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Formel 1

Formel 1, Leclerc feiert sich: Größte Schwäche nun Stärke

Charles Leclerc feiert Platz vier in Silverstone wie einen Sieg. Zeitweise konnte er sogar mit den Mercedes mithalten. Wie das Strategie-Wunder gelang.
von Christian Menath

Charles Leclerc jubelte nach dem fünften Rennen der Formel-1-Saison 2020 in Silverstone, als hätte er den Jubiläums GP gewonnen. Dabei überquerte der Ferrari-Pilot die Ziellinie 'nur' als Vierter. Noch vor einer Woche holte Leclerc am selben Ort Platz drei und stand auf dem Podium. Wieso plötzlich diese Freude?

"Es fühlt sich wie ein Sieg an", sagte er auch Stunden nach der Zielüberfahrt noch und fügte an: "Es fällt uns schwer, das zu sagen, wenn wir Vierter werden. Aber wenn man mir heute Morgen gesagt hätte, dass ich das Rennen auf meiner achten Startposition beende, hätte ich sofort unterschrieben."

Im Gegensatz zum Großbritannien GP vor einer Woche wurde Leclerc nicht mit Glück nach vorne gespült und musste sich nicht gegen Renault nach hinten verteidigen, sondern fand sich zwischenzeitlich sogar im Kampf mit Mercedes wieder. Aus eigener Kraft.

Einstopp-Rennen Schlüssel zum Erfolg für Ferrari

Als einziger der Spitzenpiloten schaffte es Leclerc, mit einem Stopp durchzukommen. Dabei fuhr der zweifache GP-Sieger sogar auf den abgefahrenen Hard-Reifen auf Mercedes-Niveau, konnte zwischenzeitlich an einer Sensation schnuppern.

"Als Bottas und Verstappen direkt vor mir aus der Box kamen, hat mich das motiviert. Ich konnte sehen, dass ich mit den harten Reifen nahe an der Pace von Bottas war", schildert Leclerc. "Ich habe hart gepusht und dachte, dass sich an einem Punkt vielleicht eine Möglichkeit auftut."

"Das ist nicht passiert und irgendwann hatte ich Vibrationen. Dann habe ich viel Tempo rausgenommen, um das Auto sicher nach Hause zu bringen", erklärt der Ferrari-Pilot. So hatte er am Ende zwar eine halbe Minute Rückstand auf Rennsieger Max Verstappen, aber nur zehn Sekunden Rückstand auf Bottas im Mercedes.

Schlüssel zum Erfolg war Leclercs zweiter Stint auf den harten Reifen. Der Monegasse holte sich die weiß markierten Pirelli-Pneus schon in Runde 18 ab. Zum Vergleich: Vor einer Woche gab es drei Reifenschäden in den Schlussrunden, als die Piloten versuchten, nach Boxenstopps in Runde 13 das Rennen zu Ende zu fahren. Dabei waren die Reifen vor einer Woche eine Stufe härter und eine Safety-Car-Phase bis Runde 18 schonte die Pneus noch ein wenig.

Leclerc überzeugt Ferrari: Reifen halten

"Das Team hatte nach dem, was letzte Woche mit den Reifen passiert ist Bedenken", verrät Leclerc. "Aber manchmal fühlst du als Fahrer etwas im Auto, das du in den Daten nicht sehen kannst. Deshalb habe ich mich für eine Einstopp-Strategie stark gemacht, weil ich daran glaubte, dass es klappt. Ich bin froh, dass wir es probiert haben und es funktioniert hat."

Leclerc, bekannt dafür, besonders hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen, klopft sich ausnahmsweise selbst auf die Schulter: "Letztes Jahr war das Reifenmanagement meine größte Schwäche. Ich habe sehr hart daran gearbeitet und dieses Ergebnis auf der Strecke zu sehen, ist eine große Befriedigung für mich."

"Wir müssen verstehen, wo wir die Pace gefunden haben", fordert der 22-Jährige. "Ich war ziemlich beeindruckt und es war eine positive Überraschung. In harten Zeiten wie diesen müssen wir jede Möglichkeit nutzen."

Ganz so schlimm wie zu Saisonbeginn steht es um die Scuderia aber nicht mehr : Leclerc belegt weiterhin Rang vier in der Fahrerweltmeisterschaft, Ferrari konnte in Silverstone in der Konstrukteurswertung an McLaren vorbeiziehen und liegt nun immerhin auf Rang drei.


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