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Formel 1, Verstappen widerspricht Red Bull: WM unrealistisch

Max Verstappen als WM-Gefahr für Lewis Hamilton? Für den Red-Bull-Pilot eine Illusion. Keine Siege ohne Glück. Motivation trotz Fehlschlägen ungebrochen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen ist in der Formel 1 2020 trotz Mercedes-Dominanz erster Verfolger von Lewis Hamilton. Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko betonte erst vor wenigen Tagen im Interview mit Motorsport-Magazin.com seinen Glauben an die WM-Chancen des Niederländers. Der wiederum backt vor dem achten Saisonrennen in Monza ganz kleine Brötchen. Mercedes nur mit Glück zu schlagen. Motivation ungebrochen.

"Im Moment sieht es so aus, als wären wir im Kampf um die Weltmeisterschaft", so Verstappen, der in der Gesamtwertung 47 Punkte hinter Lewis Hamilton liegt. Einzig bei seinem Sieg im zweiten Silverstone-Event verkürzte er den Vorsprung auf den Titelverteidiger. In den anderen Rennen verlor er jeweils an Boden.

"Ich verliere in jedem Rennen mehr oder weniger sieben Punkte. Der Rückstand wird an einem Punkt sehr groß sein", prophezeit Verstappen die baldige Abfahrt des WM-Zuges. Die Illusion, Mercedes aus eigener Kraft zu schlagen, hat er nicht:"Wir werden nicht aufgeben, aber ich bin sehr realistisch. Im Moment sind wir einfach zu langsam. In Spa haben wir wieder eine halbe Sekunde pro Runde verloren. Wir können im Moment nicht gegen sie kämpfen."

In Silverstone brachte eine Kombination der äußeren Bedingungen und der von Pirelli ausgewählten Reifenmischungen den entscheidenden Vorteil, den Verstappen in einen Sieg verwandelte. Eine Woche zuvor gewann Hamilton auf dem Highspeed-Kurs nach einem Reifenschaden auf drei Rädern.

Verstappen: Red Bull kann Mercedes nur mit Glück besiegen

"Wir brauchen Glück, um Rennen zu gewinnen und wirklich mal ein paar Punkte aufzuholen", stellt Verstappen klar. In seiner fünften Saison mit Red Bull ist der RB16 erneut nicht die Waffe, die er sich für einen WM-Fight wünscht. Verstappens Ausbeute in 109 Grands Prix beschränkt sich auf neun Siege und zwei Pole Positions. In Anbetracht seiner Möglichkeiten wäre kaum mehr drin gewesen. Zu wenig für ein Talent seines Formats.

Doch der 22-Jährige lässt sich vom Warten auf den ultimativen Erfolg nicht aus der Ruhe bringen. "Ich gebe jedes Wochenende mein Bestes. Es ist nicht so, dass ich down bin oder so", sagt er. Sein Einsatz hängt nicht von den Erfolgsaussichten ab. "Ich verstehe nicht, warum Menschen glauben, dass du nicht motiviert wärst."

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Für Verstappen ist die Formel 1 nach wie vor die Erfüllung: "Du hast einen der besten Jobs der Welt, du fährst superschnelle Autos und ich kämpfe um dritte und zweite Plätze, hatte einen Sieg. Ich finde es unglaublich, dass manche Leute denken, dass du da nicht motiviert bist. Ich liebe, was ich mache. Ich komme jedes Wochenende hierher und liebe es, das Auto zu fahren."

Dass Mercedes seit seiner ersten Saison in der Königsklasse mehr oder weniger unerreichbar ist, kann seinen Willen nicht brechen: "Natürlich willst du gegen sie kämpfen, aber wenn das nicht möglich ist, nimmst du das mit dem Auto bestmögliche Resultat mit und das genieße ich immer noch."

Red Bulls Monza-Statistik als Ansporn

In Monza gibt ihm alleine Red Bulls Statistik der vergangenen Jahre einen Grund, auch an diesem Wochenende alles zu geben. Seit Sebastian Vettels Sieg für die Österreicher im Jahr 2013, bei dem auch Teamkollege Mark Webber als Dritter auf dem Podest stand, hat Red Bull auf dem Traditionskurs kein Podest mehr gefeiert.

"Das ist wirklich enttäuschend!", schmunzelt Verstappen, der 2018 nach einem robusten Manöver gegen Valtteri Bottas eigentlich für ein Podium gebucht war: "Ich wäre auf dem Podium gewesen, aber sie haben es mir weggenommen. Ich bin als Dritter über die Linie gefahren."

Die Aussichten für eine Wiederholung schätzt er an diesem Wochenende allerdings als nicht allzu hoch ein. "Mit den langen Geraden ist diese Rennstrecke für uns nicht so gut. Aber hoffentlich finden wir eine gute Balance, um das in den Kurven zu kompensieren", sagt er.

Verstappen begrüßt Verbot des Party-Mode

Der Verbot des Power-Modes könnte sich allerdings positiv auswirken: "Ich glaube nicht, dass der Party-Mode bei uns so stark war. Ich denke nicht, dass wir da so viel Power verlieren. Bei den anderen Teams ist es schwer zu sagen. Wir müssen das Q3 abwarten und schauen, wie es da ist."

Generell begrüßt er die Entscheidung, den auf das Qualifying ausgelegten Motormodus zu verbieten: "Es macht alles etwas simpler. Nicht, dass es vorher besonders schwierig gewesen wäre. Aber beim Start oder Restart nur in einem Modus zu fahren, ist etwas besser. Nach dem Qualifying darf man normalerweise sowieso nichts am Auto ändern, aber wir haben immer noch die unterschiedlichen Motormodi erlaubt. Wenn man das vereinheitlichen will, ist es eine gute Sache, das auch beim Motor zu machen."


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