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Formel 1, AlphaTauri 2021: Neuer Teamrekord in Reichweite

Pierre Gasly lässt AlphaTauri 2021 vom besten Ergebnis der Teamgeschichte träumen. Zündet auch Yuki Tsunoda? Motorsport-Magazin.com zieht Halbzeitbilanz.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 ist in der Sommerpause: Nach elf von 23 geplanten Rennen zieht Motorsport-Magazin.com ein erstes Fazit. Heute gibt es das Formel-1-Zwischenzeugnis für AlphaTauri. Wie schlägt sich das zunehmend eigenständige zweite Team aus dem Red-Bull-Konzern im ersten Jahr mit dem erklärten Teamleader Pierre Gasly und Rookie Yuki Tsunoda?

Ziel vs. Realität:
2021 will sich AlphaTauri von seinem Image als reine Nachwuchsschmiede für Red Bull lossagen und gleichzeitig noch immer diesen Zweck erfüllen. Dazu wurde Gasly trotz seines ersten GP-Siegs im Vorjahr nicht zurück zu RBR befördert, sondern als Teamleader bei der Scuderia installiert. In dieser Rolle soll der Franzose Formel-2-Aufsteiger Tsunoda anleiten. Einen gewissen Übergangscharakter hat 2021 also - Haas light. Dennoch sind die Ziele viel höher gesteckt. Mit der verlässlichen Größe Gasly und dem vermeintlich besten Rookie Tsunoda will sich das Team von Franz Tost im Mittelfeld nach vorne arbeiten. In der ersten Saisonhälfte gelang das trotz einiger Rückschläge. Auf dem Papier steht AlphaTauri mit P6 zur Halbzeit einen Rang besser da als am Ende der Vorsaison.

Entwicklung:
Sonderlich große Sprünge - weder nach vorne noch nach hinten - schienen AlphaTauri schon unter seinem vorherigen Namen Toro Rosso nie zu gelingen. Spätestens mit Umbenennung des Teams zeichnet sich allerdings ein durchgängig positiver Trend ab. Aus einem klaren Tief 2018 (nur WM-Rang 9) arbeitete sich das Team aus dem Stand schon 2019 mit dem besten Ergebnis der Teamgeschichte zurück. Seitdem liegt das Niveau von Punkten und Ankünften in den Punkterängen deutlich höher denn je (s.u.), selbst Abstauber in Form von Podien haben sich zuletzt eingebürgert.

Der Höhepunkt:
Ganz klar das Chaosrennen von Aserbaidschan. In Baku erzielte Gasly einen der genannten Abstauber - allerdings durchaus mit konsequenter Verteidigung am Ende - und beendete den Grand Prix auf Platz drei. Noch dazu fuhr Teamkollege Tsunoda sein bis dahin bestes F1-Ergebnis ein. Mit insgesamt 21 Punkten bejubelte AlphaTauri die beste Punktausbeute des Jahres. Ungarn war mit 19 Zählern zwar ähnlich gut, allerdings verlor AlphaTauri dort dennoch massiv Punkte auf Alpine, den schärfsten Gegner im Mittelfeld.

Der Tiefpunkt:
Rückschläge gab es in den bisherigen elf Saisonrennen so einige. Komplett leer ging AlphaTauri als einziges Team neben Red Bull allerdings nie aus. Mit Portugal, Spanien, Österreich I und Großbritannien kam AlphaTauri allerdings gleich viermal nicht über einen einzigen Zähler hinaus. Zusammengefasst mit Silverstone bildet sicherlich das Spielberg-Doppel das wohl größte Tief, eher eine ganze Phase also. Nur vier Punkte holten Gasly und Tsunoda aus diesen drei Rennen.

Pierre Gasly:
Der Franzose erfüllt den ihm 2021 zugedachten Job des Teamleaders mustergültig. Nahezu fehlerlos holt Gasly so gut wie immer das Maximum aus dem AT-02 heraus. Im maximal fünftschnellsten Auto fuhr Gasly im Qualifying bislang gleich achtmal in die Top-6, nie schied er im Q1 aus (Tsunoda 6x). Dafür verlor der Franzose in der Startrunde wiederum so viel an Boden wie kein anderer - im Schnitt 2,18 Plätze. Das war allerdings auch Pech wie einem ausladenden Ausweichmanöver in Ungarn oder einer unverschuldeten Berührung mit Charles Leclerc in Österreich geschuldet. Dass verpasste Chancen selten an Gasly lagen, spiegelt sich auch in seiner exzellenten Bewertung in unserem Fahrerranking.
Gesamtnote MSM-Fahrerranking: 2,26 (P3)

Im teaminternen Duell zeigt sich klar, wer der Teamleader und wer der Neuling ist - Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Yuki Tsunoda:
Für den jungen Japaner gilt so ziemlich das Gegenteil. Nicht umsonst schneidet Tsunoda nicht nur in unserem Ranking sehr viel schlechter ab, sondern steht auch in der WM-Wertung und im direkten Vergleich mit Gasly deutlich schlechter da (18:50 Punkte; P13:P8). Vier Zehntel fehlen im Schnitt am Samstag auf den erfahreneren Teamkollegen. Mindestens genauso in den Griff bekommen muss Tsunoda allerdings seine hohe Fehlerquote. Nachdem der Japaner beim Saisonstart in Bahrain den Vorschusslorbeeren gerecht wurde, patzte Tsunoda danach über Gebühr.
Gesamtnote MSM-Fahrerranking: 3,66 (P18)

Ausblick:
AlphaTauri macht sich inzwischen Hoffnungen auf das beste Ergebnis der Teamgeschichte. Das wäre WM-Rang fünf. Lange hielt die Scuderia sogar Kurs, dann schlug in Ungarn Alpines große Stunde. Mit nur neun Punkten Rückstand auf die Franzosen befindet sich AlphaTauri allerdings absolut in Schlagdistanz. Aston Martin hat man um 20 Zähler abgeschüttelt. Beweist Tsunoda in der zweiten Saisonhälfte nachhaltige statt nur vorübergehende Verbesserungen, verfügt das Team von Franz Tost über gute Karten. Falls der Japaner keinen Aufwärtstrend zeigt, wird es gegen einen inzwischen entfesselten Fernando Alonso bei Alpine weitaus schwieriger.

Halbzeitfazit AlphaTauri: Dank Gasly vor dem nächsten Schritt: (08:09 Min.)