrten der Formel 1 vor dem Saisonstart 2022 in Bahrain: Gleich sechs rote Flaggen verkürzten das achtstündige Tagesprogramm der Teams um insgesamt mehr als eine Stunde. Einen der Auslöser erwischte es umso härter: Williams musste den Tag nach einem Feuer der Hinterradbremsen am Auto von Nicholas Latifi nach nur zwölf Runden vollständig aufgeben. Die Bestzeit sicherte sich (zunächst!) Carlos Sainz im Ferrari vor Weltmeister Max Verstappen.

Neben den diversen Zwischenfällen setzten sich einige Themen des Vortags fort: So kämpfte McLaren weiter mit den Vorderradbremsen, während der Wind und auch zunehmender Sand auf der Strecke allen Teams ihr Programm erschwerten. Nach Sergio Perez am Donnerstag absolvierten nun George Russell und Yuki Tsuonda weitere Rennsimulationen. Kevin Magnussen übernahm nach Problemen für Mick Schumacher am Vormittag den Haas und feierte sein Comeback.

Verstappen und Hamilton scheitern mit späten Runs auf Soft

Ergebnis: Mit einer 1:33.532 Minuten auf den C4-Reifen sicherte Carlos Sainz Ferrari die Tagesbestzeit der offiziellen acht Teststunden. Damit war der Spanier fast eine halbe Sekunde schneller als Pierre Gasly auf den etwas weicheren C5-Reifen am Vortag. Dank einer späten Verbesserung folgte Weltmeister Max Verstappen im Red Bull, ebenfalls auf dem C4, mit fast fünf Zehnteln Rückstand auf dem zweiten Rang vor Lance Stroll im Aston Martin (C4). Lewis Hamilton zog in der letzten Teststunde bereits den C5-Kleber auf und klassierte sich mit sechs Zehnteln Rückstand auf Sainz auf dem vierten Platz. Sonderlich große Aussagekraft haben diese Zeiten noch immer nicht.

Update 18:00 Uhr: Nachträglicher Führungswechsel im Tagesklassement! In 1:33.207 Minuten auf C4-Reifen sprang plötzlich Magnussen auf den Platz an der Sonne. Warum? Der Däne drehte nach Testende für eine zusätzliche Stunde seine Runden in Bahrain. Haas darf insgesamt vier Stunden Trainingszeit nachholen, weil das Team wegen Frachtproblemen unverschuldet die Vormittagssession am Donnerstag verpasst hatte. Die erste zusätzliche Zeit nutzte Haas für 21 Umläufe und Schlagzeilen für die neue Bestzeit - wider Erwarten zählten die Timings nämlich weiter. Auch die Klassifikation von Formel 1 und Pirelli weisen Magnussen als Erstplatzierten aus. Am Samstag will das Team in der Mittagspause und erneut nach offiziellem Testende die übrigen drei Stunden hereinholen.

Esteban Ocon landete dank einer 1:34.276 Minuten noch aus der Vormittagssession zunächst auf dem fünften Rang vor Charles Leclerc. Der erneut von Bremsproblemen geplagte Lando Norris stellte den McLaren auf P7 vor Sebastian Vettel im Aston Martin, Kevin Magnussen im Haas und Yuki Tsuonda im Aston Martin. Mick Schumacher landete auf dem zwölften Rang.

Formel-1-Testfahrten 2022 in Bahrain - Ergebnis Freitag

P.FahrerZeitRundenReifen
1Magnussen1:33.20760C4
2Sainz1:33.53260C4
3Verstappen1:34.01186C4
4Stroll1:34.06470C4
5Hamilton1:34.14147C5
6Ocon1:34.276111C4
7Leclerc1:34.36654C3
8Norris1:34.60960C3
9Vettel1:36.02046C3
10Tsunoda1:36.802120C3
11Bottas1:36.98725C2
12Schumacher1:37.84623C2
13Russell1:38.58567C2
14Latifi1:39.84512C2
15Zhou1:39.98448C2

Zum Rundenkönig krönte sich Yuki Tsunoda mit 120 Umläufen vor Esteban Ocon mit 111 Runden. Kein anderer Fahrer fuhr mehr als 100 Runden. Aber gleich drei anderen Teams, die das Tagesprogramm unter ihren Fahrern aufteilten: Ferrari, Mercedes (beide 114) und Aston Martin (116).

Bahrain: Leichter Sandsturm und Wind stören Test

Wetter: Gegenüber dem bereits heißen Auftakt am Donnerstag legten die Temperaturen am zweiten Testtag in Bahrain nochmals zu. Bis zu 37 Grad Celsius Außentemperatur wurden auf dem Bahrain International Circuit gemessen. Erneut erschwerte ein kräftiger Wind aus meist südlicher Richtung den Fahrern ihr Tagwerk. Gerüchte um einen Sandsturm bewahrheiteten sich gegen Abend zumindest ansatzweise. Zunehmend wurde Sand auf die Strecke geweht und erschwerte eine späte Bestzeiten-Jagd. Der Himmel über der Strecke war nach einem freundlicheren Morgen verhangen.

Feuer an Bremsen beendet Williams-Testtag früh

Zwischenfälle & Probleme: Gleich der Vormittag lieferte zahlreiche Aufreger. Abgesehen von erneut mehreren kleineren Querstehern und minimalen Ausritten in die Auslaufzonen hatten sich zumindest die Fahrer im Griff. Anderes galt für die Technik. Den Auftakt machte Nicholas Latifi, dessen Williams gegen Ende der ersten Teststunde mitten auf der Zielgeraden ein Karbon-Teil verlor.

Für die erste rote Flagge des Tages sorgte der Kanadier allerdings erst eine Stunde später. Zunächst stieg aus den Hinterradbremsen Rauch auf, ehe sich daraus ein Feuer entwickelte. Latifi schlich nur noch langsam um den Kurs, das Feuer intensivierte sich und führte aufgrund extremer Hitzeentwicklung schließlich zu gebrochenen Aufhängungen auf beiden Seiten. Die Folge: Dreher Anfang des Schlusssektors. Es folgte eine längere Löschaktion samt kleinerer Explosion. Die Session wurde für mehr als eine halbe Stunde unterbrochen. Williams sprach von einem kleineren Auslöser für den dramatisch wirkenden Defekt, musste allerdings zahlreiche Feuerschäden am Heck reparieren. Die waren derart umfangreich, dass das Team den Tag gut eine Stunde nach Beginn der Nachmittagssession für beendet erklären musste.

Nach Latifis Feuer-Defekt an den Bremsen musste Williams den Tag abschreiben -
Nach Latifis Feuer-Defekt an den Bremsen musste Williams den Tag abschreiben -Foto: LAT Images

Sebastian Vettel steht, verhindert aber rote Flagge

Zu Beginn der dritten Stunde stand dann plötzlich der Aston Martin von Sebastian Vettel still. Der Deutsche war gerade erst aus der Box gekommen. Eine rote Flagge gab es nicht. Vettel hatte den AMR22 in Kurve vier von der Strecke auf den Außenkurs gesteuert. So bestand keine Gefahr. Um ein größeres Problem handelte es sich nicht. Vettel hatte Vibrationen gemeldet, nur vorsorglich bat Aston Martin den Deutschen, das Auto abzustellen. Nach der Bergung des Autos kehrte Vettel nur 40 Minuten nach dem Zwischenfall zurück auf die Strecke.

Viel brachte ihm das vor der Mittagspause allerdings nicht mehr. 15 Minuten vor Ende der Vormittagssession folgte die zweite rote Flagge des Tages. Diesmal gab es keinen Zwischenfall. Die Rennleitung testete das Prozedere für einen stehenden Re-Start. Zu diesem kam es allerdings nie, weil auf dem Weg ins Grid plötzlich der Alfa Romeo von Valtteri Bottas ausrollte. Die Session wurde vorzeitig beendet. Alfa Romeo sprach von einem kleinen Problem mit der Hydraulik.

McLaren kämpft weiter mit Bremsen, Haas mit Auspuff

Ebenfalls Probleme gab es am Vormittag bei Haas und McLaren. Bei Haas zwickte den gesamten Vormittag über der Auspuff, was Mick Schumacher nach nur 23 Runden letztlich frühzeitig in den Feierabend zwang. Am Nachmittag übernahm Kevin Magnussen erstmals den Haas. Bei McLaren kämpften die Ingenieure erneut mit den Vorderradbremsen. Bereits am Freitag hatte Lando Norris gefürchtet, es gebe keine schnelle Lösung. McLaren muss derzeit mit Modifikationen arbeiten bis neue Teile eintreffen, die das Problem ganzheitlich lösen können - nur 29 Runden für den Briten in den ersten vier Stunden des Tages.

Sowohl bei McLaren, Haas und Alfa Romeo sorgten die Probleme für einen verzögerten Start in die zweite Session am Nachmittag. Als Erster kehrte nach gut 40 Minuten Norris zurück, kämpfte allerdings weiter mit Verbremsern. Nach einer Stunde schlossen sich Zhou und Magnussen an. Gut 100 Minuten vor dem Ende des Tests folgte die vierte rote Flagge des Tages. Esteban Ocons Alpine war im letzten Sektor ausgerollt. Nur eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es. 18 Minuten Pause. 30 Minuten vor Sessionende war Ocon zurück.

Nachmittagssession: Ocon & Norris stellen ab

Die fünfte Unterbrechung ließ nicht lang auf sich warten. 70 Minuten vor Ende des Tests stand Lando Norris in der Boxenausfahrt. Wie bei Vettel und Alpine deutet das eher auf eine reine Vorsichtsmaßnahme hin. Der gute Abstellort sorgte für eine nur marginale Unterbrechung vor der letzten Teststunde. 15 Minuten vor Schluss folgte die sechste rote Flagge des Tages - geplant zur Nachholung der am Mittag wegen Bottas verpatzten Simulation eines Re-Starts. Beinahe wäre auch die ruiniert worden: Lance Stroll kam plötzlich nicht mehr vom Fleck, aber nur ganz am Rand des Boxenausgangs. Das erforderte keine weitere rote Flagge. Parallel zur Zielflagge dann ein siebtes Mal rotes Licht ohne Folgen - es war ohnehin Feierabend. Außer für Kevin Magnussen, der noch eine Stunde lang die verpasste Haas-Zeit des Montags wegen Frachtproblemen nachholen durfte (s.o.).