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Formel 1

Aston-Martin-Teamchef lobt: Vettel ein Ingenieur am Lenkrad

Sebastian Vettels neuer Formel-1-Teamchef bei Aston Martin plaudert über seinen ersten Eindruck des viermaligen F1-Weltmeisters. Otmar Szafnauer begeistert.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettels neues Kapitel in der Formel 1 hat also begonnen. Ende Januar stattete der viermalige Formel-1-Weltmeister seinem neuen Team Aston Martin, zuvor Racing Point, einen ersten Besuch in Großbritannien ab. Zur Sitzanpassung, ersten Meetings mit seinen Ingenieuren, der Teamführung und zur Aufnahme erster Promotion-Aufnahmen, wie einheizende Postings des Teams in den Sozialen Medien wenig später offenbarten, fand sich der Heppenheimer bei seiner neuen Truppe aus dem englischen Silverstone ein.

Wie genau Sebastian Vettel seinen neuen Arbeitsort erlebte und wie der erste Eindruck seines neuen Teams ausfiel, erfuhren wir bis dato nicht. Ersteres lässt weiter auf sich warten, womöglich bis zur noch unterminierten Präsentation des neuen Boliden für die Saison 2021. Letzteres hingegen gab nun Teamchef Otmar Szafnauer preis. In Interviews mit der englischen Ausgabe von Sky Sports F1 und RTL/n-tv verriet Vettels neuer Teamchef, wie er und seine Crew Sebastian Vettel bei dessen Antrittsbesuch erlebten.

Sebastian Vettel: neugierig, wissbegierig, hungrig

Bei dem immer so wichtigen ersten Eindruck machte Vettel die für viele wohl erwartet gute Figur. „Er ist wie immer sehr motiviert. Er ist sehr neugierig, fragt viel. Er vergleicht die Arbeit hier mit dem, was er in der Vergangenheit gelernt hat“, berichtet Szafnauer bei RTL/n-tv. „Die Arbeitseinstellung ist auch da“, ergänzt der gebürtige Rumäne bei Sky Sports F1.

Vettel sei richtig, richtig hungrig, Leistung zu bringen. „Wir haben dieses Jahr bereits angefangen, mit ihm zu arbeiten und da kannst du das sehen. Er hat all diese richtigen Fragen gestellt - und zwar jede Menge! Er ist sehr wissbegierig“, schildert Szafnauer. Wie Sebastian Vettel ticke, habe ihm keiner so gut beschrieben, wie ein Mitglied des Aston-Martin-Teams.

Szafnauer adelt Vettel für Detailarbeit

„Ein Ingenieur hat mir Sebastian als Performance-Ingenieur am Lenkrad beschrieben. Er will genauso viel wissen, wenn nicht sogar mehr, als der Performance-Ingenieur, der am Auto arbeitet, dessen Job es eigentlich ist, jeden kleinen Aspekt der Performance des Autos zu verstehen. Genauso viel will Seb verstehen - und noch mehr“, schwärmt Szafnauer von seinem neuen Vorzeigefahrer.

„Es ist sehr gut, wenn du diese Eigenschaft hast und er hat sie. Das hat er in unser Team eingebracht. Wir können das sehen und er ist richtig, richtig hungrig, wie er auch selbst sagte, in der Formel 1 wieder Spaß zu haben“, ergänzt der 56-Jährige. „Aber Spaß bedeutet bei ihm, konkurrenzfähig zu sein.“

Aston Martin: Vettel hat bei uns wieder Spaß an Formel 1

Bei Sebastian Vettel kommt es dabei allerdings sehr auf einen gewissen Wohlfühlfaktor an. Das analysierten bereits im vergangenen Jahr alter Wegbegleiter wie Red Bulls Teamchef Christian Horner oder Vettel einstiger Teamkollege Mark Webber. Ein Faktor, der bei Ferrari zuletzt offenbar klar fehlte. Bei Aston Martin werde das anders laufen, versichert Szafnauer.

„Wir arbeiten hier anders und behandeln die Fahrer anders als bei seinen alten Teams. Wir werden dafür sorgen, dass ihm Racing wieder Spaß macht", verspricht Szafnauer bei RTL/n-tv. "Das war genau das, was er wollte. Unser Team kann das sehr gut. Wir geben ihm die Umgebung und Unterstützung, die er braucht, um am Ende beim Fahren Spaß zu haben."

Aston-Teamchef: Vettel wird es der Welt beweisen

Auf diese Weise soll Vettel wieder sein eigentliches Niveau erreichen. Das eines Siegfahrers. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass er hier das bestmögliche Level erreichen kann. Mit 33 vergisst man nicht, wie man ein Rennwagen schnell fährt", sagt Szafnauer. "Ich denke, er wird der Welt beweisen, dass er mit der richtigen Umgebung, Motivation und der Freude am Racing einen großartigen Job machen kann." Über den Zenit hinaus sei Vettel jedenfalls nicht einmal im Ansatz.

Längst nicht dort angekommen ist Vettels neuer Teamkollege Lance Stroll. „Lance ist viel jünger und befindet sich noch auf der Lernkurve“ sagt Szafnauer. Deshalb könne der Kanadier viel von Vettel lernen. Das gelte jedoch auch andersherum. „Lance ist hier jetzt der Veteran. Er ist derjenige, der das letztjährige Auto gefahren hat. Er kennt seine Charakteristik besser als Seb“, erklärt der Teamchef bei Sky.

Lance Stroll vs. Sebastian Vettel: Teamplay statt Rivalität

Teamwork erwartet Szafnauer von seinem Fahrergespann ganz klar. Das sei gute Tradition des Teas und habe immerhin selbst mit den stark rivalisierenden Sergio Perez und Esteban Ocon funktioniert, auch wenn für die Außenwelt nicht offensichtlich, so Szafnauer. „Hinter den Kulissen haben sie all ihre Daten geteilt und zusammengearbeitet. Sie haben unermüdlich gearbeitet, um sicherzustellen, dass wir das Beste aus dem Auto holen“, berichtet der Aston-Martin-Anführer. „Ich sehe schon, dass das mit Sebastian und Lance weitergeht. Darauf freue ich mich.“

Formel 1 2021: Der große Saisonausblick Vettel, Mick & Alonso: (30:23 Min.)

Das Saisonziel steht bereits jetzt fest - immerhin hat das Team nach dem verpassten dritten Rang in der Konstrukteurswertung 2020 etwas gutzumachen. Szafnauer: „Wir hatten das Potential, um am Ende Dritter zu werden. Ich denke, McLaren hatte nicht so viel Pech wie wir. Wir hätten Dritter werden müssen. Deswegen macht es Sinn für uns, Platz drei als Ziel auszurufen.“

Nico Hülkenberg als Edeljoker geplant

Teil dieses Pechs waren 2020 auch gleich drei verpasste Rennen für Serio Perez und Lance Stroll wegen Infektionen mit Covid-19. Nico Hülkenberg holte bei seinen Blitz-Comebacks dennoch gute Punkte. Deshalb soll der Emmericher 2021 der Edeljoker bleiben und den dank Vettel neuen deutschen Einschlag im Team noch verstärken. „Es gibt aber noch nichts zu verkünden“, sagt Szafnauer bei RTL. Doch es sehe gut aus für eine weitere Zusammenarbeit: „Wir sind im Austausch mit Nico und befinden uns in Gesprächen mit ihm. Es wäre für uns alle toll.“


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