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Formel 1

Formel 1, Red Bull bricht Mercedes-Dominanz: Perfekt langweilig

Max Verstappen ließ Mercedes in Abu Dhabi keine Chance. Red Bull feiert dominanten Sieg. RB16 im letzten Drittel 2020 stark. Neue Hoffnung für 2021.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappens Sieg beim Formel-1-Finale 2020 in Abu Dhabi war einer genau nach Red Bulls Geschmack. Nach der ersten Pole Position des Jahres kontrollierte der Niederländer auch das Rennen vor den Mercedes-Piloten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton souverän. Die Herausforderer schöpfen nach dem jüngsten Erfolg einmal mehr Hoffnung. Das Momentum soll den Saisonstart 2021 beflügeln.

"Das war das langweiligste Rennen, das du gewinnen kannst. Sorry, dass es nicht unterhaltsamer war, aber für uns war es perfekt", freut sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem zweiten Saisonsieg seines Teamleaders. Für diesen war der zehnte einer der dominantesten Triumphe seiner Karriere. Nachdem er sich am Start gegen seine Verfolger behauptet hatte, überquerte er die Ziellinie nach 55 Runden mit knapp 16 Sekunden Vorsprung.

"Ich hatte vor dem Wochenende hier nicht erwartet, dass wir gewinnen und auf die Pole fahren", so Verstappen, der dafür sorgte, dass der Sieg auf dem Yas Marina Circuit erstmals seit 2013 nicht an Mercedes ging. Vor sieben Jahren hatte Sebastian Vettel für Red Bull gewonnen. "Mercedes hier in einem fairen Kampf zu schlagen, ist ein großartiger Erfolg, der dem ganzen Team viel Energie für den kurzen uns bevorstehenden Winter gibt", sagt Horner.

Einzig beim zweiten Rennen des Silverstone-Doppelpacks war es den Österreichern gelungen, Mercedes aus eigener Kraft zu schlagen. Dort harmonierten Verstappen und der RB16 mit den Reifen besser als das Weltmeister-Auto. Diesmal rätseln die Sieger noch über das verschobene Kräfteverhältnis.

Red Bull nicht nur wegen Mercedes-Problemen vorne

Mercedes-Teamchef Toto Wolff erklärte am Samstag nach dem Qualifying, dass Mercedes in Folge mehrerer MGU-K-Defekte die Power Units nicht mehr mit der vollen Leistung laufen ließ. "Ich weiß nicht, wie sehr Mercedes die Motoren herunterdrehen musste. Aber wenn sie es mussten, ist es ja, wie ihr sehen konntet, keine allzu schlechte Sache", schmunzelt Horner.

Verstappen waren die Leistungseinbußen des Gegners zwar bewusst, dennoch glaubt er nicht, dass dies der einzige Grund für die starke Performance von Red Bull war. "Generell war unser Auto sehr stark, viel besser als erwartet", sagt er. Für Horner war der Sieg in Abu Dhabi die Fortsetzung des jüngsten Trends. "Wir haben über das letzte Drittel der Saison Stück für Stück aufgeholt und Fortschritte gemacht", sagt er.

Dass die Resultate ausblieben, hatte andere Gründe: "In Imola hatten wir Pech, in der Türkei lief es nicht für uns, beim ersten Bahrain-Rennen waren wir gut und beim zweiten hatten wir wieder Pech", zählt Horner auf. Diesmal lief alles nach Plan: "Dieses Wochenende war Max einfach perfekt. Er hat einen unglaublichen Job geleistet."

Red Bull endlich auf dem richtigen Weg?

Die ansteigende Formkurve zum Saisonende ist bei Red Bull ein bekanntes Bild, doch etwas ist dieses Mal anders als in den vergangenen Jahren. "Auf diesem Kurs zu gewinnen, wo Mercedes die letzten sechs Jahre so stark war und alle Poles und Siege geholt hat, und ihre Dominanz hier zu brechen, ist für uns ein großartiges Resultat. Das hier ist einer ihrer stärksten Austragungsorte", so Horner.

Für 2021 wird aufgrund der Einschränkungen im Reglement der Großteil der Technologie übernommen. Dementsprechend zuversichtlich ist Red Bull, mit dem RB16 als Basis auf dem richtigen Weg zu sein. "Ich hoffe es, denn wir werden nicht wieder bei Null anfangen und wir werden viel übertragen. Wenn es in ein paar Monaten weitergeht, wird es mehr oder weniger das sein, womit wir jetzt die Saison beendet haben, nur mit den entsprechenden Upgrades", so Horner.

Verstappen hingegen bleibt mehr als vorsichtig. Der 23-Jährige ist nach mehreren Wintern voller Hoffnungen und der darauffolgenden großen Enttäuschung ein gebranntes Kind. "Ich will da im Moment ehrlich gesagt gar nicht dran denken. Wir müssen über den Winter hart arbeiten, um stärker und besser zu werden. Wir können uns nicht nur auf diesem einen Ergebnis ausruhen", mahnt er.


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