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Formel 1, Mercedes geht gegen Verstappen vor: Neue Beweise

Mercedes hat mit Max Verstappens Manöver gegen Lewis Hamilton in Brasilien nicht abgeschlossen. Weltmeister fordern Untersuchung des Vorfalls. Neue Beweise.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mercedes hat mit dem Zweikampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton im Formel-1-Rennen in Brasilien noch nicht abgeschlossen. Zwei Tage nach dem Sieg des Weltmeisters über seinen Herausforderer trägt Mercedes die Situation noch einmal an die FIA heran. Die Titelverteidiger machen Gebrauch von ihrem Recht auf eine Wiederaufnahme des Falls. Neue Beweise sollen einen vermeintlichen Regelbruch Verstappens belegen.

Ein auf Instagram veröffentlichtes Statement von Mercedes bezieht sich auf die Situation zwischen Verstappen und Hamilton, die sich in der 48. Runde des Rennens in Kurve vier des Autodromo Jose Carlos Pace zugetragen hatte. Der Brite hatte den in Führung liegenden Red-Bull-Fahrer außen attackiert. Dieser verteidigte sich innen und ging in der Kurve weit. Dabei fuhr er in die Auslaufzone, wobei er Hamilton ebenfalls in diese zwang und dadurch seine Position behauptete.

Die Offiziellen notierten die Szene zwar, doch es kam nicht zu einer Untersuchung durch die Rennleitung. Mercedes hat angekündigt, dass zur Beurteilung der Situation neue Beweismittel zur Verfügung stehen, welche den Stewards unmittelbar nach dem Zwischenfall nicht vorlagen. Das Team macht damit von seinem in Artikel 14.1.1. des International Sporting Code verankerten Recht Gebrauch.

Verstappen drängt Hamilton ab! Warum gab es keine Strafe?: (17:04 Min.)

Red Bull scheiterte 2021 bereits mit Protest

Dieser Passus besagt, dass ein Teilnehmer nach einer Entscheidung der FIA eine 14-tägige Frist hat, um anhand neuer Beweise eine Überprüfung des jeweiligen Falls einzufordern. Nach dem Rennen in Silverstone berief sich Red Bull auf diesen Teil des Regelwerks, nachdem Hamilton in einen Unfall mit Verstappen verwickelt war.

Die Österreicher empfanden die von der Rennleitung gegen Hamilton verhängte 10-Sekunden-Strafe als zu milde und stellten die Situation zwischen dem Mercedes-Fahrer und Verstappen unter hohem Aufwand nach. Reservefahrer Alex Albon wurde an einem Filmtag ins Auto gesetzt, um zu beweisen, dass Hamilton bei seiner Linienwahl fahrlässig handelte. Die FIA schmetterte den Protest jedoch ab.

FIA fehlte volle Einsicht in Verstappens Handeln

Beim jüngsten Vorfall in Brasilien berief sich Formel-1-Rennleiter Michael Masi auf das rund drei Jahren verabschiedete 'Let them Race'-Prinzip, bei dessen Anwendung harte Manöver in einzelnen Fällen von der Rennleitung mit mehr Nachsicht bedacht und nicht geahndet werden sollen. "Diese Philosophie wurde angewandt. Es ist ein Geben und Nehmen von beiden Seiten: Wir haben sie zu Gunsten aller Rennen fahren lassen", erklärte der Australier.

Dass Mercedes nun noch einmal Anlauf nimmt, könnte einem Umstand bei der Begutachtung der Szene durch die Offiziellen geschuldet sein. Diesen stand während des Rennens nicht jede Perspektive zur Verfügung. "Wir hatten nur die Kameras der TV-Übertragung. Das ist im Grunde das, worauf wir durchgehend Zugriff haben", so Masi. Bei Verstappen konnte im Moment des Duells nur die nach hinten gerichtete Onboardkamera zur Beurteilung herangezogen werden. Erst am Dienstag wurde auch nach vorne gerichtete Perspektive veröffentlicht.

Mercedes kündigte Konsequenzen an

Nach dem Rennen in Brasilien kochten die Emotionen bei Mercedes hoch. Teamchef Toto Wolff holte zum Rundumschlag aus und kritisierte Max Verstappens für sein Manöver. "Lewis hat es geschafft, den Kontakt zu vermeiden und das Rennen so zu beenden. Aber das war eins drüber, das hätte eine Fünf-Sekunden-Strafe sein müssen. Das weiß wahrscheinlich auch Max", so der Österreicher.

Darüber hinaus nahm er vor allem die FIA unter Beschuss. "Es einfach so unter den Teppich zu kehren, ist nur die Spitze des Eisbergs. Lachhaft", schimpfte Wolff, der daraufhin bereits mit rechtlichen Schritten seines Teams drohte: "Ich war immer sehr diplomatisch, aber die Diplomatie endet hier und heute."

Bei Red Bull wurde der Sachverhalt naturgemäß anders gesehen. Teamchef Christian Horner konnte die Aufregung Wolffs nicht nachvollziehen. "Wir haben darüber viele Male gesprochen, über diese 'Let them Race'-Mentalität. Ich denke, sie haben richtig entschieden", so der Brite gegenüber Sky Sports F1.

In Folge von Mercedes' Antrag zur Überprüfung des Falls wird von der FIA in Kürze ein Verhandlungstermin anberaumt, bei dem die neuen Beweise begutachtet werden und der Fall neu beurteilt wird. Sollte Verstappen der Tatbestand des Abdrängens eines anderen Fahrers nachgewiesen werden, könnte er eine Zeitstrafe für das Rennergebnis erhalten oder eine Startplatzstrafe für den folgenden Grand Prix.


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