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Formel 1 heute vor drei Jahren: Baku versinkt im F1-Chaos

Heute vor drei Jahren in der Formel 1: Vettel foult Hamilton und Stroll fährt in Baku das Rennen seines Lebens. MSM blickt zurück auf den 25. Juni.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 startet wegen der Coronavirus-Pandemie erst im Juli. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - 'On this day'. Heute: 25. Juni. Sebastian Vettel foult Lewis Hamilton und Lance Stroll fährt das Rennen seines Lebens.

Formel 1 heute vor drei Jahren: Well done, Baku!

Der erste Auftritt der Formel 1 in Baku sorgte 2016 für gähnende Langeweile. Auf den einschläfernden Einstand des Stadtkurses in der Hauptstadt Aserbaidschans folgte zwölf Monate später allerdings ein absoluter Kracher. Das Rennen 2017 bot einfach alles. Von packendem Racing über hitzige Kontroversen, unfreiwillige Komik und sportliche Sensationen war beim ersten Grand Prix von Aserbaidschan alles dabei.

Gleich nach dem Start krachte es zwischen den Toro-Rosso-Teamkollegen Daniil Kvyat und Carlos Sainz, in Kurve drei gerieten Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen aneinander. Pole-Sitter Lewis Hamilton behauptete im frühen Chaos seine Führung vor Sebastian Vettel. Eine Konstellation, die später noch für Aufsehen sorgen sollte. Bottas fiel durch einen Reparaturstopp eine Runde zurück und auch Daniel Ricciardo verlor durch einen unplanmäßigen Service wenig später den Anschluss ans Feld.

In Runde zwölf rief die Rennleitung das erste mal das Safety Car auf den Plan, um den gestrandeten Boliden von Kvyat zu bergen. Dies gab Bottas die Chance sich zu entrunden. Nur fünf Umläufe später wurde abermals neutralisiert, nachdem Räikkönens Ferrari begonnen hatte sich in seine Einzelteile aufzulösen. Hamilton monierte in beiden Gelbphasen mehrmals die langsame Pace des Safety Cars.

Die 2017er Ausgabe des Formel-1-Rennens in Baku ging von der ersten Runde an in die Vollen - Foto: Sutton

Kurz vor dem zweiten Restart kam es dann zum Knall zwischen dem Mercedes-Pilot und Vettel. Hamilton gab das Tempo vor, ließ am Ausgang von Turn 15 den Silberpfeil rollen, während sein Verfolger offenbar erwartete, dass der Konkurrent nun das Tempo anzieht. Vettel fuhr Hamilton leicht ins Heck und verlor daraufhin die Fassung. Nachdem er zunächst auf gleiche Höhe neben den Mercedes gefahren war und seinen Unmut mit wilden Gestiken zum Ausdruck gebracht hatte, zog er nach rechts und fuhr Hamilton ins Auto.

Er war sich sicher: Hamilton hatte ihn eines Bremstests unterzogen und so den Auffahrunfall provoziert. Was im Nachhinein eine große Kontroverse auslöste, wurde von den Stewards in diesem Moment mit einer milden 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe geahndet. Bis diese ausgesprochen wurde, vergingen allerdings noch einige Runden. Bei Wiederaufnahme des Grand Prix in Runde 20 drückte zunächst Esteban Ocon seinen Force-India-Teamkollegen Sergio Perez in Turn zwei in die Wand.

Für den Mexikaner war danach Feierabend, ebenso für Räikkönen der durch die Wrackteile dieser Kollision einen Plattfuß erlitt, der Unterboden und Heckflügel seines Ferraris schwer beschädigte. Diesmal reichte das Safety Car nicht, um die Aufräumarbeiten zu erledigen. Das Rennen wurde in Runde 22 mit der roten Flagge unterbrochen.

Sebastian Vettel sorgte mit seinem Rammstoß gegen Lewis Hamilton für eine Kontroverse - Foto: LAT Images

Die über 20-minütige Pause sorgte für das nächste Highlight des Sonntags. Ferrari hatte die Zeit genutzt, um Räikkönens Auto wieder einsatzbereit zu machen. Unmittelbar vor dem Restart brach Hektik bei den Italienern aus. Der Bolide wurde samt Fahrer im Cockpit hastig auf den Skates an die Boxenausfahrt geschoben. Nur blöd, dass kein Lenkrad aufgesteckt war und Räikkönen nicht einmal Handschuhe trug. Die logische Konsequenz war ein im Boxenfunk um sich plärrender Iceman, der nach 'steering wheel' und 'gloves' schrie.

Nach dem Restart führte Hamilton weiter vor Vettel, gefolgt vom Williams-Duo Felipe Massa und Lance Stroll sowie Daniel Ricciardo, der durch das Chaos wieder nach vorne gerutscht war. Der Honey Badger machte mit den Williams-Piloten kurzen Prozess und kassierte in Kurve eins gleich beide mit einem seiner gewohnt konsequenten Moves.

Das Feld lichtete sich in den darauffolgenden Runden weiter. Massa fiel mit Defekt aus, Nico Hülkenberg stopfte seinen Renault in die Wand. In Runde 29 war plötzlich Hamilton in Schwierigkeiten. Die Kopfstütze war in der Pause offenbar nicht richtig fixiert worden und hatte sich gelöst. Der Brite versuchte das Problem selbst zu lösen, wurde von der Rennleitung aber als Sicherheitsrisiko eingestuft und musste zwei Runden später an die Box.

Erst jetzt sprachen die Offiziellen die Strafe gegen Vettel für sein Manöver gegen Hamilton aus, die er in Runde 33 absaß. Bei noch 18 zu fahrenden Runden führte nun Ricciardo vor einem sensationellen Lance Stroll und dem ebenfalls wiederauferstandenen Bottas. Vettel und Hamilton folgten dahinter.

Ricciardo fuhr das Rennen sicher nach Hause und holte damit Red Bulls ersten Saisonsieg. In einem Herzschlag-Finish ging Bottas auf der Linie an Stroll vorbei und entriss dem Rookie Platz zwei. Lediglich 0,105 Sekunden trennten den Kanadier vom Mercedes-Pilot. Inmitten des Skandals um Vettel und Hamilton schrieb er mit Platz drei trotzdem die sportliche Story des Tages. Der Ruhm brachte aber auch seine Schattenseiten mit sich: auf dem Podium musste Stroll aus Ricciardos Schuh trinken.

Lance Stroll machte sich 2017 in Baku zum jüngsten Rookie auf einem Formel-1-Podest - Foto: Sutton

Was sonst noch geschah:

Vor 14 Jahren: Fernando Alonso feiert beim neunten Rennen des Jahres 2006 in Kanada seinen sechsten Saisonsieg. Von der Pole Position aus gestartet hatte der Renault-Pilot die Führung trotz mehrerer Safety-Car-Phasen stets fest im Griff. Michael Schumacher und Kimi Räikkönen mussten sich mit den Plätzen zwei und drei begnügen. In der Weltmeisterschaft baute Alonso seinen Vorsprung auf Schumacher mit diesem Ergebnis auf damals stattliche 25 Punkte aus.

Vor 56 Jahren: Johnny Herbert erblickt im britischen Romford das Licht der Welt. Der britische Publikumsliebling legte mit 165 Grands Prix zwischen 1989 und 2000 eine stattliche Karriere in der Formel 1 hin, die er mit drei Siegen für Benetton und Stewart abrundete. Lustige Anekdoten und spannende Geschichten aus dem bewegten Leben des heutigen TV-Experten findet Ihr übrigens in der umfangreichen Interview-Serie von Motorsport-Magazin.com.


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