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Formel 1: Racing Points Mercedes-Clone nimmt Ferrari ins Visier

Racing Point versetzt das Formel-1-Mittelfeld im Österreich-Training in Angst und Schrecken. Der pinke Mercedes glänzt mit Ansage. Top-Teams eingeholt.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Racing Point machte am Freitag in Österreich die schlimmsten Befürchtungen des Formel-1-Mittelfeldes rund um McLaren und Renault wahr. Im zweiten Training platzierte Sergio Perez den von der Konkurrenz als pinken Mercedes gefürchteten RP20 als Dritter hinter den beiden Autos des Weltmeisterteams. Der Routinier und Teamkollege Lance Stroll haben den Big Point fest im Visier. Das Team fühlt sich auf seinem neuen Weg bestätigt.

"Um die Frage gleich zu beantworten: "Das ist, was wir erwarten hatten", so Teamchef Otmar Szafnauer voller Zufriedenheit. Die Anleihen des Mercedes F1 W10 zielten auf genau das ab, was sich an diesem ersten Trainingstag der Saison 2020 auf dem Zeitenmonitor zeigte. "Es sollte keine Überraschung sein, dass das Auto schnell ist", sagt er.

Perez büßte am Nachmittag auf dem Red Bull Ring über eine halbe Sekunde auf Hamiltons Bestzeit ein. Stroll landete selbst mit Verkehr durch Valtteri Bottas auf seiner schnellsten Runde noch auf der siebten Position. Im Sandwich zwischen den beiden Racing-Point-Teamkollegen fanden sich Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Lando Norris wieder.

Für Szafnauer ist damit klar, wer 2020 zu den direkten Gegnern seiner Mannschaft zählt. "Wahrscheinlich McLaren und Renault", sagt der US-Amerikaner und ergänzt mutig: "Ferrari vielleicht auch." Für den einen oder anderen kommt diese Aussage nach den Wintertests wenig überraschend.

Sergio Perez mit Racing Point in der Glückseligkeit

"Es sollte keine Überraschung sein, dass das Auto schnell ist", sagt Szafnauer, dessen Team für 2020 aus dem Vollen schöpfte und das Auto von Grund auf neu konstruierte. Teambesitzer Lawrence Stroll und seine Millionen machten es möglich, das bisherige Konzept einzumotten und sich am Mercedes zu orientieren.

"Wir nutzen den Windkanal von Mercedes, der wahrscheinlich der beste im ganzen Business ist. Die Korrelation ist ausgezeichnet und die Effizienz des Windkanals ist sehr hoch. Wir haben die Chance dieses Jahr ergriffen, weil wir finanziell besser dastehen. Also haben wir uns vom hohen Anstellwinkel, der von Red Bull inspiriert war, verabschiedet."

Für die Piloten ist der RP20 eine wahre Offenbarung. "Es ist ein großartiges Auto", so Perez. "Das Team hat in der Fabrik einen unglaublichen Job gemacht. Wir sitzen jetzt in einem Auto, das ausgezeichnet funktioniert." Schon nach den Testfahrten bezeichnete er den Boliden als den besten seiner Formel-1-Karriere: "Wir haben den Rückstand zu den Top-Teams auf jeden Fall aufgeholt."

Vor allem für ihn ist dieser Schritt eine große Genugtuung. Schließlich war er es, der im Sommer 2018 das Insolvenzverfahren von Force India in Gang brachte und den Rennstall damit vor der Pleite bewahrte. "Das letzte Jahr begann wirklich schwierig und jetzt sind wir hier und bereit zu kämpfen. Ich bin wirklich stolz, hier zu sein", so Perez.

Racing Point macht auf Mercedes: Ist nur Freitag

Die Momentaufnahme als zweite Kraft gilt es für ihn und sein zu konservieren. Illusionen macht sich der erfahrene Mexikaner keine. "Uns fehlt noch eine gute halbe Sekunde nach vorne und Ferrari, Red Bull, Renault und McLaren sind mit uns alle innerhalb von einer Zehntel. Die Abstände sind extrem eng", sagt er. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns um sicherzustellen, dass wir für Samstag und Sonntag bereit sind."

Für Szafnauer Grund genug, sich ganz wie Partner Mercedes in Understatement zu üben. "Es ist nur der Freitag des ersten Rennens. Wir müssen erst das Qualifying abwarten und herausfinden, wie viel Benzin die anderen heute an Bord hatten und wie viel Leistung sie gefahren sind", sagt er und wiederholt damit die Worte Lewis Hamiltons nach diesem Trainingstag.


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