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Formel 1

Formel 1: Wie Ferrari seine Reifenprobleme in den Griff bekam

Top im Qualifying, viel Reifenverschleiß im Rennen. So startete Ferrari in die Formel-1-Saison. Erst im Sommer fanden Mattia Binotto & Co eine Lösung.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Ferrari machte in der Formel-1-Saison 2021 einen großen Schritt nach vorne. Vor allem im Qualifying waren die Roten bei einzelnen Rennen auf Augenhöhe mit Red Bull und Ferrari. In Monaco und Aserbaidschan sicherte sich Charles Leclerc sogar die Pole Position.

Das Frankreich-Dilemma: Qualifying top, Rennen flop

Doch so stark der SF21 im Qualifying war, im Rennen verlor der Bolide wieder an Boden. Ein Rennen, bei dem das besonders augenscheinlich wurde, war der Große Preis von Frankreich. Nach einer aussichtsreichen Qualifikation brach die Pace von Charles Leclerc und Carlos Sainz während des Grand Prix komplett ein.

Im engen Mittelfeld rutschten beide aus den Punkten und anstatt Zähler auf McLaren gutzumachen waren es stattdessen die papayaorangen Autos, die im Duell um Rang 3 in der Konstrukteurs-WM Big Points sammelten. Für Ferrari hingegen war es der einzige Nuller im Formel-1-Jahr 2021.

Großer Preis von Frankreich: Der Tiefpunkt der bisherigen Ferrari-Saison. - Foto: LAT Images

Binotto: Aus Frankreich gelernt

Die Schuldigen fuhr den Performance-Verlust im Long-Run waren schnell ausgemacht: Die Vorderreifen. "Wir hatten links vorne zuerst Graining und dann einen hohen Reifenverschließ", analysierte Teamchef Mattia Binotto die Ursache.

"Bereits bei den Rennen zuvor hatten wir verglichen mit der Konkurrenz im Durchschnitt den höchsten Reifenverschleiß an der Front", erklärte Binotto weiter. Bei der Scuderia setze nach dieser Erkenntnis ein Umdenken ein. Das Pneus-Problem in den Griff zu bekommen wurde mit einer hohen Priorität ausgestattet.

Lösung: Weniger Rutschphasen

Ferrari orientierte sich bei der Suche nach einer Lösung an folgendem Leitspruch: "Es ist sehr einfach. Wenn man viel Verschleiß hat, liegt das daran, dass man viele Rutschphasen hat und wenn man viel rutscht, dann gibt es dafür Gründe", sagte Binotto. Die Scuderia musste allerdings herausfinden, ob diese Gründe im Wagendesign, im Setup oder schlicht und ergreifend im Fahrstil von Sainz und Leclerc zu finden waren. Letzteresg alt aber als äußerst unwahrscheinlich.

Neben dem Anpassen von zahlreichen Parametern, die direkten Einfluss auf das Autokonzept hatten, konzentrierte sich Ferrari vor allem auf die Setuparbeit. Dort erzielte man schließlich einen Durchbruch. Binotto erklärte: "Wir mussten unser Setup mit einer anderen Balance ausstatten, also von Untersteuern zu Übersteuern wechseln. Ich glaube, das war die richtige Richtung", zeigte sich der Ferrari-Boss zufrieden.

Denn bei den letzten Grands Prix vor der Sommerpause passten die Rennergebnisse des SF21 wieder. Davon zeugte nicht nur der dritte Platz von Carlos Sainz beim Ungarn-GP, sondern auch die Aufholjagd beim zweiten Österreich-Rennen als beide Ferraris nach dem Verpassen von Q3 noch satt Punkte einstreichen konnten. Die Reifendaten untermauern diese Einschätzung: "In Österreich, in Großbritannien und in Ungarn haben wir uns verbessert. Der Vorderreifen war nicht mehr so kritisch", so Binotto.

Qualifying kaum beeinträchtigt

Dabei stellt sich allerdings die Frage: Hat Ferrari sich die solide Rennpace dadurch erkauft, indem sie die Performance auf eine Runde opferten? Binotto will das auf gegenüber Motorsport-Magazin.com nicht gänzlich ausschließen. Wenn, dann sei der Effekt allerdings nicht besonders groß. "Vielleicht wird das Qualifying dadurch ein bisschen beeinträchtigt, aber nicht viel", behauptete er.


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