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Formel 1 heute vor 19 Jahren: Familien-Affäre in Kanada

Heute vor 19 Jahren in der Formel 1: Michael und Ralf Schumachers erster Doppesieg. MSM blickt in einer neuen Geschichtsserie zurück auf besondere Momente.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 lässt wegen der Coronavirus-Pandemie auf sich warten. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - 'On this day'. Heute: 10. Juli. Der Tag, an dem Michael und Ralf Schumacher Geschichte schrieben.

Formel 1 heute vor 19 Jahren: Brüderliche Zweisamkeit in Kanada

In der 70-jährigen Geschichte der Formel 1 gab es schon viele Brüderpaare - doch die meisten waren, wenn überhaupt, nur einseitig erfolgreich. Wer erinnert sich schon an Jimmy Stewart, Bruder des dreifachen Champions Jackie? Oder an Jacques Villeneuve Senior, Bruder des legendären Gilles?

1997 bekam dann auch Deutschland seine Formel-1-Geschwister: Ralf Schumacher, jüngerer Bruder des da schon zweifachen Weltmeisters Michael, erhielt nach einem Meister-Jahr in der japanischen Formel Nippon einen Platz bei Jordan, und bewies schon früh: Er hatte nicht nur den Namen, sondern auch das Fahrtalent. Ein Podium holte er schon im ersten Jahr, nach zwei Jahren wechselte er zu Williams, und dort wurde er ab 2000 durch deren Partnerschaft mit BMW quasi zum Werksfahrer. 2001 hatte er mit dem BMW-Williams FW23 ein siegfähiges Auto, und gewann in Imola den ersten GP.

Michael und Ralf Schumacher 1997 - Foto: Sutton

Die Messlatte der Saison 2001 war aber der große Bruder Michael, nach dem ersten Titel mit Ferrari nun dreifacher Weltmeister. Würde sich Ralf in einem direkten Bruder-Duell auch durchsetzen können? Die Antwort wartete beim achten Saisonlauf in Kanada.

Schumacher-Duell um den Sieg

Das Qualifying wurde klar von Michael dominiert, er fuhr der Konkurrenz um eine halbe Sekunde davon. Neben ihm in der ersten Reihe aber - Ralf. Am Start konnte er jedoch nichts machen Michael, setzte die Pole perfekt in die Führung um. Dann aber drehte Ralf auf. Michael ließ er nicht entkommen, blieb Runde um Runde bis auf eine Sekunde am Heck des Ferraris dran.

Den Weg vorbei fand er aber nicht, Michael wusste sich zu verteidigen. Bis er in Runde 46 zum Boxenstopp musste. Vom Ferrari befreit drehte Ralf draußen auf der Strecke auf, schraubte in den nächsten fünf Umläufen vier Mal eine neue schnellste Runde, und kam erst dann an die Box. Als er diese verließ, sah er den Ferrari von Michael nur noch im Rückspiegel. Der Sieg war seiner.

Die Schumacher-Brüder im Parc Ferme - Foto: Sutton

Ausgerechnet mit dem Ergebnis Ralf vor Michael schrieben die Schumachers Geschichte, zum ersten Mal gab es einen brüderlichen Doppelsieg. Der geschlagene Michael konnte die Niederlage verkraften: "Wenn schon verlieren, dann gegen Ralf. Mama und Papa werden stolz auf uns sein." Und überhaupt - Ralf beendete die Karriere mit sechs Siegen. Michael mit sieben WM-Titeln, und 91 Siegen.

Formel 1 heute vor 13 Jahren: Kubica-Horror überschattet Hamilton-Sieg

Nur sieben Siege hinter diesem Wert liegt aktuell Lewis Hamilton. Doch heute vor 13 Jahren stand hier noch eine null in der ewigen Bestenliste. Aber am Wochenende des Kanada-GPs von 2007 gedachte Hamilton, das in seinem gerade einmal sechsten Formel-1-Rennen gleich zu ändern.

Schon am Samstag hatte er sich im Qualifying gegen seinen McLaren-Kollegen, den amtierenden Weltmeister Fernando Alonso, durchgesetzt und sich die erste Pole der Karriere gesichert. Die verteidigte er beim Start erfolgreich gegen Alonso, der ausritt und sich das Auto beschädigte. Hamilton begann vorne das Rennen zu kontrollieren. Während sich hinter ihm das große Drama abspielte.

Hamilton hatte auch Glück mit dem Boxenstopp, kam gerade noch vor einer Safety-Car-Phase rein. Das sollte außerdem nicht das letzte Safety Car bleiben. Beim Restart fuhr Robert Kubica auf den Toyota von Jarno Trulli auf und zerlegte seinen BMW an der Betonwand vor der Haarnadel bei einem Horror-Unfall in alle Einzelteile. Zuerst Schock, dann Entwarnung: Kubica hatte sich lediglich am Bein verletzt und eine Gehirnerschütterung zugezogen. Nur den US-GP am nächsten Wochenende musste er aussetzen.

Robert Kubicas Horror-Crash - Foto: Sutton

Hamilton ließ sich von zunehmendem Unfall-Chaos hinter ihm nicht beeindrucken und fuhr den ersten Sieg solide ins Ziel, und lag nun in der WM gar acht Punkte vor Alonso. Nick Heidfeld konnte sich auf dem zweiten Platz behaupten, während Williams-Pilot Alex Wurz von Startplatz 19 losfuhr, einen Heckflügel-Schaden erlitt, und trotzdem dank einer Einstopp-Strategie den dritten Podiumsplatz kassierte. Sein drittes Podium. Und noch einer konnte glänzen: Takuma Sato brachte mit einem Super Aguri den sechsten Platz ins Ziel, die letzten F1-Punkte für das Team.

Lewis Hamilton feiert seinen ersten F1-Sieg - Foto: Sutton

Was sonst noch geschah:

Vor 2 Jahren: Sebastian Vettel feiert in einem ungewöhnlich unspannenden Kanada-GP seinen 50. Formel-1-Sieg, vor Valtteri Bottas im Mercedes und Max Verstappen im Red Bull..
Vor 8 Jahren: In einer Reifen-Schlacht setzt sich Lewis Hamilton für McLaren durch und feiert den nächsten Kanada-Sieg, während Sebastian Vettel und Fernando Alonso sich bei den Reifen verschätzen. Sie versuchten nur einen Stopp, setzten den aber zu früh, und ihre Reifen fielen von der berüchtigten "Klippe". Romain Grosjean und Sergio Perez schleichen auf besser aufgeteilten Einstopp-Strategien aufs Podium. Hamilton ist der siebte Sieger im siebten Rennen - Rekord.
Vor 30 Jahren: Die McLaren-Piloten Ayrton Senna und Gerhard Berger schickten sich 1990 an, in Kanada zu dominieren. Aber Berger erhielt aufgrund eines Frühstarts eine Strafe von einer Minute. Senna überließ ihm gleich die Führung, und Berger versuchte in den nächsten Runden genügend Vorsprung herauszufahren, um dennoch hinter Senna auf P2 gewertet zu werden. Es reichte nicht - mit nur 45 Sekunden Vorsprung überquerte er die Ziellinie, damit wurde er Vierter hinter Senna, Nelson Piquet und Nigel Mansell.
Vor 79 Jahren: David Walker wird geboren. Nach Erfolgen in der britischen Formel 3 erhält er 1972 den zweiten Werks-Lotus. Dort wird seine Karriere vom Teamkollegen Emerson Fittipaldi exekutiert - Fittipaldi gewinnt fünf der zwölf Rennen und wird Weltmeister, Walker holt null Punkte (ein Unikum in der F1-Geschichte) und zwei Top-10-Platzierungen. Man trennt sich im Schlechten. Walker beklagt Bevorzugung von Fittipaldi, die Lotus-Führung beklagt inadäquate Performance. Nach zwei Verkehrsunfällen beendet Walker 1975 die Karriere.
Vor 80 Jahren: Peter Ryan wird geboren. Als erster Kanadier startet er 1961 ein Formel-1-Rennen, wird Neunter in Watkins Glen. 1962 feiert er erste Erfolge in Nachwuchsklassen in Europa, dann verunglückt er bei einem Formel-Junior-Rennen in Reims tödlich.
Vor 85 Jahren: Vic Elford wird geboren. Der Brite gilt als einer der besten Allrounder der 60er. Elford gewinnt 1967 die europäische Rallye-Meisterschaft, ist jahrelang eine Fixgröße im Sportwagen-Sport mit Siegen bei den Klassikern von Daytona, Sebring und bei der Targa Florio, und er fährt 13 F1-Rennen, in denen er acht Punkte holt.


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