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Formel 1, Williams-Schock: Familie zieht sich aus Team zurück

Williams verkündet in Monza das Ende einer Ära. Gründer Frank Williams & Tochter Claire ziehen sich nach 43 Jahren aus Team zurück. Neuausrichtung ab 2021.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Zum Auftakt des Formel-1-Wochenendes in Monza sorgt Williams für ein wahres Erdbeben im Fahrerlager von Monza. In einer Pressemitteilung verkündet der britische Traditionsrennstall das Ende einer Ära. Nach 43 Jahren im Familienbesitz ziehen sich Gründer Frank Williams und Tochter Claire Williams aus dem Team zurück. Williams Racing bricht nach der Übernahme durch Dorilton Capital ab 2021 in eine neue Zeitrechnung auf.

Die überraschende Entscheidung fiel offenbar in Folge der erst vor wenigen Wochen getroffenen strategischen Neuausrichtung, zu der auch der Verkauf der Mehrheitsanteile an den US-amerikanischen Investmentkonzern Dorilton Capital zählte. Die Veräußerung des Rennstalls soll nach Jahren der Krise die langfristige Zukunft des Geschäfts sicherstellen.

"Da die Zukunft des Teams nun sichergestellt ist, fühlt es sich für uns nach dem richtigen Zeitpunkt an, aus dem Sport zurückzutreten", so die stellvertretende Teamchefin Claire Williams. "Wir haben Williams als Familie stets priorisiert. Dies haben wir mit unseren kürzlichen strategischen Beurteilungen demonstriert und wir glauben, dass es der richtige Moment ist, die Herrschaft abzugeben und den neuen Eigentümern die Chance zu geben, das Team in die Zukunft zu führen."

Formel 1: Williams-Schock - Was wird jetzt aus dem Team?: (09:52 Min.)

Williams seit 1977 im Familienbesitz

Frank Williams erster Rennstall firmierte unter dem Namen Frank Williams Racing Cars und trat erstmals im Jahr 1966 in Erscheinung. Unter diesem Banner setzte der 1942 geborene Brite zwischen 1969 und 1976 hauptsächlich Kundenchassis in der Formel 1 ein. Das Unternehmen geriet in finanzielle Schieflage und wurde an Walter Wolf verkauft und trat in Folge als Walter Wolf Racing an.

Williams kehrte bereits am 8. Mai 1977 beim Saisonauftakt in Jarama in die Königsklasse zurück. Als Williams Grand Prix Engineering Limited trat die Mannschaft ab 1978 mit dem FW06 erstmals als vollwertiger Konstrukteur in Erscheinung. In den 43 Jahren seit der Gründung war das Team stets im Besitz der Familie Williams.

"Wir sind seit über vier Jahrzehnten in diesem Sport. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Erfolge und das Vermächtnis, welches wir hinterlassen", so die scheidende Teamchefin. "Wir waren immer mit Liebe und aus Freude am Motorsport dabei. Es ist keine Entscheidung, die uns leicht gefallen ist, doch wir haben sie als Familie getroffen."

In 739 Grands Prix errang Williams 114 Siege, 128 Pole Positions und 133 schnellste Runden. Diese beeindruckenden Zahlen führten das Team aus Grove zu neun Konstrukeurs- sowie sieben Fahrerweltmeisterschaften, die es mit Ferrari und McLaren zu einem der drei erfolgreichsten Konstrukteure der Geschichte machen.

Danksagung im Namen von Gründer und Teamchef Frank Williams

"Im Namen von Frank und der Williams-Familie möchte ich sagen, wie unglaublich dankbar und demütig wir angesichts der Unterstützung sind, die wir über die Jahre erfahren haben", so Claire Williams, die als einziges Mitglied der Williams-Familie zu Wort kam. "Am meisten wollen wir uns bei unserem Team bedanken, den Menschen, die in der Vergangenheit und der Gegenwart für Williams gearbeitet haben. Sie sind wahre Kämpfer, die dieses Team zu dem gemacht haben, was es heute ist."

Der Rücktritt von Claire Williams als stellvertretende Teamchefin ging der Mitteilung über den Ausstieg der Familie unmittelbar voraus. Der legendäre Name soll jedoch auch unter neuem Eigentümer und neuer Führung bestehen bleiben. "Wir sind für Doriltons Einsatz, weiterzumachen, sehr dankbar. Wir wissen, dass das Team in guten Händen sein und der Name Williams weiterleben wird", so Williams weiter.

Williams glaubt an Fortsetzung des Familien-Erbes

"Wir respektieren die schwierige Entscheidung von Claire und der Williams-Familie, sich aus dem Team und dem Geschäft zurückzuziehen, nachdem neue Ressourcen für die Zukunft sichergestellt wurden", sagt Matthew Savage, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von Dorilton Capital und Williams Grand Prix Engineering. "Claires Errungenschaften, das Erbe von Williams Racing seit ihrer Übernahme 2013 in einem schwierigen Umfeld zu erhalten, waren außergewöhnlich."

Wer den Teamchef-Posten übernimmt, das will das Team vor dem Mugello-Wochenende kommunizieren. Vorläufig wurde nur die neue Zusammensetzung des Aufsichtsrates bekannt gegeben. Savage nimmt dort einen Platz ein - neben ihm der Dorilton-Mitbegründer und CEO Darren Fultz. Beide haben langjährige Erfahrung im Finanzsektor, unter anderem bei Rothschild. Fultz sitzt bei allen Unternehmen, mit denen Dorilton arbeitet, im Aufsichtsrat.

Als dritte Personalie wurde James Matthews bestätigt. Matthews, der CEO der Investement-Beraterfirma Eden Rock Group, ist als Ehemann von Pippa Middleton Schwager von Prinz William von Cambridge, dem Enkel der britischen Königin Elizabeth II. Wichtiger aber - Matthews ist ehemaliger Rennfahrer und gewann 1994 in der britischen Formel Renault die Meisterschaft mit Manor Racing.

Claire Williams ist davon überzeugt, dass die neuen Eigentümer die richtige Entscheidung treffen werden, um den Rennstall in eine erfolgreiche Zukunft zu führen: "Das ist vielleicht das Ende von Williams als Familien-Team, aber es ist der Beginn einer neuen Ära für Williams Racing und wir wünschen ihnen in der Zukunft viel Erfolg."


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