Formel 1

Nach Rassismus-Eklat: Formel 1 distanziert sich von Ecclestone

Formel-1-Promoter Liberty Media verurteilt Bernie Ecclestone. Kontroverses Rassismus-Statement des Ex-F1-Bosses habe keinen Platz in der Gesellschaft.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Wirbel um den ehemaligen Formel-1-Boss Bernie Eccelstone. In einem Interview mit dem US-amerikanischen TV-Sender CNN Sports äußerte sich der 89-Jährige kontrovers zur derzeitigen Rassismusdebatte und der Rolle von Weltmeister Lewis Hamilton im politischen Geschehen. Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media distanzierte sich daraufhin entschieden vom Standpunkt Eccelstones.

"In einer Zeit in der Einigkeit notwendig ist, um Rassismus und Ungleichheit zu beseitigen, widersprechen wir voll und ganz den Aussagen Bernie Ecclestones, für die es weder in der Formel 1 noch in der Gesellschaft einen Platz gibt", heißt es in der Presseaussendung von Liberty Media. Die US-Amerikaner weisen außerdem darauf hin, dass Ecclestone den ihm beim Verkauf der Formel 1 zugetragenen Ehrenposten als Vorstandsmitglied schon seit längerer Zeit nicht mehr bezieht.

"Herr Ecclestone hat in der Formel 1 keine Rolle mehr gespielt, seit er das Unternehmen 2017 verlassen hat. Sein Titel als Vorstandsmitglied im Ehrenamt verlor im Januar 2020 seine Gültigkeit", heißt es weiter. Die Aussagen Ecclestones hatten am Freitag in den Boulevardmedien für jede Menge Aufsehen gesorgt, sodass sich Liberty Media offenbar gezwungen sah Stellung dagegen zu beziehen, nachdem man selbst erst diese Woche eine weitere Initiative gegen Rassismus ins Leben rief.

Diese Art von Aktivismus empfindet Ecclestone für den Sport allerdings als überflüssig. "Ich denke nicht, dass es für die Formel 1 etwas besser oder schlechter machen wird", sagte er. "Es wird die Menschen nur zum Nachdenken bringen, was wichtiger ist. Ich denke, das ist für alle gleich. Die Menschen sollten mal nachdenken und denken: 'Na ja, was soll's. Jemand anderes ist halt nicht wie ein weißer Mensch.' Und schwarze Menschen sollten dasselbe über weiße Menschen denken."

Für den großen Aufruhr um das Interview sorgte die darauffolgende vermeintliche Beobachtung Ecclestones: "In vielen Fällen sind schwarze Menschen sogar rassistischer als weiße Menschen es sind", so die Ansicht des pensionierten Formel-1-Zampanos, der für die Bekämpfung des Rassismus ein generelles Umdenken in der Erziehung junger Menschen fordert.

Gleichberechtigung müsse eine Selbstverständlichkeit werden: "Es muss ihnen in der Schule vermittelt werden. Sie müssen aufwachsen ohne überhaupt darüber nachdenken zu müssen." Vandalismus sei nicht der richtige Weg: "Ich denke, es ist einfach nur dumm diese Statuen zu stürzen. Die Schule soll mit den Kindern dort hingehen und ihnen sagen, weshalb sie dort sind und was diese Menschen getan haben und wie falsch die Dinge waren, die sie getan haben."

Mit dieser Aussage nahm er indirekten Bezug auf Lewis Hamiltons Aufruf in den sozialen Medien, Denkmäler von Persönlichkeiten zu zerstören, welche sich in der Geschichte des Rassismus schuldig gemacht hatten. Dass der sechsfache Weltmeister sich dieses Thema so zu Herzen nimmt, überraschte Ecclestone - obwohl er den Zwischenfall beim Spanien GP 2008, als Hamilton aufgrund seiner Hauptfarbe von Fans diskriminiert wurde, nicht vergessen hat.

"Ich bin wirklich unglücklich darüber, wenn ihn das so mitgenommen hat. Ich habe nie gedacht, dass das der Fall war. Ich dachte, er hätte darüber gestanden. Ich weiß auch nicht warum diese Menschen das überhaupt gemacht haben. Wollten sie ihn persönlich angehen oder was haben die sich dabei gedacht?", sagte er.

Dafür, dass eine Initiative gegen Rassismus zu dieser Zeit nicht in Erwägung gezogen wurde und erst jetzt im Zuge der weltweiten Bewegung realisiert wird, hat er eine Erklärung: "Ich denke nicht, dass sich davor irgendjemand daran gestört hat. Ich glaube, dass es ein wichtiges Thema ist. Aber das existiert schon so lange und niemand hat sich dessen angenommen. Warum hat nicht schon vor zwei oder drei Jahren jemand etwas unternommen? Sie sind einfach zu sehr damit beschäftigt Rennen zu gewinnen und Sponsoren zu finden."


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