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Formel 1

Die seltsamsten Formel-1-Kurven: Von Burgen bis Straßenbahnen

Ohne Baku fehlt an diesem Wochenende auch das bereits berühmte Nadelöhr durch die Altstadt. Nicht die einzigartigste Streckenpassage - wir blicken zurück.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 ist wegen der Coronavirus-Krise an diesem Wochenende nicht in Baku unterwegs. Zwar wäre es erst der vierte Grand Prix auf dem Baku City Circuit, doch dank eines ungewöhnlichen Streckenverlaufes mit einer engen, anspruchsvollen Altstadt-Durchfahrt hat sich die Strecke bereits ins F1-Gedächtnis eingebrannt.

Denn wie viele Strecken können schon so eine Passage bieten? Nicht viele. Allerdings gibt es sehr wohl Strecken, die genauso ungewöhnliche Streckenteile aufbieten können. Nicht nur Altstadt-Durchfahrten, sondern auch Abflüsse, Straßenbahnen oder Stadien. Motorsport-Magazin.com fasst die ungewöhnlichsten Streckenpassagen zusammen.

Formel 1 in Baku: Altstadt mit Burg

Die Altstadt-Passage rund um eine historische Befestigungsanlage ist in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich. Nicht nur wegen der Steinwände innen - allesamt Weltkulturerbe. Häuser auf der anderen Seite machen die steile Bergauf-Passage kaum breiter als ein Formel-1-Auto. Als Teil der Altstadt wäre dieser Weg eigentlich sogar gepflastert, aber darauf kann die Formel 1 natürlich nicht fahren. Also wird jedes Jahr eine Konstruktion darüber aufgebaut und asphaltiert. Schwierig für die Fahrer ist die Passage obendrauf, denn die enge Einfahrt zwingt praktisch dazu, den Kerb auf der Innenseite mitzunehmen. Wer den aber falsch erwischt, fährt sofort gerade aus und direkt in die Absperrung.

Das Nadelöhr von Baku - Foto: Sutton

Formel 1 in Mexiko: Echte Stadionatmosphäre

In der Urfassung fuhr die Formel 1 auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez am Ende der Runde durch eine Highspeed-Rechtskurve, die Peraltada. Innerhalb dieser Kurve wurde 1993 ein Baseball-Stadion gebaut, das Foro Sol. Aber da war die Formel 1 schon weg. Als sie 2015 zurückkehrte, wurde jedoch nicht mehr die legendäre Peraltada befahren. Stattdessen bog man jetzt rechts ins Stadion ab, in dem dank 25.000 Zusehern wahre Festival-Stimmung herrscht. Daraus wussten Veranstalter und Formel 1 auch noch mehr Kapital zu schlagen - hier wird nämlich auch die Siegerehrung abgehalten, und nicht wie an den meisten Strecken üblich über den Boxen.

Echte Stadion-Atmosphäre in Mexiko - Foto: Sutton

Formel 1 in Singapur: Schikane oder Sprungrampe?

Der nur in der Nacht befahrene Stadtkurs von Singapur ist an sich schon einzigartig, doch eine Kurven-Kombination stach vom Debüt 2008 weg heraus. Unter dem Namen "Singapore Sling" wurde nach einer Geraden eine schnelle Links-rechts-links-Schikane eingefügt. Fast geradeaus zu durchfahren, jedoch mit hohen Kerbs an den Scheitelpunkten, die jeden Abkürz-Versuch, aber auch jeden kleinen Rutscher bestraften. Vielleicht etwas zu hart, denn sie wurden für mehr als nur einen Fahrer zur Sprungrampe. Fans hatte sie kaum. Nach Anpassungen wurde die Kurve 2013 endgültig neu gestaltet.

Lewis Hamilton versucht sich 2011 an der berüchtigten Schikane - Foto: Sutton

Formel 1 in Monaco: Haarnadel extrem

Am legendären Formel-1-Stadtkurs von Monaco ist viel ungewöhnlich. Heraus sticht aber nicht der Tunnel - so einen konnte unter anderem auch der Stadtkurs in Detroit bieten. Doch die berühmte Haarnadel kurz davor hat es in sich. Namen hatte sie viele, eines ändert sich nie: Sie ist richtig eng. Praktisch eine 180-Grad-Wende, die Fahrer haben fast keinen Platz, um genügend auszuholen. Nur für diese Kurve allein braucht es mehr Lenkeinschlag, und sie ist eine der wenigen, die bei gerade einmal Tempo 40 den ersten Gang erfordern.

Mit dem Lenkeinschlag kommt die Formel 1 in der Monaco-Haarnadel an die Grenze - Foto: Red Bull

Formel 1 in Berlin: Steilkurve extrem

Ein einziges Mal gastierte die Formel 1 1959 auf der berüchtigten Berliner Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße, kurz AVUS. Der Streckenverlauf im Wesentlichen: Gerade-scharfe Linkskurve-Gerade-Steilkurve. Und was für eine Steilkurve. Neun Meter hoch, und die Neigung betrug nicht weniger als 43 Grad. Zum Vergleich: Auf dem berühmten Oval von Indianapolis sind es nur elf, in Daytona 31 Grad. Im Rahmenprogramm des 1959er-Rennens verunglückte Jean Behra tödlich, als er das Heck verlor und über das obere Ende der Steilkurve hinausflog. Die Formel 1 kehrte nie zurück, die Kurve wurde 1967 abgetragen.

Die Ausfahrt der AVUS-Steilkurve - Foto: Mercedes

Formel 1 in Boavista: Pflaster und Straßenbahn

Zwei Mal trat die Formel 1 dafür immerhin portugiesischen Porto zu einem WM-Lauf an, 1958 und 1960 auf dem Circuito da Boavista. Der Stadtkurs führte vom Hafen aus quer durch die angrenzenden Stadtbereiche, und dabei auch quer über Kopfsteinpflaster und Schienen vor einer Straßenbahn-Station. Doch die Zeit dieser Rennstrecken war 1960 schon fast vorbei, die moderne Formel 1 begann sich am Horizont abzuzeichnen. Für Pflastersteinen und Straßenbahnschienen sollte bald kein Platz mehr sein.

Jim Clark folgt den Straßenbahn-Schienen - Foto: LAT Images

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