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Formel 1

Formel 1, McLaren feiert P3: Keine Strafe für Sainz

McLaren hat es geschafft: Beim Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi überholte das Team Racing Point in der Konstrukteurs-WM. Sainz entgeht Strafe.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Kampf um Platz drei in der Konstrukteursweltmeisterschaft war das einzige, das dem Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi noch etwas Spannung verlieh. Mit Racing Point, McLaren und Renault kämpften gleich drei Teams um die Zusatz-Millionen. Racing Point ging mit zehn Punkten Vorsprung ins Rennen, hatte aber Sergio Perez nach einem Motorwechsel am Ende des Feldes.

Nach einem schwachen Qualifying und aufgrund des recht großen Rückstands hatte Renault nur noch Außenseiterchancen. Lando Norris und Carlos Sainz konnten die Ausrutscher der Konkurrenz nutzen und münzten die Startpositionen vier und sechs in die Rennpositionen fünf und sechs um.

In einem ereignisarmen Grand Prix ging nur Red-Bull-Pilot Alexander Albon an Lando Norris vorbei. Anschließend fuhren die beiden McLaren-Piloten auf ihren Positionen ins Ziel. Weil Sergio Perez früh mit einem Defekt ausschied und auch die Renault-Piloten keine großen Sprünge machten, sah es das gesamte Rennen über gut aus für McLaren.

Allerdings untersuchten die Rennstewards den Boxenstopp von Carlos Sainz. Weil fast alle Piloten während der Safety-Car-Phase zum Stopp kamen und Sainz etwas langsamer fuhr, kam der Verdacht auf, der Spanier hätte absichtlich langsamer gemacht, um nicht beim Reifenwechsel hinter Teamkollege Norris anstehen zu müssen.

Stewards: Darum dauerte die Entscheidung

Zum Leidwesen der Fans vertagten die Stewards ihre Entscheidung. Erst nach dem Rennende mussten die Beteiligten zum Verhör antanzen. "Normalerweise wäre es den Stewards lieber, solche Entscheidungen während des Rennens zu treffen. In diesem Fall waren die erforderlichen Telemetriedaten aber erst kurz vor Zieldurchfahrt verfügbar", schrieben die Stewards in ihrem Urteil.

Wichtiger aber als dieser Zusatz: Das Urteil selbst. Die Formel-1-Schiedsrichter um ihren Vorsitzenden Garry Connelly sahen keinen Regelverstoß. Das Team hatte Sainz nicht dazu angehalten, zu verlangsamen, sondern ihm zuvor lediglich den Abstand von 2,4 Sekunden auf Lance Stroll hinter ihm durchgegeben.

Die Telemetriedaten zeigten außerdem, dass Sainz vor der Boxeneinfahrt zunächst noch beschleunigte, um dann auf knapp unter 80 Stundenkilometer zu verzögern. Der McLaren-Pilot fuhr anschließend fünf Sekunden lang mit der Maximalgeschwindigkeit durch die Boxengasse.

Dann aber wurde Sainz tatsächlich langsamer, seine Geschwindigkeit fiel etwas ab. Sainz erklärte das mit dem hohen Aufkommen in der Boxengasse. Videos konnten das beweisen. Außerdem fuhr der Spanier nie langsamer als 70 km/h. Wäre er konstant bei 80 km/h geblieben, hätte er seine Boxenposition um gerade einmal 0,6 Sekunden früher erreicht.

Trotzdem lief Stroll auf Sainz auf, dabei verlor er aber nicht nennenswert. Weniger als eine Sekunde lang konnte der Racing-Point-Pilot nicht die Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h ausnutzen.

"Wir haben schon eine mögliche Strafe einkalkuliert, aber da sich Carlos von Ricciardo [nächster Verfolger im Rennen] absetzen konnte, war die Sache klar. Und wir haben auch keine Strafe erwartet", so Teamchef Andreas Seidl.

McLaren erstmals seit 2012 in den Top 3

Mit 202 Punkten beendete McLaren die Saison sieben Punkte vor Racing Point auf Platz drei. Ohne die Strafe von 15 Punkten für die illegalen Bremsbelüftungen von Racing Point wäre das Duell anders ausgegangen. Für McLaren ist es das erste Mal seit 2012, dass man unter die ersten drei unter der Konstrukteursweltmeisterschaft kam.

"Die Ausführung an diesem Rennwochenende war wichtig", lobt Teamchef Andreas Seidl seine Truppe. "Viele Leute im Team hatten diesen Druck noch nie. Ich habe großen Respekt davor, wie sie damit umgingen. Hut hab vor jedem einzelnen Teammitglied. Das ist eine große Motivation, so in die Winterpause zu gehen."

"Niemand konnte erwarten, dass wir dieses Jahr um Platz drei kämpfen", so Seidl. Doch mit den weiteren Schritten ist der Bayer vorsichtig: "Der Abstand nach vorne ist so groß, das holst du nicht in einem Jahr auf. Nächstes Jahr wird wieder ein Kampf zwischen vier oder fünf Teams um die Plätze drei bis sieben - ähnlich wie in diesem Jahr."


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