Motorsport-Magzain.com Plus
Formel 1

Formel 1, Perez erklärt Corona-Infektion: Nicht meine Schuld

Sergio Perez ist nach seiner Corona-Infektion zurück. Der Racing-Point-Pilot über Quarantäne, Mitfiebern mit Hülkenberg und Vettel im Ferrari seines Chefs.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sergio Perez ist zurück in der Formel 1. Nach zwei Wochen Zwangspause aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus ist der Mexikaner beim Grand Prix von Spanien in Barcelona wieder mit von der Partie. Der Weg zum negativen Corona-Text war zäh, die Quarantäne langweilig und trotzdem ereignisreich. Der Racing-Point-Pilot beteuert, das Virus nicht durch Nachlässigkeit gefangen zu haben. In der Isolation drückte er Ersatzmann Nico Hülkenberg die Daumen und natürlich entging ihm nicht, wie Sebastian Vettel in den Ferrari seines Teamchefs stieg.

"Ich freue mich sehr, das Virus endlich los zu sein und wieder bei meinem Team zu sein. Es waren einige harte Tage aber ich bin sehr glücklich, zurück zu sein und das zu machen, was ich liebe", so Perez im Vorlauf des sechsten Saisonrennens auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Ziemlich genau zwei Wochen ist es her, als ihn zwei positive Corona-Tests vor dem Wochenende des Großbritannien GP aus dem Verkehr zogen.

Nach dem Rennen in Ungarn war er nach Mexiko geflogen, um seiner erkrankten Mutter beizustehen, was Perez wenige Tage nach dem positiven Testergebnis in einem Video in den sozialen Medien erklärte. Gerüchten zufolge soll er bei diesem Heimataufenthalt auch mit seinen Sponsoren in Kontakt gewesen sein. Letzteres bestreitet er vehement.

"Das ist eine absolute Lüge. Ich habe in der Quarantäne all das gesehen, was manche Menschen behauptet haben. Dass ich mit irgendwelchen Leuten Selfies gemacht und mir die Geschichte über meine Mutter nur ausgedacht hätte. So ein Bullshit, und so respektlos!", schimpft der 30-Jährige.

Er beteuert, sich bei seiner Reise keinerlei unnötigen Risiken ausgesetzt zu haben: "Ich war für zwei Tage in Mexiko, um meine Mutter zu sehen, und das mit allen Sicherheitsvorkehrungen. Ich habe mich um alles gekümmert und an alle Vorschriften gehalten."

Perez weist Schuld von sich, kaum Corona-Symptome

Dass es ihn auf der Reise nach Südamerika erwischte, sei keinesfalls auf Nachlässigkeit im Umgang mit dem Coronavirus zurückzuführen. "Ich habe nichts anders gemacht als der Rest des Fahrerlagers. Ich war nur derjenige, der das Pech hatte es zu bekommen. Ich nehme dafür keine Schuld auf mich. Jeder kann es bekommen und ich war der Pechvogel", stellt Perez klar.

Das Krankheitsbild fiel bei ihm äußert milde aus. Wäre der Test nicht gewesen, hätte ihn seine körperliche Verfassung wohl kaum an einem Start gehindert. "Ich hatte sehr viel Glück, keine schlimmen Symptome zu haben, außer ein bisschen Kopfschmerzen. Ich habe mich ein oder zwei Tage sehr schlapp gefühlt, aber das geht dir auch so, wenn du die ganze Zeit alleine bist. Ich durfte ja nicht aus meinem Zimmer raus", erklärt er.

Seine zehntägige Quarantäne verbrachte er in einem Apartment in Milton Keynes, in unmittelbarer Nähe zum Silverstone Circuit. In Hoffnung auf einen Start beim zweiten Rennen auf dem britischen Traditionskurs, verbrachte Perez viel Zeit mit Fitnesstraining. Nachdem auch der Test vor dem Jubiläums GP positiv ausfiel, konnte er wenigstens mit Ex-Teamkollege Hülkenberg mitfiebern.

Mitfiebern mit Hülkenberg und Langeweile vor dem TV

"Ich habe im Verlauf des Wochenendes regelmäßig mit ihm gesprochen. Er hat sich sehr gefreut und ich habe gehofft, dass er das Podium holt - sein erstes Podium", so Perez, dem offenbar nur sein einstiger Force-India-Weggefährte einen Grund gab, vor dem Fernseher zu sitzen.

"Ehrlich gesagt fand ich es ganz schön langweilig, die Rennen zu schauen statt dabei zu sein. Besonders das erste Rennen war bis zu den letzten zwei Runden total langweilig. Im zweiten wurde es etwas besser, mit den vielen Reifenwechseln. Das war bessere Unterhaltung", lautet sein Urteil.

Perez lacht über Vettel im Ferrari seines Teamchefs

Etwas spannender könnte für ihn das Geschehen neben der Rennstrecke gewesen sein. Im Rahmen des Großbritannien GP wurde Sebastian Vettel dabei gesichtet, wie er mit Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer in dessen Ferrari 488 Pista das Gelände der Rennstrecke verließ. "Ich glaube, Otmar ist einfach ein sehr stolzer Ferrari-Besitzer", schmunzelt Perez.

Angst um sein Cockpit machen ihm weder dieser Ausflug noch die persönliche Begrüßung zwischen Vettel und Racing-Point-Besitzer Lawrence Stroll. "Ich mache mir daraus gar nichts", sagt er. An seiner Situation habe sich trotz der verpassten Möglichkeit, bei den letzten zwei Rennen Werbung für sich zu machen, nichts geändert.

"Ich kann nicht viel tun. Seitens des Teams ist klar, dass wir weitermachen wollen. Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Gerüchte auflösen", so Perez, der vergangenen Sommer bis einschließlich 2022 bei Racing Point unterzeichnete und demzufolge auch nicht nach Alternativen schaut: "Nein, da mein Platz im Team mir sicher erscheint und ich dieses Gefühl habe."

Perez trotz Trainingsrückstand optimistisch für Barcelona

Nach der kurzen Auszeit will er am kommenden Wochenende wieder mit der von ihm gewohnten Leistung seinem Anspruch auf das Cockpit bei Racing Point Nachdruck verleihen. "Ich habe zwei Rennen verpasst und die Autos zu fahren ist normalerweise das beste Training. Ich bin also vielleicht nicht in Bestform", lautet seine Einschätzung der körperlichen Verfassung. Ausbremsen lassen will er sich davon aber nicht: "Wir sollten ziemlich konkurrenzfähig sein."

Das Corona-Schreckgespenst spielt an diesem Wochenende jedenfalls keine Rolle mehr. Perez hält sich wie gehabt in seinem Motorhome im Paddock auf. Zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen gibt es nicht: "Wir waren vorher schon sehr vorsichtig und haben alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ob du positiv oder negativ bist ändert daran nichts, die Abläufe sind dieselben. Wir müssen nichts anders machen, als wir es schon die ganze Zeit machen."


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magzain.com Plus