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Formel 1

Aston verteidigt: Konnten Vettel kein besseres Auto geben

In der Formel-1-Saison 2021 bewegte sich für Sebastian Vettel und Aston Martin nur wenig nach vorne. So verteidigt das Team die mangelnde Entwicklung.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Aston Martin zählt zu den größten Verlierern der Formel-1-Saison 2021. Zwei Rennen vor dem Saisonende lässt sich dieses Fazit bereits ohne jeden Zweifel ziehen. Mit 77 Punkten rangiert das neue Team von Sebastian Vettel auf einem einsamen siebten WM-Rang und ist damit drei Positionen schlechter als noch unter dem Namen Racing Point im Vorjahr. 35 Punkte fehlen auf AlphaTauri, sogar 60 auf Alpine, ganz zu schweigen von 181 Zählern auf McLaren, die derzeit auf dem vierten Platz der Konstrukteurswertung logieren - jenem Platz, den Racing Point 2020 noch für sich beansprucht hatte.

Gleich zu Saisonbeginn wurde offenbar, wie klar Aston Martin 2021 zurückgefallen war. Aus den ersten vier Rennen holte Lance Stroll gerade einmal fünf Zähler, Vettel keinen. Das Team von Lawrence Stroll führte das vor allem auf zwei Aspekte zurück. Der kleinere: Vettel müsse sich nach dem Teamwechsel und großem technischen Pech bei den Testfahrten noch eingewöhnen. Der größere: Die Regeländerungen im Winter hätten neben Mercedes vor allem Aston Martin getroffen.

Aston Martin klagte über neue Formel-1-Regeln

Die neuen Restriktionen um beschnittene Diffusoren, Bremsbelüftungen und Unterböden sollen vor allem Autos mit niedrigerem Anstellwinkel, also Autos wie der Mercedes oder Racing Point, die flacher auf der Strecke liegen als andere, getroffen haben. Dass auch Mercedes zu Saisonbeginn plötzlich deutlich hinter Red Bull zu liegen schien, stützte diese These. Derart verärgert war Aston Martin, dass man zeitweise sogar für eine nachträgliche Liberalisierung der strenger gewordenen Regeln trommelte.

Während Mercedes im Saisonverlauf allerdings die Kurve bekam und inzwischen längst wieder mindestens auf Augenhöhe mit Red Bull operiert, ließ Aston Martin einen ähnlichen Aufwärtstrend vermissen. Die Formkurve stagnierte, zeigte tendenziell sogar eher nach unten - und das, obwohl Sebastian Vettel nach rund einem Saisondrittel nahezu vollständig angekommen schien. Zumindest berichtet das Teamchef Otmar Szafnauer.

Mercedes kommt zurück, Aston Martin fällt zurück

So lag Aston Martin nach den ersten zehn der bisherigen 20 Rennen in der WM-Wertung mit 48 Punkten noch nur einen Zähler hinter AlphaTauri und sogar acht vor Alpine. In den zweiten zehn Rennen ergatterte Aston Martin daraufhin nur 29 Punkte, Alpine erzielte mit 97 mehr als dreimal so viele Zähler, AlphaTauri mit 63 noch immer mehr als doppelt so viele. Rein in Sachen Kräfteverhältnis verzerrt hier allerdings der Ungarn-GP das Bild. Bei dem Chaosrennen erzielte Alpine auf einen Schlag 37 Zähler während Aston Martin hier 18 Zähler durch eine Disqualifikation Vettels wegen einer zu geringen Menge Restbenzin verlor.

Doch selbst ohne diese Ausnahme steht Aston Martin verglichen mit der direkten Konkurrenz zunehmend schlecht da - zumal auch Vettel zu Saisonbeginn in Baku von Chaos profitierte. Ohne diesen Ausreißer nach oben verlief die Saison unspektakulär. Doch wieso fiel Aston Martin sogar eher zurück als zumindest etwas Boden gutzumachen wie Mercedes?

Aston-Teamchef: Zwei Gründe für harte Formel-1-Saison 2021

"Sobald die Architektur einmal eingefroren war und die Änderungen getan waren, konntest du nur noch eine gewisse Menge ausrichten", verteidigt Otmar Szafnauer, als Motorsport-Magazin.com den Teamchef zu Beginn des finalen Tripleheaders mit der vorherigen Stagnation konfrontiert. "Es gibt viele Dinge, die wir mit einer nicht eingefrorenen Architektur hätten versuchen können. Aber das konntest du nicht. Du konntest diese zwei Token nutzen und das war's."

Dasselbe galt allerdings auch für Mercedes. Dennoch bekamen die Silberpfeile es besser hin. Vor allem dank eines letzten großen Upgrades in Silverstone und detaillierter Setuparbeit sowie besserer Kenntnis des eigenen Pakets, hieß es immer wieder aus Brackley. Warum Aston Martin das nicht gelang? "Wir haben unser Bestes getan, etwas zurückzuholen. Aber gleichzeitig mussten wir auch aufhören für 2021 Abtrieb zurückzubekommen, weil wir begrenzte Ressourcen und begrenzte Zeit im Windtunnel hatten", erklärt Szafnauer.

Aston-Stillstand wegen aggressiver Entwicklung für 2022?

"Wir mussten auf 2022 wechseln, sonst hätte es sich auf unsere Saison 2022 ausgewirkt. Wären wir gerne besser gewesen? Ja. Aber wir sind so realistisch, dass wir es mit unseren begrenzten Ressourcen nicht wirklich zurückholen konnten." Doch das galt auch für Mercedes in diesem ersten Jahr mit Budgetdeckel, an dessen Limit Aston Martin, inzwischen finanziell weit besser aufgestellt als unter allen vorherigen Namen, ebenfalls operieren sollte.

Der mögliche Unterschied: Aston Martin lenkte den Fokus noch früher und deutlicher auf die neue Regel-Ära ab 2022 als Mercedes oder gar alle anderen. Viel vorgenommen hat man sich jedenfalls. "Wir haben uns selbst aggressive, aber erreichbare Ziele gesteckt", berichtet Szafnauer. "Und wir sind im Plan, diese aggressiven und erreichbaren Ziele auch zu erreichen. Wir finden noch immer jede Woche gute Gewinne."

Szafnauer überzeugt von Vettel: Müssen ihm nur das Auto geben

Motivieren soll das nicht zuletzt Sebastian Vettel, bei Aston Martin bald noch größere Highlights zu erleben als den grauen Alltag am Rande der Top-10 anno 2021. Vettel selbst sei jedenfalls noch immer voll bereit, zu liefern, sollte Aston Martin ihm das Material dazu bereitstellen, so Szafnauer. "Seb macht für uns einen tollen Job. Wir genießen es wirklich, mit ihm zu arbeiten", sagt der gebürtige Rumäne und entschuldigt sich für die gegenwärtige Situation: "Es ist wirklich unglücklich, dass wir ihm wegen der Umstände, in denen wir uns wiedergefunden haben, kein konkurrenzfähiges Auto geben konnten, um an der Spitze zu fahren."

Nun hoffe man absolut, so Szafnauer, auf besseres Geschick in der kommenden Saison. "Wenn wir ihm ein besseres Auto geben, dann wird er im Auto auch seinen Job machen", betont Szafnauer, wohl wissend wie wenig berauschend die aktuelle Lage gerade für einen viermaligen Formel-1-Weltmeister, aber auch den Teambesitzer und dessen Sohn ist. Szafnauer: "Lance hat auch jede Menge von ihm gelernt. Wir haben zwei großartige Rennfahrer und freuen uns darauf, ihnen nächstes Jahr ein neues Auto hinstellen zu können!"


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