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Formel-1-Rückkehr mit Fans? Nürburgring arbeitet an Konzept

Die Formel 1 fährt 2020 doch in Deutschland - auf dem Nürburgring statt in Hockenheim. Weil dort Fans möglich sind? Ring-Chef Mirco Markfort relativiert.
von Jonas Fehling & Christian Menath
Interview: Formel 1 zurück auf dem Nürburgring! Mit Fans!?: (18:57 Min.)

Das sensationelle Comeback ist perfekt. Am Freitag bestätigte die Formel 1, was Motorsport-Magazin.com bereits am Mittwochabend angekündigt hatte: die Rückkehr auf den Nürburgring nach sieben Jahren. Damit findet eine andere deutsche Strecke ihren Weg in den F1-Kalender 2020 als lange Zeit alle erwartet hatten. Am 11. Oktober dröhnen die Motoren in der Eifel, nicht im Motodrom des Hockenheimrings.

Wie kam es zu dieser Entscheidung? Zunächst hörte man mancherorts, das liege an lascheren Corona-Verordnungen des Landes Rheinland-Pfalz (Nürburg) gegenüber Baden-Württemberg (Hockenheim). Weil Liberty Media gerne zumindest einige Zuschauer auf den Tribünen sehen würde, soll das den Ausschlag zugunsten des Nürburgrings gegeben haben. Tatsächlich sind allerdings in beiden Bundesländern Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten.

Nürburgring plant ohne Zuschauer - erst einmal

Das bestätigte am Freitag auch Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort bei Motorsport-Magazin.com „Wir planen erst einmal ohne Zuschauer. Es wäre verwegen, in diesen Zeiten mit Zuschauern zu planen. Die Genehmigungen geben es momentan erst einmal nicht her“, sagte Markfort im exklusiven MSM-Interview per Video-Schalte.

‚Erst einmal’ deutet allerdings bereits an: Versuchen will der Nürburgring durchaus, bei der Formel 1 Fans an die Strecke zu bekommen. „Unser Ziel ist natürlich, irgendwann die Zuschauer zurück an die Strecke zu bringen. Nicht nur bei der Formel 1, die Anfang Oktober kommt, sondern auch bei allen anderen Rennen, die wir im Vorfeld haben. Im September beispielsweise zweimal DTM oder das 24-Stunden-Rennen“, sagte Markfort.

Fan-Konzept in Arbeit, Gespräch mit Behörden

Deshalb arbeitet der Nürburgring derzeit an einem Tribünenkonzept. „Ähnlich wie der Fußball es mit seinem großen Konzept gemacht hat, das jetzt eingereicht wurde. Genau so ein Konzept bearbeiten wir gerade und werden dann zu gegebener Zeit auf die Behörden zugehen und das diskutieren“, so Markfort. Vorteil gegenüber dem Fußball: Die um die Strecke verteilten Tribünen sind weniger beengt als ein Stadion.

Markfort weiter: „Wir sind dabei, die Konzepte zu finalisieren. Aber keiner von uns kann garantieren, dass Zuschauer kommen werden.“ Grundlegend würden alle Pläne deshalb erst einmal auf einem Rennen ohne Zuschauer basieren. Markfort: „Alles andere würde nicht die Realität widerspiegeln.“

Nürburgring: Fan-Frage nicht Teil des Formel-1-Deals

Damit bezieht sich der Ring-Chef auch auf den Inhalt des Deals mit der Formel 1. Zuschauer seien dort nicht einbezogen worden, entgegnet Markfort der Position, wonach der Nürburgring vor allem deshalb Hockenheim vorgezogen wurde. „In diesen Zeiten kann der grundlegende Deal nur auf einem Rennen ohne Zuschauer basieren. Alles andere wäre betriebswirtschaftlich schwierig. Das wollen wir nicht. Wir wollen am Ende kein Fiasko erleben, sodass der Deal immer ohne Zuschauer ist“, sagte Markfort.

Sollten Zuschauer doch möglich sein, wäre das ein willkommenes Zubrot, so der Geschäftsführer des Nürburgrings. So seien die Verhandlungen nicht nur mit der Formel 1, sondern auch allen anderen Rennserien abgelaufen. Gleichzeitig betonte Markfort erneut, alles für eine baldige Rückkehr der Fans an die Strecke zu tun: „Wir wollen das im Sinne der Motorsport- und Nürburgring-Fans. Stand jetzt ist es nicht möglich. Aber wir arbeiten daran, dass es vielleicht irgendwann möglich ist.“

Formel-1-Zukunft in Deutschland: Nürburgring bleibt interessiert

Gleiches gilt unterdessen für eine Formel-1-Zukunft auf dem Nürburgring über 2020 hinaus. Eine einmalige Rückkehr soll das F1-Rennen in dieser Saison aus Sicht des Nürburgrings nicht bleiben - wenn denn die Bedingungen stimmen. „Wir waren immer lose in Kontakt mit der Formel 1“, erinnert Markfort. „In den letzten Wochen haben sich die Gespräche intensiviert und wir sind Gott sei Dank zu einem Deal gekommen, der für beide Seiten fair ist und einfach passt.“

Langfristig wird es bei den gegenwärtig völlig neuen Grundlagen allerdings kaum bleiben. Irgendwann ist die Corona-Krise vorbei, sodass Zuschauereinnahmen zur Refinanzierung von Antrittsgebühren im zweistelligen Millionenbereich wieder relevant werden. Wie sieht es dann aus? Mit Blick auf den Nürburgring sehr ungewiss. Ein Interesse besteht, allerdings - wie in Hockenheim - nur zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen mit vertretbaren Risiken.

Nürburgring & Hockenheim: Mit- statt Gegeneinander

Aus Sicht des Nürburgrings heißt das: eine Rückkehr des Wechselspiels mit dem Hockenheimring wie zwischen 2008 und 2014 wäre das Wunschszenario. „Das beste Modell für uns wäre, wenn wir wieder auf solch eine alternierende Lösung zurückkommen könnten“, sagte Markfort. „Ich glaube, das würde beiden helfen.“ Einen Wettkampf um den Deutschland GP mit Hockenheim will Markfort unbedingt vermeiden. Den habe es auch für das Rennen 2020 nicht gegeben. Markfort: „Und ich glaube auch nicht, dass das die Zukunft für den Motorsport in Deutschland sein kann.“

Das alles stehe allerdings noch vollständig in den Sternen. „Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf dieses Jahr und alles, was danach kommt, werden wir dann sowieso sehen.“ Wichtig sei zunächst, das der Standort Deutschland nun weiter Flagge zeige. „Ob jetzt bei den Kollegen in Hockenheim oder bei uns – es ist erst einmal gut, dass Deutschland nicht ganz von der Landkarte verschwunden ist, was vor der Saison noch der Fall war“, sagte Markfort. „Es ist gut, dass beide in Kontakt waren. Es ist immer besser, wenn in Deutschland etwas stattfindet, als wenn zu lange nichts stattfindet. Die Hoffnung, dass auch zukünftig ein Deutschland GP stattfinden kann, sollte man nie aufgeben!“


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