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Formel 1, Monza-Vorschau: Zweites Sprintrennen steht bevor

Kann Mercedes seinen Motorenvorteil in Monza gegen Red Bull ausspielen? McLaren möchte gegen Ferrari zurückschlagen. Die News und Themen vor dem Italien GP.
von Samuel Marton

Motorsport-Magazin.com - Die letzte Station des aktuellen Formel-1-Tripleheaders steht bevor. Destiantion: Autodromo Nazionale Monza. Nachdem 2020 aber keine Fans zugelassen waren, kehrt beim Ferrari-Heimrenenn nicht nur die Tfiosi an den legenären Kurs zurück, sondern auch das Sprintrennen.

Damit ist von Freitag bis Sonntag Action auf der Strecke vorprogrammiert. Doch auch das Titelduell zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen geht in Monza in die nächste Runde. In Sachen Motorenvorteil dürften spätestens hier alle Frage geklärt werden. Auch McLaren könnte hier Muskeln spielen lassen. Motorsport.Magazin.com fasst alle wichtigen News vor dem Italien Grand Prix 2021 zusammen.

Sprintrennen zurück in Monza

Nach Silverstone wird es in Monza das zweite Sprint-Qualifying der Saison geben. Der Autodromo Nazionale Monza mit langen Gerade und daraus resultierenden Überholmöglichkeiten begünstigt dieses Format, zumal Formel-1-Boss Stefano Domenicali nicht abgeneigt von der Idee zeigt, in Zukunft auf Traditionskursen ein Grand-Slam-Format zu etablieren, das auch einen derartigen Sprint inkludiert.

Durch das für Samstag angesetzte Sprintrennen rutscht das eigentliche Qualifying auf den Freitag vor. Vor dem Qualifying wird es mit dem FP1 nur ein Freies Training geben, wodurch das dritte Freie Training entfällt und FP2 auf Samstagmittag verlegt wird und damit wenige Stunden vor dem Sprint stattfindet.

Das eigentliche Qualifying bestimmt die Startaufstellung für den Sprint, bei dem wiederum die Startplätze für das Hauptrennen am Sonntag ermittelt werden. Für die ersten drei Plätze des Sprints werden Punkte nach einem 3,2,1-System vergeben. Das dritte Sprintrennen wäre für den Brasilien GP Mitte November geplant.

Mercedes-Motorenvorteil in Monza - Red Bull dennoch zuversichtlich

In Monza werden über 80 Prozent des 5,793 Kilometer langen Kurses mit Vollgas zurückgelegt. Dementsprechend wichtig ist auf dieser die Motorenleistung. Ein Bereich, bei dem jüngst vor allem Mercedes stark aussah. Zunächst war es noch Red Bull, die auf Kursen mit langen Geraden wie Frankreich oder Spielberg einen starken Eindruck machten. Dieses Bild hat sich spätestens seit Ungarn gedreht.

Für Red Bull Grund zur Annahme, dass Mercedes mit ihrem Motor tricksen und daher schon eine Anfrage bei der FIA eingereicht haben. Konkret soll laut 'Auto Motor und Sport' durch einen Trick im Bereich des Ladeluftkühlers bis zu 20 PS mehr in der Anfangsphase der Beschleunigung gewonnen werden, wodurch im Vergleich zur Konkurrenz auf der Strecke Zeit gewonnen werden kann.

In der Anfangsphase der Beschleunigung soll Mercedes ordentlich Zeit gutmachen - Foto: LAT Images

Hinzu kommt, dass Monza in der Vergangenheit vor allem Mercedes zugutekam. Lewis Hamilton konnte hier zusammen mit Mercedes seit 2014 bereits viermal gewinnen. Auch vergangenes Jahr zeigte Mercedes hier eine Starke Form, während Red Bull etwas abgeschlagen wirkte und Verstappen auf die Pole-Zeit fast eine Sekunde fehlte.

Red Bull zeigt sich dennoch optimistisch, zumal das Kräfteverhältnis seitdem vergangenen Winter ein anderes ist. "Monza war in der Vergangenheit nicht unser Spezialkurs, aber mit der Form, die Max und das Team haben, glaube ich schon, dass wir auch dort ganz vorne dabei sein können", so Dr. Helmut Marko nach dem rennen in Zandvoort gegenüber 'Sky Sport F1'.

Jährliches Flügel-Spektakel

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Teams beim Highspeed-Wochenende in Monza bekanntlich mit besonders wenig Flügel auflaufen. Der Teams reisen traditionell also mit einer speziellen Flügel-Spezifikation nach Monza. Möglichst wenig Luftwiderstand ermöglicht bekanntlich höhere Geschwindigkeiten. Das sorgt jährlich für spektakuläre Bilder.

Durch die im Feld durchwegs flachen Flügel wird allerdings auch das Kräfteverhältnis in Sachen Motorleistung deutlicher. Ein nicht unwesentliches Detail. In Spielberg setzte sich vor allem Red Bull auf den Geraden ab. Laut Verstappen lag das aber nicht zwingend am Honda-Motor, sondern auch daran, dass Red Bull mit wesentlich weniger Flügel fuhr als Mercedes, die dadurch ihre aerodynamischen Defizite, besonders auf das Heck bezogen, auszugleichen versuchte.

Die flachen Flügel der einzelnen Formel-1-Boliden in Monza - Foto: LAT Images

Fahrermarkt: Zwischen Klarheit und Gerüchten

Zwischen dem Großen Preis der Niederlande und dem anstehenden Wochenende in Monza wurde auf dem Fahrermarkt für viel Aufklärung gesorgt. Am Montag nach dem Rennen in Zandvoort wurde der Wechsel von Valtteri Bottas von Mercedes zu Alfa Romeo bekanntgegeben, dessen Silberpfeil-Cockpit ein Tag später offiziell von George Russell beerbt wurde.

Kurz darauf bestätigte Williams ihre Fahrerpaarung für die Saison 2022, die beinhaltet, dass Red-Bull-Ersatzfahrer Alex Albon wieder in die Formel 1 zurückkehrt und im ersten Jahr der großen Regeländerung neben Nicholas Latifi an den Start gehen wird.

Offen bleibt realistisch damit nur noch das zweite Alfa-Romeo-Cockpit neben Valtteri Bottas. Der Vertag von Antonio Giovinazzi läuft nach dieser Saison aus. Eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich. Stattdessen soll laut 'Racefans' Mercedes-Junior und Formel-E-Weltmeister Nick de Vries beim Rennstall aus Hinwil im Gespräch sein. Die Entwicklungen der letzten Wochen werden auch in Monza wieder für Gesprächsstoff sorgen.

Schlägt Highspeed-McLaren gegen Ferrari zurück?

McLaren hat schwierige Wochen hinter sich. Aus den letzten drei Grands Prix konnte der britischen Traditionsrennstall lediglich sieben Punkte sammeln. Ferrari dagegen konnte beim Grand Prix in Zandvoort 16 Punkte sammeln und Rivale McLaren damit im Kampf um WM-Rang drei überholen und sich ein 11.5 Punkte dickes Polster verschaffen.

"Nach einem herausfordernden Wochenende hier, wo wir nur einen Punkte geholt haben, wollen wir als Team zurückschlagen", erklärte McLaren Teamchef Andreas Seidl nach dem Rennen in den Niederlanden. Tatsächlich sollte McLaren in Monza gute Karten haben. Während der Circuit Park Zandvoort eher weniger zum MCL35M passt, kommt der Highspeed-Charakter des Autodromo Nazionale Monza dem McLaren deutlich mehr entgegen.

Bereits vergangenes Jahr machte McLaren beim Italien GP eine gute Figur und stellte sich hier hinter Mercedes als zweite Kraft heraus - auch, weil Red Bull schwächelte. Carlos Sainz scheiterte gegen Pierre Gasly im AlphaTauri nach einem Chaos-Rennen zudem nur knapp an dem ersten McLaren-Sieg seit Brasilien 2012. Die Vorzeichen sehen also positiv aus. Diesjähriger Bonus: Lando Norris und Daniel Ricciardo haben dieses Jahr einen Mercedes-Motor im Heck.

Parabolica - Ein neuer Name für die Traditionskurve

Fans traditioneller Kurvennamen des Autodromo Nazionale Monza müssen den Atem anhalten. Die Bezeichnung 'Parabolica' für die letzte Kurve vor der Start-Ziel-Gerade wird nicht mehr von langer Dauer sein. Heißen soll die Kurve zukünftig 'Curva Alboreto' - angelehnt an den ehemaligen Ferrari-Piloten Michele Alboreto.

Alboreto fuhr zwischen 1984 und 1988 für Ferrari in der Formel 1. Der Italiener gewann für den italienischen Rennstall drei Rennen. 2001 verunglückte Alboreto auf dem Lausitzring bei einem Langstreckentest für Audi tödlich. Offiziell umbenannt wird die Kurve am Samstag, den 11. September im Rahmen einer Zeremonie.


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