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Formel 1

Formel 1, Verstappen würde es wieder tun: Sonst fliege ich ab!

Max Verstappen muss nach Mercedes-Protest um Platz zwei in Brasilien zittern. Sein Manöver gegen Lewis Hamilton würde der Red-Bull-Pilot wieder so fahren.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Verliert Max Verstappen in Katar seinen zweiten Platz beim vergangenen Formel-1-Rennen in Brasilien? Am Dienstag nach dem harten Duell des WM-Führenden mit seinem Rivalen Lewis Hamilton beantragte Mercedes eine Neubetrachtung des ersten Zweikampfs der beiden Titelanwärter in Sao Paulo in Runde 48 - obwohl Hamilton Verstappen später in einem zweiten Versuch ohnehin überholt und das Rennen gewonnen hatte.

Grund dafür ist das Ende der Diplomatie, wie sich ein aufgebrachter Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Wochenende in Interlagos ausdrückte. Dort fühlte sich Wolff von der FIA ungerecht behandelt, weil im Qualifying erst ein defektes DRS bei Mercedes den Stewards gemeldet worden war und für diese "Bagatelle", so Wolff, eine Disqualifikation Hamiltons folgte, gegen Verstappen für sein Manöver gegen Hamilton allerdings nicht einmal ermittelt wurde.

Hat Max Verstappen nicht genug eingelenkt?

Mit neuen Beweisen will Mercedes die Stewards nun davon überzeugen, dass Verstappen für das Duell bestraft gehört. Was man sich davon verspricht, ist eine Strafe gegen den Niederländer. Schon fünf Sekunden würden Verstappen Platz zwei an Valtteri Bottas kosten, alternativ könnte Mercedes auch sehr gut mit einer Strafversetzung des Niederländers in Katar leben. Der offensichtliche neue Beweis sind dabei die Onboard-Aufnahmen Verstappens. Diese standen der FIA im Rennen noch nicht zur Verfügung, da sie erst im Nachhinein heruntergeladen werden konnten.

Kurz nach der Veröffentlichung der Bilder durch die Formel 1 folgte bereits die Protest-Ankündigung-Mercedes. Gut auf den Bildern zu erkennen: Hamilton ist beim Anbremsen der fraglichen Kurve vier schon deutlich vor Verstappen, als der Niederländer noch später bremst als der Brite, den Kurvenscheitel verpasst und einen gut reagierenden Hamilton so mit in die Auslaufzone zwingt. Ebenfalls dabei zu erkennen: Großartige Lenkbewegungen macht Verstappen nicht.

Verstappen verteidigt: Kann da nicht abrupt lenken

Genau deshalb unterstellen manche Experten dem Niederländer sogar Absicht. Wollte er die Kurve gar nicht bekommen und Hamilton nur abdrängen? Verstappen selbst sieht das ganz anders. "Als Fahrer wissen wir genau, was wir im Auto machen können und was nicht. Wir haben hart gekämpft, haben die Kurve spät angebremst und die Reifen waren ziemlich verschlissen. Wenn ich da abrupt mehr nach links einlenke, dann drehst du dich einfach von der Strecke", verteidigt sich Verstappen am Donnerstag in Katar. Deshalb würde er auch rückblickend nichts anders machen.

Mercedes geht gegen Verstappen vor! Doch noch eine Strafe?: (02:00:00)

"Deshalb sind wir die Fahrer", betont der eher kurz angebundene Niederländer. Auch ansehen müsse er sich die Szene dafür nicht mehr. "Ich muss das Material nicht ansehen, ich bin ja das Auto gefahren! Ich weiß, was passiert ist. Ich habe schon letztes Mal hier gesagt, dass es ein toller Kampf war und wir viel Spaß hatten", sagt Verstappen. Noch dazu habe Mercedes am Ende ja ohnehin gewonnen, so der Niederländer. Auch von Hamilton kamen in Brasilien keine bösen Töne zu dieser Szene. Im Gegenteil: Auch der Brite feierte den Zweikampf. Inzwischen sieht der Titelverteidiger das anders.

Verstappen erwartet keine Strafe: Das ist Titelkampf

Überrascht von Mercedes' Protest zeigt sich Verstappen angesichts der derzeit aufheizten Stimmung zwischen Red Bull und Mercedes allerdings nicht. "So läuft es eben", sagt Verstappen. An eine mögliche Strafe denke er nicht. "Das ist sowieso nicht Wenn, wenn, wenn. Es ist nicht das Ende der Welt", sagt Verstappen. Eine Strafe erwartet der Red-Bull-Fahrer allerdings nicht. "Denn es war hartes und faires Racing zwischen zwei Typen, die um die WM fahren. Ein leichtes Überholmanöver wäre es sowieso nicht gewesen. So bin ich nicht. Und so sollte es auch nicht sein, wenn du um den Titel kämpfst", betont Verstappen.

Genauso sollte auch der Kampf zwischen Mercedes und Red Bull so aufgeheizt sein, wie aktuell. Zumindest sei das völlig normal, so Verstappen, wenn zwei Fahrer unterschiedlicher Teams um den Titel kämpfen würden. "Ich muss mich da einfach darauf konzentrieren, was auf der Strecke passiert. Und mit dem Rest muss man dann umgehen."

Red Bull vs. Mercedes: Duell final vergiftet

Vollständig aus den Fragen abseits des Cockpits hält sich Verstappen allerdings nicht heraus. "Es gibt da klar ein paar Dinge, die man ansehen muss, warum ihr Topspeed so eine große Sache ist", kommentiert Verstappens Red Bulls Verdachtsmomente gegen Mercedes. Die Bullen suchen derweil eifrig nach handfesten Beweisen für eine möglicherweise illegale Technik am Mercedes - sei es nun ein sich zu stark verformender Heckflügel oder eine nicht-mechanische Lösung, die Bodenfreiheit zu regulieren.

Um 17 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) am heutigen Donnerstag hören die Stewards des Brasilien-GP in Katar die Mercedes-Verantwortlichen an, um zu entscheiden, ob wegen neuer und relevanter Beweise überhaupt ein Verfahren gegen Verstappen eröffnet wird.


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