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Formel 1

Formel 1, Vettel mit neuem Chassis: Keine Wunder erwarten

Sebastian Vettel hatte nach Silverstone gleich mehrere Dinge mit Ferrari zu klären: Bringt ein neues Chassis die Wende? Was passiert mit der Strategie?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Silverstone war für Sebastian Vettel keine Reise wert. Ein mageres WM-Pünktchen nahm der vierfache Formel-1-Weltmeister aus zwei Rennen mit. Für ihn setzte sich damit eine ohnehin schon schwierige Saison fort.

Die schwierigste seiner bisherigen Karriere? "Ich hatte bislang nur vier Rennen", spielt Vettel auf das frühe Aus beim Steiermark GP an. Barcelona ist eigentlich Rennen sechs der Saison. "Ich mag es nicht, Saisons oder Rennen zu bewerten. Ich mag es nicht zu sagen, dass dies mein bestes und jenes mein schlechtestes Rennen war."

"Das letzte Rennen war jedenfalls nicht mein bestes", scherzt Vettel. In Silverstone war der Deutsche ob seiner Performance völlig ratlos. Vor allem der große Unterschied zu Teamkollege Charles Leclerc warf Fragen auf.

An eine Ungleichbehandlung glaubt Vettel aber nicht: "Im Moment würde ich das nicht meinen. Wenn es so wäre, würde ich das sagen." Aber: Woran lag es dann? "Ich hatte Probleme, weil ich kein Vertrauen hatte. Wenn man kein Vertrauen hat, kommt das nicht von ungefähr. Man fühlt sich unwohl, weil man keinen Grip hat", erklärt Vettel. "Wir untersuchen noch immer, woher genau das kommt."

Was bringt Vettel der Chassis-Tausch?

Als eine mögliche Fehlerquelle wird das Monocoque angesehen. Tatsächlich fand Ferrari am Chassis von Vettel einen kleinen Bruch. Der soll angeblich beim Überfahren der Kerbs entstanden sein. Die Ingenieure entschieden sich daher, Vettels Auto in Barcelona auf dem Ersatz-Chassis aufzubauen.

Vettel altes Chassis wird derzeit in Maranello repariert und wird anschließend als Ersatz dienen. Aber ist das Chassis des Rätsels Lösung? Beeinträchtige der Schaden Vettel möglicherweise schon länger?

"Wie groß der Schaden letztlich war und welche Konsequenzen er hatte, wird sich zeigen", so Vettel. "Ich erwarte aber keine Wunder." Aber gibt es zumindest Antworten? Vettel gibt sich kryptisch: "In unserem Umfeld misst du eine Menge Dinge, packst viele Sensoren drauf und kriegst eine Menge Antworten. Aber manchmal kriegt du nicht die Antworten, die du willst und manchmal kriegst du überhaupt keine Antworten."

Ferrari & Vettel: Strategie-Streit aussortiert

Die Performance war aber nicht Vettels einziges Problem am vergangenen Wochenende. Auch die Strategie warf für den Ferrari-Star Fragezeichen auf. Am Funk beschwerte er sich lautstark über das falsche Timing seines ersten Boxenstopps.

"Wir haben darüber gesprochen und es aussortiert", verrät Vettel. Aber bedeutet das, dass es in Zukunft eine klare Teamstrategie geben wird? "Dafür müssen wir erst einmal wieder auf unterschiedlichen Strategien sein, uns treffen und nicht gegeneinander fahren. Deshalb ist es schwierig, jetzt eine Antwort zu geben. Wir hatten nicht die Absicht, ein Auto vor Charles zu parken. Aber wir haben darüber gesprochen - genau über das."

Der offene Diskurs in Silverstone verdeutlichte aber, dass der Ton bei Ferrari rauer wurde. Vettel hätte sich zuvor niemals dazu hinreißen lassen, das Team öffentlich so zu kritisieren. Der 33-Jährige widerspricht: "Wenn Dinge schiefgehen, geht es nie ruhig zu. Emotionen während oder direkt nach dem Rennen zu beurteilen ist aber nie ein gutes Spiegelbild der Dinge."

An eine von vielen Seiten kolportierte Trennung noch vor Saisonende will Vettel jedenfalls nicht glauben: "Darüber haben wir noch nicht einmal gesprochen, geschweige denn nachgedacht. Aber das ist nicht nur eine Frage für mich selbst."


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