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Formel 1 Ungarn: Gaslys wilder Ritt zu P5 & schnellster Runde

Pierre Gaslys Ungarn-GP war eine wilde Odyssee durchs Formel-1-Feld. Am Ende spielt er Punktedieb gegen Hamilton, und weiß nicht, was er davon halten soll.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Für Pierre Gasly ist der fünfte Platz im Chaos-Rennen von Ungarn nur auf den ersten Blick zufriedenstellend. Mit den Plätzen fünf für Gasly und sechs für Teamkollege Yuki Tsunoda, sowie mit der schnellsten Runde für Gasly hat AlphaTauri zwar gute Punkte gesammelt - aber Gasly verflucht einen vom Start bis ins Ziel vom Pech durchzogenen Grand Prix.

"Gestern haben wir fast überperformt, als wir uns vor Ferrari und McLaren qualifiziert haben", ärgert sich Gasly, der sich mit seiner vielleicht besten Qualifying-Runde des Jahres am Samstag Startplatz fünf geschnappt hatte. Zynisch fügt er an: "Es wäre fast besser gewesen, wenn wir uns auf unserer angestammten Position qualifiziert hätte."

Gasly entkommt Startcrash in Ungarn mit Müh und Not

Dass der Sonntag nicht nach Plan laufen würde, zeichnete sich schon auf dem Weg in die Startaufstellung ab, als Gaslys Honda-Motor in der Boxengasse plötzlich abschaltete. "Es gab keinen wirklichen Grund", ist er danach verwirrt und fordert eine Untersuchung.

Immerhin schaffte er es auf den angestammten fünften Startplatz - nur um dann ein Opfer des großen Start-Unfalles in der ersten Kurve zu werden: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer dass Valtteri [Bottas] das verbockt hat und so ziemlich die ersten sechs Autos aus dem Rennen genommen hat." Gasly konnte zwar den Feindkontakt vermeiden, aber nur, indem er einen weiten Bogen durch die Auslaufzone fuhr.

Gasly verliert nach Crash mehr Zeit im Boxen-Stau

Als das Rennen wegen dem Crash abgebrochen wurde, war Gasly nur mehr Elfter. Beim Neustart kam er dann wie fast alle anderen sofort an die Box, um Reifen zu wechseln, und kam wieder unschuldig zum Handkuss. Im starken Verkehr in der Boxengasse kam er erst nicht aus seinem Stellplatz heraus, und musste dann erneut stehenbleiben, als vor ihm Kimi Räikkönen und Nikita Mazepin kollidierten.

Erst als alle anderen die Boxengasse verlassen hatten, konnte Gasly um den kaputten Mazepin-Haas herum und auf die Strecke fahren: "Ich bin nicht einmal zur gleichen Zeit wie die anderen losgefahren, ich hatte schon Rückstand." Aber er blieb ruhig, und startete eine fulminante Aufholjagd. Er blieb dann auf der Strecke, als die meisten vor ihm stoppten. Mit freier Fahrt konnte er seine wahre Pace zeigen und einen erfolgreichen Overcut exekutieren.

Gasly kämpft sich zurück & schnappt Hamilton Extrapunkt weg

Als Gasly dann seinen Boxenstopp einlegte, kam er auf Platz acht zurück auf die Strecke, überholte bald darauf den Williams von Nicholas Latifi und schloss auf seinen Teamkollegen Yuki Tsunoda auf. Der musste ihn durchwinken, ehe die nächste Herausforderung folgte: "Ich musste eine gute Sekunde [langsamer machen zum] Benzin sparen. Die Vorderreifen, die Vorderbremsen, alles wurde kalt."

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Trotzdem krönte Gasly seinen Tag mit einer Glanzleistung. Nachdem er seinen Benzinverbrauch ins Reine gebracht hatte, enteilte er Tsunoda in Riesenschritten. Als sich der Japaner auch noch drehte, hatte Gasly plötzlich einen gigantischen Vorsprung. Genug, um noch einmal zum Boxenstopp zu kommen, Soft-Reifen aufzuziehen, und in der letzten Runde Lewis Hamilton mit einer 1:18.394 den Bonuspunkt für die schnellste Runde zu entreißen.

Gasly fasst nach Höllenritt Zuversicht mit AlphaTauri

Fazit: "Wir hatten mehrere Probleme heute, die uns davon abgehalten haben, alles zu maximieren." Er ist einer der Fahrer, die auf das Podium blicken, und sich denken: Da hätte ich stehen können. "Wir hätten viel mehr machen können, wenn wir beim Start nur ein bisschen mehr Glück gehabt hätten."

Das Ergebnis mag ihm nicht passen, die Performance aber schon: "Es gibt viel Positives von diesem Wochenende. Die Qualifying-Pace gegen Ferrari und McLaren. Auch positiv war, dass wir nach Silverstone die Reifen besser verstanden haben. Im Rennen hatten wir extrem gute Pace, sobald wir nicht mehr sparen mussten und mehr Temperatur in den Reifen hatten."

"Um ehrlich zu sein weiß ich nicht so recht, was ich denken soll", lautet Gaslys finales Urteil zum Ungarn-GP daher. "Es gibt viel Positives mitzunehmen, aber wir haben viele Punkte in der WM verloren, das enttäuscht. Allerdings denke ich, dass wir unter den Umständen das bestmögliche Ergebnis geholt haben."


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