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Formel 1

Sebastian Vettel liefert bestes Qualifying: Fühlen statt denken

Im Qualifying zum Formel-1-Rennen in Portugal fährt Sebastian Vettel erstmals mit Aston Martin ins Q3. Lehren noch erfreulicher als reines Ergebnis.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel ist im Qualifying zum Großen Preis von Portugal 2021 ein erster auch im Ergebnis ersichtlicher Fortschritt mit Aston Martin gelungen. Im Zeittraining der Formel 1 auf dem Autodromo Internacional do Algarve in Portimao katapultierte Vettel sich erstmals in das finale Q3. Mit diesem Resultat (P10) drehte der viermalige F1-Weltmeister auch teamintern den Spieß um. Diesmal war es Lance Stroll, der bereits in Q1 ausschied - und das trotz eines neuen Unterbodens an seinem Auto, auf den Vettel an diesem Wochenende noch verzichten muss.

„Ich weiß nicht, ob der Knoten geplatzt ist“, sagt Vettel über sein erstes Q3 seit dem ersten Silverstone-Wochenende zu Beginn der Vorsaison. „Aber ich habe mich ein bisschen wohler gefühlt, auch, wenn die Bedingungen sehr schwierig waren. Es hat irgendwie besser zusammengepasst.“

Vettel profitiert von Verstappen-Windschatten

Die windigen Bedingungen in Portimao machten zahlreichen Fahrern zu schaffen. Wie schon im Training musste die Rennleitung diverse Runden wegen Verstößen gegen die Track Limits streichen. „Ich weiß nicht, ob da viele Probleme hatten“, sagt Vettel. „Aber gerade in die erste Ecke rein musst du voll attackieren. Und wenn du da einen Windstoß bekommst, rutscht dir auf einmal das Heck weg und du bist ein Stück zu weit. Das ist schwer einzuschätzen.“

Auch Vettel traf es in seinem letzten Versuch gleich in der ersten Ecke nicht ideal, nachdem er zuvor auf der Geraden von einem Windschatten durch Max Verstappen profitiert hatte. „Das war großzügig, aber ich war dann so spät dran, dass ich den Vorteil in der ersten Kurve schon wieder verloren hatte. Das war nicht ganz ideal“, schildert Vettel bei Motorsport-Magazin.com. Der Niederländer selbst war wenig begeistert.

Sebastian Vettel: Bauchgefühl besser als denken

Insgesamt sei es allerdings sehr viel besser gelaufen als in seinen ersten beiden Qualifyings mit Aston Martin, so Vettel. Nicht nur wegen des Resultats, sondern auch wegen des Gefühls. „Es lief heute ein bisschen besser, auch wenn die letzte Runde noch nicht der goldene Schuss war und vielleicht noch ein Platz drin gewesen wäre“, sagt Vettel, am Ende keine zwei Zehntel hinter dem Neunten, Pierre Gasly.

Warum es besser lief? Vor allem, weil er habe loslassen können, so Vettel. „Dann passiert es einfach“, sagt Vettel. „Wenn man zu sehr nachdenken muss, ist schon Zeit verloren.“ Die Rundenzeit sei einfach gekommen. „Ohne, dass ich zu viel nachdenken musste. Ich konnte mich einfach auf mein Gefühl verlassen“, berichtet Vettel.

Vettel freut sich: Ganzes Qualifying hilft sehr

Das sei auch deshalb möglich gewesen, weil ohne erneutes Q1-Aus mehr Zeit zur Verfügung stand. „Wir haben über das Wochenende hinweg im Endeffekt nicht viele Runden im Quali-Trimm. Deshalb sind die Runden am Samstagnachmittag sehr wichtig für mich“, erklärt Vettel. „Und die ersten zwei Qualifyings waren da nicht ganz rund. Es war gut, dann auch mal im Qualifying drin zu bleiben, sodass man es nochmal und nochmal probieren kann und sich dann auch mit den Bedingungen am Ende mit den anderen vergleichen kann. Deshalb habe ich da heute ein bisschen mehr gelernt. Das hat mir geholfen zu verstehen, was das Auto braucht und wie ich es positionieren muss, um schneller zu sein.“

Insgesamt brauche es allerdings noch immer etwas Zeit im Auto. Darauf hatte bereits am Freitag Vettels Teamchef verwiesen. Zudem gab Otmar Szafnauer einmal mehr an, vor allem ein instabiles Heck des AMR21 mache Vettel noch zu schaffen. Die berühmte, angebliche Schwäche Vettels, die der Deutsche bereits in das Land der Märchen verwiesen hatte? Auf MSM-Nachfrage weicht Vettel geschickt mit dem Thema Wind aus: „Dieses Wochenende hatten alle Probleme mit dem Heck, glaube ich. Da gab es keinen, der da auf Schienen rumgefahren ist.“

Stroll wegen Unterboden unfair im Vorteil? Vettel winkt ab

Der Großteil liege dennoch auf seiner Seite, so Vettel. Dem Nachteil, in Portimao noch auf einen vorgezogenen neuen Unterboden verzichten zu müssen, während Lance Stroll bereits mit einem neuen Modell unterwegs ist, misst Vettel keine große Bedeutung bei. Jedenfalls störe ihn das nicht. Stroll habe an den ersten beiden Wochenenden bessere Leistungen geliefert, deshalb sei die Zuteilung in Ordnung, so Vettel, der Stroll im Q1 dennoch eine halbe Sekunde aufgebrummt hatte.

Ganz im Gegenteil: Vettel begrüßt sogar die schnelle Einführung des neuen Unterbodens. „Das ist ein wichtiger Schritt für uns. Wir brauchen jetzt auch jeden einzelnen Schritt nach vorne, den wir kriegen können. So schnell wie möglich. Das Team bemüht sich. Deswegen gab es schon hier zumindest einen Satz neue Teile“, lobt der Deutsche. „Wir versuchen so schnell wie möglich Boden auf die Teams da vorne gutzumachen.“

Vettel: Nicht zu giereig werden

Denn eins seht klar fest: Trotz des Fortschritts sind weder Vettel noch Aston Marton schon da angekommen, wo sie sein wollen. „Das verändert jetzt nicht die Welt. [...] Wir wollen beide Autos im Q3 und da auch weiter nach vorne“, sagt Vettel. „Wir dürfen jetzt aber nicht zu gierig werden. Von meiner Seite war das Qualifying aber etwas besser.“

Der Sieg über Stroll gibt Vettel eine gewisse Erleichterung. Auch wenn es nur logisch gewesen sei, dass Stroll sich mit einem Jahr Erfahrung mit dem Boliden zunächst wohler gefühlt hätte. „Er hatte da den besseren Start und war schneller. Hoffentlich sind wir an den nächsten Wochenenden jetzt enger zusammen“, sagt Vettel.

Der Große Preis von Portugal startet am Sonntag um 15 Uhr Ortszeit, das entspricht 16 Uhr MESZ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Fans verpassen im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com keine Entscheidung auf der Strecke oder können das Rennen im TV oder via Live-Stream (mit VPN überall) genießen.


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