Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Nach Verstappen-Ärger: Bottas erklärt Schleichfahrt

Max Verstappen beschwerte sich in Saudi-Arabien nicht nur über Lewis Hamiltons Zögern, sondern auch über Valtteri Bottas. Finne beteuert: alles legal.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Schon vor den ersten umstrittenen Manövern Max Verstappens gegen Lewis Hamilton ging es beim Großen Preis von Saudi-Arabien am vergangenen Sonntag hoch her. Zumindest verbal. Am Boxenfunk heizte sich die Stimmung zunehmend auf. Zunächst beschwerte sich Verstappen zu Beginn der Safety-Car-Phase über einen langsam fahrenden Bottas. "Das sollte nicht erlaubt sein", klagte der Niederländer.

Vor dem Restart schwärzte Hamilton dann Verstappen an: Er habe einen Übungsstart aus der Boxengasse absolviert. Keine Runde später meckerte wieder Verstappen: Hamilton halte mehr als zehn Wagenlängen abstand, so der Niederländer auf dem Weg zum ersten stehenden Restart des Rennens in die Startaufstellung.

Bottas deutlich langsamer als Hamilton

Keiner der drei Vorfälle landete bei den Stewards. Red Bull monierte später, für alle hörbar im übertragenen Funk mit der Rennleitung - die beiden Szenen um Hamilton und Bottas bei Michael Masi. Die Runde zum stehenden Restart sei keine Formationsrunde wie zu Rennbeginn, kam die Antwort im Fall Hamilton. Red Bull gab sich zähneknirschend zufrieden, um Bottas ging es nicht mehr.

Im Nachgang des Rennens allerdings sehr wohl. Mehrfach kamen Christian Horner & Co auch nochmals auf diese Szene zu sprechen - als ein Baustein ihres großen Ärgers über nahezu alle FIA-Entscheidungen an diesem Sonntag. Offensichtlich schien der Fall zumindest. Ab Kurve 13 und bis zur Boxeneinfahrt begann Bottas deutlich langsamer zu fahren als Hamilton vor ihm. So wollte er eine Lücke aufreißen, um beim geplanten Doppelstopp am Ende der Runde nicht warten zu müssen und Zeit zu verlieren. Stattdessen bremste man als angenehmen Nebeneffekt lieber Verstappen ein.

Bottas immer im vorgegebenen Delta

Doch war das erlaubt? In Abu Dhabi mit den Szenen konfrontiert, erklärte Bottas nun selbst, alles sei legal gewesen. "Die Hauptsache dabei ist das Zeit-Delta [des FIA-Kontrollsystems ECU]. Bis du zur [ersten Safety Car] Linie kommst, musst du ein ordentliches Delta haben. Du kannst nicht negativ sein, du musst positiv sein. Und ich war ein paar Sekunden positiv, was völlig in Ordnung ist. Das ist erlaubt", betont der Finne. Wäre es nicht so gewesen, hätte Bottas automatisch Ärger gedroht.

Danner Interview: Greift Verstappen in die unterste Schublade?: (25:59 Min.)

Bottas verweist dabei auf Artikel 48 des Sportlichen Reglement, der die Vorgänge unter Safety-Car-Bedingungen regelt. Unter dem siebten Unterpunkt ist dort genau das beschrieben, was Bottas schildert. Einzuhalten ist ein Delta, das sogar dazu dienen soll, dass die Autos zu Beginn der Safety-Car-Phase ausreichend verlangsamen, wenn sich das SC physisch noch gar nicht vor das Feld gesetzt hat. Ab diesem Zeitpunkt gelten dann wieder die berühmten zehn Fahrzeuglängen Abstand. Deshalb wurde auch das Bottas nicht zum Verhängnis - immerhin fuhr Hamilton weit mehr als zehn Fahrzeuglängen voraus.

Kritischer ist Unterpunkt fünf. Dort heißt es, kein Auto dürfe unnötig langsam, erratisch oder auf eine Weise gefahren werden, die andere Fahrer auch nur potenziell als gefährlich wahrnehmen könnten - in den blinden Schlangenkurven von Jeddah zumindest denkbar, aber offensichtlich für die FIA nicht der Fall. Auch Verstappen meldete keine Gefahrenbedenken an. Noch dazu lag Bottas ohnehin im Delta, was ein unnötiges Langsamfahren ausschließt.


Weitere Inhalte: