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Formel 1

Der AlphaTauri AT02 im interaktiven Formel-1-Technik-Check

Das zweite Formel-1-Auto der 2021er Generation ist da. Der AlphaTauri AT02 zeigt ein paar interessante Neuerungen. Die Analyse.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - AlphaTauri präsentierte am Freitagmorgen den neuen AT02. Es ist das 36. Auto, das in Faenza gebaut wird, aber nach den Umbenennungen von Minardi in Toro Rosso und von Toro Rosso in AlphaTauri begann jeweils eine neue Zeitrechnung.

AlphaTauri verschickte bei der Präsentation Bilder und sogenannte Renderings. Dabei handelt es sich um Computer-generierte Bilder aus CAD-, also 3D-Modellen. Doch Vorsicht war geboten: Auf den echten Fotos war noch das alte Auto zu sehen. AlphaTauri ging es hauptsächlich darum, die neue Lackierung zu zeigen.

Das echte neue Auto ist vermutlich noch nicht einmal komplett fertig. Nächste Woche Mittwoch steht in Imola ein Filmtag auf dem Programm. Jeder Tag, den das Auto früher fertig wäre, wäre verschenkte Zeit. Die Renderings zeigen aber schon das ein oder andere interessante Detail.

Auf das Flügelwerk sollte man bei Launch-Bildern kein allzu großes Augenmerk legen. Hier entwickeln die Ingenieure schnell. Meist ist auf den Bildern nicht die letzte Ausbaustufe zu sehen. Trotzdem kann man beim AT02 Änderungen im Vergleich zu seinem Vorgänger erkennen.

Wie viel Red Bull steckt im neuen Formel-1-Auto von AlphaTauri?: (16:02 Min.)

Die neutrale Y250-Sektion teilt sich jetzt nur noch in zwei, statt wie bisher drei Segmente auf. Die Zahl der Flügel-Profile bleibt aber identisch, alle Teams nutzen das Maximum von fünf Segmenten aus. Das Reglement erlaubt hier seit 2019 nicht mehr.

AlphaTauri verwendet Token für Nase des AT02

Die Nase ist interessanter: Hier gab AlphaTauri die beiden Entwicklungs-Token aus. Denn eigentlich ist dieser Bereich homologiert und darf 2021 nicht verändert werden. Umso überraschender ist es, dass die Modifizierung nur sehr klein ist.

McLaren stieg wegen der Token-Regelung noch 2020 auf eine schmale Nase um - Foto: Motorsport-Magazin.com

Ob uns das Team hier schon die finale Version zeigt? Viele hatten eine schmale Nase nach dem Mercedes-Vorbild erwartet, doch auf den gezeigten Bildern bleibt AlphaTauri bei der bisherigen Philosophie. Der Knoll unter der Nase wirkt etwas filigraner, der Cape-Flügel steht steiler. Mehr ist auf den Renderings nicht zu erkennen.

AlphaTauri bekommt zahlreiche Komponenten vom großen Bruder Red Bull über den Umweg Red Bull Technology. Allerdings immer mit Verzögerung: 2020 erhielt AlphaTauri Teile der Vorderradaufhängung vom 2019er Red Bull.

Diese Vorgehensweise ist interessant, weil sich dadurch eine kleine Lücke im Homologations-Reglement ergibt. AlphaTauri könnte bei den Zukauf-Teilen von Red Bull auf deren 2020er Spezifikation aufrüsten, ohne Token auszugeben. Denn die Teile wurden bereits in der Vorsaison von Red Bull homologiert.

AlphaTauri nutzt Reglement-Lücke nur zum Teil

AlphaTauri nutzt diese Lücke aber nur in begrenztem Ausmaß. Laut Technik-Direktor Jody Egginton hat man nur Teile des Lenksystems vom 2020er Red Bull übernommen. Das war nötig, weil die Italiener die Vorderradaufhängung überarbeiteten.

Auf den Bildern sind allerdings keine Unterschiede zwischen der 2020er und der 2021er Aufhängung zu erkennen. Hält sich das Team auch hier mit Informationen zurück? Red Bull überarbeitete die Vorderachse von 2019 auf 2020 extrem. Die Spurstange wanderte eine Ebene nach oben, der vordere untere Querlenker dafür nach vorne.

Red Bull baute die Vorderachse 2020 komplett um - Foto: Red Bull

Diese Umbauarbeiten sind am AlphaTauri (noch) nicht zu erkennen. Möglicherweise war oder ist das auch aufgrund des eingefrorenen Monocoques nicht möglich.

Die Bargeboards haben sich über den Winter stark weiterentwickelt. Auch im Vergleich mit der letzten Ausbaustufe aus Abu Dhabi hat sich hier eine Menge getan. Die Aerodynamiker haben sich auf ihrer Spielwiese ausgetobt. Vor allem die Leitbleche rund um die Seitenkästen wurden stark überarbeitet. Seitlich und oben. An der Oberseite fehlt nun ein horizontales Leitblech.

Neuer Honda-Motor für AlphaTauri

Die Einlässe der Seitenkästen blieben identisch, die Form hat sich jedoch stark verändert. Einige Kühler sind zwar homologiert, dürfen aber für einen neuen Motor angepasst werden. Honda wollte die große Ausbaustufe wegen Corona eigentlich auf 2022 verschieben. Der Ausstieg aus der Formel 1 hat die Meinung der Ingenieure aber noch einmal geändert. Der komplett überarbeitete Antrieb kommt nun doch schon 2021.

Am Unterboden sind interessante Details zu sehen. Dort mussten die Aerodynamiker Änderungen vornehmen, weil es das Reglement verlangt. Der Unterboden verjüngt sich aber nicht gleichmäßig von 1,80 Meter Breite auf 1,30 Meter auf Höhe der Hinterachse. Stattdessen gibt es einen größeren Vorsprung und einen Knick. Die Schlitze wurden Reglement-bedingt eliminiert. Das stört die Ingenieure aber nicht daran, noch ein paar Leitbleche an der Oberkante zu installieren.

Beim Heck hätte AlphaTauri eigentlich den großen Red-Bull-Joker ziehen und den AT02 auf RB16-Niveau aufrüsten können. Das Technik-Team um Egginton entschied sich dagegen. Stattdessen wurden Getriebegehäuse und Hinterradaufhängung vom AT01, also vom RB15, übernommen.

Die Befestigung des Heckflügels sieht im Launch-Vergleich neu aus. Allerdings bekam der AT01 im Verlauf der abgelaufenen Saison schon zwei Schwanenhals-Halterungen statt der zentralen Strebe.

Im Gegensatz zu McLaren zeigt AlphaTauri schon etwas vom neuen Diffusor: Der ist im Wesentlichen identisch zum Vorgänger, allerdings sind die zentralen Leitbleche kürzer, um dem neuen Reglement Rechnung zu tragen. 250 Millimeter links und rechts der Mitte durften die Leitbleche bislang noch bis zur Referenzebene nach unten ragen. Nun gilt über die gesamte Breite des Diffusors ein Mindestabstand von 50 Millimeter zur Referenzebene, der Bodenplatte.

Der AlphaTauri AT02 im Direktvergleich mit seinem Vorgänger