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Formel 1 heute vor 10 Jahren: Vettel vs. Webber eskaliert

Heute vor 10 Jahren in der Formel 1: Red Bulls Krisenschauplatz Türkei. MSM blickt in einer neuen Geschichtsserie zurück auf besondere Momente.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 lässt wegen der Coronavirus-Pandemie auf sich warten. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - ‚On this day’. Heute: Rückblick auf jenes Rennen, bei dem das Red-Bull-interne Duell zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber überlief.

Formel 1 heute vor 10 Jahren: Red-Bull-Duell stürzt in die Krise

2010, Türkei-GP, nahe Istanbul. Red Bull, die neue Spitzenkraft der Formel 1, hatte sich nach sechs Rennen ganz vorne in der WM etabliert. Punktegleich führten die Teamkollegen Sebastian Vettel und Mark Webber die Fahrerwertung an. Für das Team natürlich ideal, doch für die Fahrer weniger. Nur einer kann am Ende Weltmeister werden. Machtverhältnisse mussten geklärt werden. War der junge Vettel, Red Bulls Kronprinz, die Nummer eins, oder doch noch der Veteran Webber?

Webber meldete im Qualifying mit Pole erste Ansprüche an und führte auch die Frühphase des Rennens an. Sein erster Gegner: nicht Vettel, sondern der McLaren von Lewis Hamilton. Der fällt nach vermurkstem Boxenstopp jedoch zurück, und plötzlich taucht Vettel in Webbers Rückspiegel auf. Attackiert auf der Bergab-Geraden im letzten Sektor. Webber lässt ihm eine Fahrzeugbreite links Platz, nicht mehr. Vettel, schon fast vorbei, beginnt nach links zu driften. Crash.

Vettel & Webber: Muss der andere Schuld haben

Kein Schocker. Vettel dreht sich raus, zeigt beim Aussteigen "Spinner" in Richtung Kameras. Webber muss für Reparaturen an die Box. Red Bulls Doppelsieg ist dahin, stattdessen feiert McLaren. Deren Piloten zeigen ihnen, wie es geht, als sich Lewis Hamilton in der Schlussphase erfolgreich gegen den Attacken von Jenson Button durchsetzt.

Vettels Rennen war nach dem Crash vorbei - Foto: Sutton

Red-Bull-intern brannte der Hut. Die Teamführung versuchte öffentlich, die Schuld zu teilen, schien sich aber hinter Vettel zu stellen. "Sebastian hatte einen Pace-Vorteil auf dem Reifen", kommentierte Teamchef Christian Horner später. "Mark hielt seine Linie und machte es eng für ihn." Vettel selbst: "Ich denke, es ist recht eindeutig. Ich war auf der inneren Seite und hatte damit das Vorrecht für die nächste Kurve"

Webber widersprach: "Seb hatte einen Speed-Vorteil, zog nach innen. Dann waren wir nebeneinander, und dann schien er ziemlich schnell nach rechts gezogen zu haben, und wir haben uns berührt." Jahre später sprach er auch in seiner Biografie das Thema wieder an, und kritisierte die Teamführung, die Vettel bei solchen Aktionen ungerechtfertigt gedeckt habe.

In der WM führte Webber 2010 nach Istanbul weiterhin. Doch am Ende des Jahres sollte Vettel vorne stehen. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Vier Mal gewann er das Duell gegen Webber. Die interne Beziehung wurde dabei nicht besser.

Formel 1 heute vor 55 Jahren: Klassiker in Monaco

Graham Hill gilt als einer der besten Monaco-Piloten der Formel-1-Geschichte. Wer ein konkretes Beispiel dafür haben will, der sollte sich die 1965er-Ausgabe des Klassikers ansehen. Hill, in Führung liegend, räumte in der Frühphase des Rennens beinahe aus dem Tunnel kommend ein defektes Fahrzeug ab und musste in der Hafenschikane in den Notausgang. Beim Wenden - wegen Hilfsverbot musste er selbst Hand anlegen - verlor er über eine halbe Minute, doch es waren noch über 70 Runden zu fahren.

Das reichte Hill, um mit einer furiosen Aufholjagd die Spitze wieder einzuholen. Er passierte einen jungen Jackie Stewart nach Dreher, dann den Ferrari von John Surtees. Das Rennen war ein Klassiker, in den letzten 50 Runden wurde der Rundenrekord elf Mal unterboten. Hill bugsierte sich schließlich am führenden Ferrari von Lorenzo Bandini vorbei, kam in der Schlussphase aber noch einmal unter Druck von Surtees. Der musste erst in der letzten Runde aufgeben, als ihm der Sprit ausging. Hill gewann, vor Bandini und Stewart. Für Letzteren war es die erste Top-drei-Platzierung.

Graham Hill passiert die Boxen - Foto: Sutton

Ebenfalls an diesem Tag versenkte Paul Hawkins sein Auto im Hafenbecken, damit war er der zweite Fahrer nach Alberto Ascari, dem dieses Kunststück gelang. Er sollte der letzte bleiben, bald darauf wurde doch tatsächlich eine Wand gebaut.

Heute: Indy-500-Historie

Der 30. Mai liefert noch eine historische Randnotiz. Einst war er der amerikanische Feiertag Decoration Day, und an diesem Tag wurde fast jedes Jahr das Indianapolis 500 ausgetragen. Das wiederum zählte von 1950 bis 1960 offiziell zur F1-WM, wenngleich trotzdem nach amerikanischen Regeln gefahren wurde.

F1-Gäste waren entsprechend selten. Alberto Ascari und Ferrari versuchten sich 1952 daran, Ascari fiel nach 40 Runden aus und wurde 31. von 33. Juan Manuel Fangio kam 1958 mit dem erklärten Ziel, WM-Punkte zu sammeln, konnte sich aber nicht qualifizieren. Da das Rennen offiziell aber ein WM-Lauf war, sicherte sich Troy Ruttman 1952 als 22-Jähriger den Rekord für den jüngsten Sieger, und hielt den bis Fernando Alonsos Sieg 2003 in Ungarn.

Johnnie Parsons, Lee Wallard, Troy Ruttman, Bill Vukovich, Bob Sweikert, Pat Flaherty, Sam Hanks, Jimmy Bryan, Rodger Ward und Jim Rathman dürfen sich also F1-Sieger nennen. Nur Vukovich gewann zwei Mal. Der talentierte Amerikaner verstarb außerdem leider bei einem Unfall in der 1955er-Ausgabe, offiziell der erste Todesfall bei einem F1-Rennen.

Eine weitere Randnotiz: Der erste offizielle Lauf einer Automobil-Weltmeisterschaft fand am 30. Mai 1925 statt, wieder war es das Indianapolis 500. Der Automobil-Verband AIACR (heute die FIA) hatte eine Serie von Rennen zusammengefasst, um einen WM-Titel zu vergeben. Doch das Indy 500 entsprach auch damals nicht den europäischen Grand-Prix-Regeln, und überhaupt gab es Streichresultate und dergleichen (Regel-Details sind teils vage, Quellen wiedersprechen sich). Die großen europäischen Werke blieben fern, Peter DePaolo gewann. Alfa Romeo krönte sich am Jahresende zum ersten Hersteller-Weltmeister.

Was sonst noch geschah:

Vor 16 Jahren: Michael Schumacher gewinnt den GP von Europa 2004 auf dem Nürburgring mit einer aggressiven 3-Stopp-Strategie, bei der er in acht Runden nach dem Start 18 Sekunden auffährt, bei trockenem Wetter.
Vor 21 Jahren: McLaren feiert mit Mika Häkkinen und David Coulthard bei der 1999er-Ausgabe des Spanien-GPs einen Doppelsieg. Jacques Villeneuve schafft mit dem unterlegenen neuen BAR fast ein Sensations-Podium, dann bricht der Heckflügel.
Vor 39 Jahren: Gianmaria Bruni wird geboren. Seine F1-Karriere waren unschöne 18 Rennen mit Minardi, ohne Punkte und mit interner Niederlage gegen Zolt Baumgartner. Er repariert seine Reputation im GT-Sport, gewann drei Mal mit Ferrari die GT2/GTE-Klasse in Le Mans und zwei Mal die Langstrecken-WM. Heute ist er Porsche-Werksfahrer.
Vor 44 Jahren: Niki Lauda fährt beim Monaco-GP von 1976 einen kontrollierten Sieg für Ferrari ein. Die Sechsrad-Tyrrells von Jody Scheckter und Patrick Depailler holen die Plätze zwei und drei und beweisen, dass das Konzept sogar hier funktioniert.
Vor 56 Jahren: Andrea Montermini wird geboren. Der Italiener erlebt eines der übelsten Debüts der Geschichte: Als Ersatzmann für den tödlich verunfallten Roland Ratzenberger crasht er 1994 in Spanien zwei Tage vor seinem Geburtstag so schwer, dass die Saison schon wieder vorbei ist. Nach der Verletzungspause folgen 29 Nennungen, davon 20 Starts.

Übles Wrack: Andrea Monterminis Saison endet 1994, bevor sie wirklich beginnt - Foto: Sutton

Vor 81 Jahren: Dieter Quester wird geboren. Der Österreicher stand einmal in einer F1-Startaufstellung, 1974 wurde er beim Heimrennen auf dem Österreichring Neunter. Einen Namen machte er sich im Tourenwagen-Sport, und fuhr bis tief in die 2000er noch GT-Rennen.


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