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Formel 1

Formel 1, Zandvoort 2021: Die 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Super-Max, Sandkasten und Silverstone-Trauma. Max Verstappen und Lewis Hamilton stehen vor dem nächsten Showdown. Diese Faktoren entscheiden über den Sieg.
von Florian Becker

1. - S wie Startaufstellung

Die Ausgangslage für das Comeback-Rennen der Formel 1 in Zandvoort könnte kaum aufregender sein. Neben dem standesgemäßen Pole-Sitter Max Verstappen steht wie bestellt Titelverteidiger Lewis Hamilton. Die beiden WM-Rivalen trennten im Qualifying wenige Hundertstelsekunden. Dahinter befindet sich Hamiltons Verstärkung in Form von Valtteri Bottas in Lauerstellung.

Der Finne teilt sich die zweite Startreihe mit Red Bulls falschem Wingman. Sergio Perez landete durch einen Strategiefehler im Zeittraining nur auf Platz 16. Statt ihm, findet sich Pierre Gasly im AlphaTauri auf Startposition vier wieder, gefolgt von den Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc und Carlos Sainz. Die Roten haben ebenfalls einen dritten Mann im Schlepptau, denn Antonio Giovinazzi qualifizierte seinen Alfa Romeo Sauber sensationell auf Position sieben.

Die Top-10 werden vom Alpine-Duo Esteban Ocon und Fernando Alonso sowie Daniel Ricciardo im McLaren abgerundet. Die zweite Hälfte des Grids beginnt mit George Russell auf Startplatz elf nicht weniger spektakulär. Auf den Positionen 13 und 17 gibt es mit Lando Norris und Sebastian Vettel weiteren Zündstoff. Den liefert mit ziemlicher Sicherheit auch das Haas-Duo wieder. Mick Schumacher und Nikita Mazepin hatten sich bereits am Samstag in den Haaren. Die Streithähne stehen in der letzten Reihe hinter Räikkönen-Ersatz Robert Kubica.

2. - S wie Start

Den Fans in Zandvoort ist zu wünschen, dass sich das Bild des letzten Formel-1-Starts in Zandvoort 1985 an diesem Sonntag nicht wiederholt. Pole-Sitter Nelson Piquet, seinerseits Max Verstappens Schwiegervater in spe, kam vor 36 Jahren mit seinem Brabham nicht vom Fleck. Keke Rosberg bog im Williams vor Ayrton Sennas Lotus und Alain Prosts McLaren in die erste Kurve ein.

Verstappen hat wenn die Ampeln erlöschen 215 Meter, um die Führung gegen Hamilton zu verteidigen. Der wiederum könnte einmal mehr zu viel Risiko bereit sein, denn das Überholen ist in Zandvoort extrem schwer. In der ersten Runde könnte es besonders in Kurve drei richtig heiß werden. Die überhöhte Passage mit der seltsamen Ideallinie auf der Außenbahn könnte im Verkehr den einen oder anderen Fahrer dazu einladen, mit Nachdruck innen reinzustechen.

Wenn es zwischen Verstappen und Hamilton dort nicht zum Rad-an-Rad-Duell kommt, darf man spätestens bei den Verfolgern mit einem entschlossenen Move rechnen. Mit Alonso und Ricciardo befinden sich auf jeden Fall zwei Kandidaten in den Top-10, die in der Startrunde selten etwas anbrennen lassen. Die ersten Kurven werden definitiv hart umkämpft sein, denn danach wird es im Circuit Park Zandvoort eng.

3. - S wie Strategie

Mit wenig Platz für Überholmanöver wird die Strategie beim Grand Prix der Niederlande die Hauptrolle spielen. Red Bull findet sich nach dem Qualifying-Debakel für Perez wieder einmal in der unkomfortablen Situation wieder, Verstappen als Einzelkämpfer gegen die Mercedes-Piloten im Rennen zu haben. Die Top-10 werden geschlossen auf dem Soft-Reifen starten, wodurch an der Spitze im ersten Stint schon mal Chancengleichheit herrscht - zumindest fast.

Tatsächlich hat Verstappen einen minimalen Vorteil. Er qualifizierte sich im Q2 auf einem Soft-Reifensatz für die Top-10, auf dem er nur drei Runden fuhr. Die Mercedes-Piloten haben auf ihrem Startreifen bereits fünf Runden auf dem Buckel. All das ändert aber nichts daran, dass Verstappen den Strategiemöglichkeiten des Weltmeisterteams schutzlos ausgeliefert ist.

Pirelli schlägt für die Renndistanz von 72 Runden eine Einstopp-Strategie vor, welche aus einem ersten Stint auf Soft oder Medium gefolgt von einem langen zweiten Stint auf Hard besteht. Ohne Erfahrungswerte der Vorjahre schließen die Italiener allerdings auch nicht aus, dass die Dünenachterbahn eine Zweistopp-Strategie notwendig macht.

4. - S wie Silverstone-Trauma

Die Kollision zwischen Hamilton und Verstappen in Silverstone ist allen noch gut in Erinnerung. Seit diesem kompromisslosen Aufeinandertreffen gab es keinen weiteren Schlagabtausch zwischen den WM-Rivalen. Die Ausgangslage ist in Zandvoort sehr ähnlich. Verstappens Teamkollege steht weit hinten, was ihn verwundbar macht. Darüber hinaus hatte Hamilton in Silverstone einen Grund mehr, dem Herausforderer vor vollem Haus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Wohnzimmer des Rivalen würde ihm das sicher noch besser gefallen.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff spielte die Intensität allerdings herunter. "Ich denke, diese beiden Hauptdarsteller werden diese Saison noch oft nebeneinander starten. Wir können nicht annehmen, dass es immer in einem Unfall endet. Sie zählen beide zu den Besten der Besten und sie wissen, dass jeder Sieg zählt. Sie werden es fair regeln, aber auch hart", so der Österreicher.

5. - S wie Super-Max

Nach Jahren des Wartens auf einen Grand Prix in den Niederlanden reißen Verstappens Fans die Hütte schon seit dem Freitag ab. Auf den Tribünen herrschte mit 70.000 Zuschauern rund um die Traditionsrennstrecke schon in den Trainings Partystimmung und es ist davon auszugehen, dass zum Höhepunkt am Sonntag noch einmal das Tempo angezogen wird. Die Erwartungshaltung der 'Orange Army' ist mindestens so hoch wie die ihres Lieblings.

Für Verstappen wäre der Heimsieg zweifelsohne ein ganz besonderer für die Galerie. "Das ist eine unglaubliche Anerkennung seiner sportlichen Leistungen und damit musst du leben und das musst du rechtfertigen. Das heißt, da ist schon ein Druck", erklärte Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Teamchef Christian Horner hat allerdings nicht das Gefühl, dass Verstappen vom Hype abgelenkt wird: "Es ist erstaunlich. Es ist fast so, als ob das dort draußen gar nicht stattfindet. Er ist total entspannt und nimmt es wie ein ganz normales Rennwochenende, während auf der anderen Seite des Zauns die Post abgeht. Aber natürlich ist es eine unglaubliche Atmosphäre und jeder Fahrer wird vom Heimpublikum angespornt."

6. - S wie Sandkasten

Die Formel 1 kommt selten an einen Ort, der es so in sich hat wie die 4.259 km von Zandvoort. Auch nach dem Umbau für die Rückkehr der Königsklasse hat die Naturrennstrecke nichts von ihrem Old-School-Charakter verloren. Die kurze Start-und-Zielgerade gibt nur wenig Zeit, sich von der anspruchsvollen Runde in den Dünen zu erholen. Die neun Rechtskurven beanspruchen nicht nur die Reifen auf der linken Seite enorm, sondern auch die Körper der Fahrer. In Kurve sieben müssen sie Runde um Runde etwa 5g aushalten.

Darüber hinaus ist das Layout nicht nur physisch anspruchsvoll, sondern auch mental eine echte Zerreißprobe. Die in fast allen Kurven noch vorhandenen natürlichen Track-Limits bestrafen jeden Fehler sofort. In den vier vorangegangenen Sessions wurden vier rote Flagge durch Unfälle verursacht. Am Samstag bekamen Sainz und Latifi bei ihren Abflügen in den Kurven zwei und acht die volle Härte der Rennstrecke zu spüren. Die Wahrscheinlichkeit für einen Einsatz des Safety Cars ist hoch.

7. - S wie Strandwetter

Das skandalöse Nicht-Rennen von Spa-Francorchamps hat die Formel 1 zumindest wettertechnisch in Zandvoort längst hinter sich gelassen. Petrus muss Verstappen-Fan sein, denn seit dem Start ins Wochenende werden Fahrer und Fans mit bestem Spätsommerwetter verwöhnt. Für den Sonntag sind mit 22 Grad Celsius die bisher höchsten Temperaturen vorhergesagt. Dazu gibt es wieder strahlenden Sonnenschein bei verschwindend geringen zwei Prozent Regenwahrscheinlichkeit. So bitter der vergangene Sonntag war, diesmal kommt garantiert jeder auf seine Kosten.


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