Formel 1

Fernando Alonso: Formel-1-Comeback mit Renault? Heiße Gerüchte

Fernando Alonso vor F1-Rückkehr zu Renault?! Nach Sebastian Vettels Ferrari-Aus und Daniel Ricciardos Wechsel bahnt sich der nächste Fahrermarkt-Kracher an.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Auf Formel-1-Rennen müssen die F1-Fans wegen der Corona-Krise aktuell verzichten. Für die oftmals mit dem Monaco GP (eigentlich hätte der Klassiker am kommenden Wochenende des 23./24. Mai stattgefunden) beginnende Silly Season rund um die Formel-1-Fahrer 2021 gilt das jedoch mitnichten.

Vielmehr hat sich der Fahrer-Transfermarkt in der Formel 1 längst so richtig in Bewegung gesetzt. Nicht nur mit unzähligen Gerüchten, sondern Tatsachen. Großen Tatsachen. Echten Krachern. Angefangen vom Abschied Sebastian Vettels von Ferrari Ende 2020 über seinen Nachfolger Carlos Sainz bis hin zu Daniel Ricciardo, der das mäßig erfolgreiche Renault-Projekt nach zwei Jahren verlassen und Sainz bei McLaren ersetzen wird.

Formel-1-Fahrer 2021: Fernando Alonso zum dritten Mal zu Renault?

Damit kehrte erst einmal Ruhe ein. Allerdings nur kurz. Immerhin entstand mit dem Ende dieser drei Meldungen eine Vakanz - das zweite Cockpit bei den Franzosen neben Esteban Ocon ist ab 2021 frei. Immerhin ein Werkscockpit, was man von dem seit dem Comeback 2016 durchwachsenen Projekt auch immer halten will.

Formel 1 2021, Alonso, Vettel, Hülkenberg: Wer geht zu Renault?: (19:40 Min.)

Kandidaten gibt es reichlich, Motorsport-Magazin.com beleuchtete die diversen Optionen bereits ausführlich. Die international wohl populärste Lösung hat nun die Gerüchteküche so richtig in Aufregung versetzt - Fernando Alonso.

Renault selbst befeuerte Gerüchte um Alonso-Comeback

Um die Rückkehr des Spaniers zu seinem ehemaligen Team, mit dem Alonso 2005 gegen Kimi Räikkönen und 2006 gegen Michael Schumacher, seine beiden WM-Titel in der Formel 1 erzielte und nach seinem unangenehmen Abstecher zu McLaren 2008 erstmals zurückkehrte, rankten sich in den vergangenen Tagen unzählige, teils abstruse Gerüchte.

Los ging erst einmal alles mit Social-Media Posts von Renault, die alte Erfolgsmomente mit Alonso zeigten. Diese posteten die Franzosen just in jener Phase, in der öffentlich wurde, dass sie Daniel Ricciardo verlieren würden. Wollte das Team sich so nach außen - und beim Vorstand, immerhin ist alles andere als sicher, dass es mit Renault 2021 überhaupt weitergeht - gut verkaufen und die Bilder als Andeutungen verstanden wissen? Funktioniert hätte es, schaut man sich nur die Reaktionen an.

Wilde Alonso-Gerüchte: Renault-Vorvertrag, Formel-1-Bosse zahlen

Damit längst nicht genug. So richtig in Fahrt kamen die jetzt richtig wild gewordenen Spekulationen um eine dritte Amtszeit des Asturiers bei Renault dann in den spanischen und französischen Medien. So berichtete ‚Auto Hebdo’ von einem schon unterschriebenen Vorvertrag, während die ‚Marca’ gar behauptete, die F1-Eigner von Liberty Media selbst würden Renault finanziell helfen, Alonsos Gehalt zu finanzieren. Immerhin wäre das Comeback einer Lichtgestalt wie Alonso auch für den gesamten Sport erstklassiges Marketing.

Das Problem an der Sache: Alonso selbst hörte sich zuletzt alles andere als überzeugt an, nach seinen Sabbatjahren 2019 und 2020 zurückzukehren. Der Grund dafür sind die Bedingungen, die Alonso immer - und weiterhin - an eine Rückkehr geknüpft hatte. Einen zweiten Horror-Trip wie mit McLaren-Honda will sich der Spanier keinesfalls zumuten. Stattdessen will Alonso wieder einen Boliden, mit dem er gewinnen oder zumindest um das Podium kämpfen kann.

Fernando Alonso: Immer klare Bedingungen für Comeback

Weil die Wege zu den jetzigen Top-Teams Ferrari, Mercedes und Red Bull wegen diversen (politischen) Vorfällen in der Geschichte des Spaniers mit den jeweiligen Adressen oder deren Partnern allesamt weitgehend versperrt sind, baute und baut der Spanier vor allem auf die Regel-Revolution. Diese soll eine ausgeglichenere Formel 1 bringen, mehr Teams siegfähig schustern und Alonso damit Optionen liefern.

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Doch genau diese Revolution hat die Formel 1 wegen der Corona-Krise nun um ein Jahr, auf 2022, verschoben. Für Alonsos Comeback-Pläne eine schlechte Nachricht. „Ich habe immer gesagt, 2021 gibt es neue Regeln in der Formel 1, da könnte ich zurückkommen, weil ich dann vielleicht mehr Interesse habe, wenn die Autos mehr auf einem Level sind. Und vielleicht bin ich dann auch wieder hungrig, wieder zu reisen und mich selbst dem Wettbewerb zu stellen. Aber jetzt hat die F1 die Regeln auf 2022 verschoben“, so Alonso kürzlich in einem Instagram-Stream mit dem Kanal der 24 Stunden von Le Mans.

Formel-1-Revolution wegen Corona verschoben: Alonso-Comeback wackelt

Das seien erst einmal schlechte Nachrichten für den Sport. In Alonsos Augen ist ein engeres Feld dringend und elementar nötig „So schnell wie möglich“, sagte der Spanier. Wegen der gegenwärtigen Situation sei die Entscheidung der Formel 1 allerdings verständlich.

Und was bedeutet das für ihn selbst? Offenbar noch ein Jahr des Wartens mehr. Oder doch nicht? Interessant: Über seine eigenen Pläne ist sich Alonso inzwischen fast klar. "Ich weiß mehr oder weniger, was ich nächstes Jahr machen werden. Ich hoffe, dass bald alle Bescheid wissen. Mehr kann ich aber momentan leider noch nicht sagen“, sagte Alonso in dem Stream - noch vor den großen News auf dem Fahrermarkt der Formel 1.

Alonso schließt komplette IndyCar-Saison aus

Nur in einem Punkt legte sich Alonso fest: Eine volle Saison in der Indycar Series werde 2021 er seinem neuerlichen Start beim Indy-500 2020 nicht folgen lassen. Alonso: „Das habe ich vor zwei Jahren mal überlegt. Aber da wäre mir für diese Phase meines Lebens zu viel Engagement nötig. 16-17 Rennen zu fahren, all die Strecken kennenzulernen, das benötigt ein Niveau von Vorbereitung, das ich vielleicht in diesem Abschnitt meines Lebens nicht mehr gerne nehmen will.“

Das mag für ein Formel-1-Comeback erst einmal besser klingen als das verschobene Reglement - immerhin kennt Alonso in der F1 zumindest die Strecken. Tatsächlich konkretisierte Alonso in einem Gespräch mit Studenten einer Madrider Universität inzwischen, sich auf eine Top-Kategorie konzentrieren zu wollen - „also entweder eine Rückkehr in die Formel 1 oder eine weitere Erfahrung auf der Langstrecke oder IndyCar.“ Im letzten Fall nur eben keine ganze Saison.

Ex-Teamkollege Button: Renault müsste näher an Spitze sein

Aber Formel-1-Comeback? Mit Renault? Hier ist fast ein ähnlich großer Einsatz gefordert. Den schnellen Erfolg wird Alonso mit den Franzosen kaum holen können. 2021 durch die eingefrorenen 2020er Autos schon gar nicht. Der aktuelle Renault wird nicht plötzlich mit Ferrari, Mercedes und Red Bull kämpfen - so viel steht schon nach den Testfahrten im Grunde klar fest. Wie passt das zu Alonsos Aussagen über die derzeitige Phase seiner Karriere? Wie zu seinen hohen Ambitionen?

Jenson Button kann sich Fernando Alonso nur schlecht bei Renault vorstellen - Foto: Sutton

Auch bei Renault müsste Alonso viel investieren. Dass 2022 mit der Regel-Revolution sofort alles besser wird, ist eine gewagte Wette. Deshalb zweifelt sein Teamkollege bei McLaren in der Formel 1, Jenson Button, an Alonso/Renault 3.0. „Wenn Renault nah an der Spitze wäre und er sehen könnte, dass 2021 oder 2022 Chancen auf Podien und Siege bestehen, dann denke ich, dass er die Chance ergreifen würde, wenn er dir Option denn hätte“, sagte der TV-Experte des britischen Sky Sports F1 in einem Stream des Senders.

Manager Briatore: Alonso motiviert, entgiftet & bereit für Comeback

„Aber ich denke, dass das ein längerer Prozess wird, dass sie nach vorne kommen. Das werden vielleicht vier Jahre und mehr. Diese Zeit hat er nicht und er will diese Zeit auch nicht investieren, denke ich.“ Button weiter: „Ich bin einfach nicht sicher, dass es die richtige Gelegenheit für ihn ist. Wenn er in eines der Top-Teams kommen würde, dann natürlich. Denn da könnte er seinen Speed beweisen. Den hat er mit 38 Jahren nicht verloren. Aber wieder ein Team über drei oder vier Jahre aufbauen? Ich denke nicht, dass es das ist, was Fernando sucht.“

Flavio Briatore sieht in Alonso wieder das F1-Feuer lodern - Foto: Sutton

Völlig anders sieht es Flavio Briatore, nach wie vor Alonsos Manager. „Fernando ist motiviert. Ein Jahr aus der Formel 1 raus zu sein, hat ihm gutgetan. Er hat sich entgiftet und ich erlebe ihn ausgeglichener und bereit, zurückzukehren“, sagte der ehemalige Renault-Teamchef zu Alonsos Glanzzeiten der großen italienischen Sportzeitung ‚Gazzetta dello Sport’.

Buddy Brown: Alonso für Renault ‚No-Brainer‘

Ein weiterer Alonso-Vertrauter, McLarens Big Boss Zak Brown, klingt im Gespräch mit Sky Sports F1 ähnlich. „Ich habe erst mit ihm gesprochen und da etwas herumgestochert. Ich denke, er ist unentschieden“, so der US-Amerikaner über Alonso. Mit Blick auf Renault liegt die Sache für Brown dagegen eindeutig: „Wenn ich bei Renault zu entscheiden hätte, dann wäre er auf jeden Fall der, den ich in dieses Auto setzen würde - großer Name, so schnell wie jeder, zwei Titel mit ihnen gewonnen, also hat er auch die Geschichte. Von Renault-Seite ist das doch ein No-Brainer [etwa: Selbstverständlichkeit, Anm. d. Red.].“

Zak Brown ist sich unsicher, was sein ehemaliger McLaren-Buddy plant - Foto: LAT Images

Ähnlich wie Button grübelt jedoch auch Brown. „Die Frage ist, ob Fernando wieder 22 Rennen mit einem Auto fahren will, dass noch nicht aussieht, als würde es in der Lage sein, Rennen zu gewinnen. Was Fernando dazu veranlassen würde, wäre, wenn er denkt, dass er oben auf dem Podium stehen kann.“ Das könne Renault - auf einer ähnlichen Reise wie gegenwärtig sein Rennstall McLaren - dank deren großen Ressourcen zwar wieder gelingen. Aber: „Ich weiß nicht, ob Fernando, verglichen damit, 2021 ein Siegauto zu haben, den Hunger hat, eine dreijährige Reise zu bestreiten ...“

Renault-Team braucht Argumente für Formel-1-Verbleib

Wegen der auf 2022 verschobenen Regeln geht Renault selbst ohnehin ganz offen nicht davon aus, den Plan für 2021, wieder vorne mitzumischen, halten zu können. „Diese Ziele sind jetzt auch de facto um ein Jahr verschoben“, sagte Teamchef Cyril Abiteboul der ‚Auto Hebdo’. „Ich denke, das kann jeder verstehen“, warb der Franzosen nach außen - und damit auch in Richtung Konzernbosse.

Dennoch werde Renault 2020 und 2021 natürlich alles geben, um einen guten Job zu machen, versicherte der Franzose. Der R.S.20 sei vielversprechend, glaubt Abiteboul. Für den Kampf mit den Top-Teams brauche es jedoch das neue Reglement, die angestrebte große Angleichung. Das sei auch für den Verbleib Renaults elementar. Wenn die Formel 1 weiter eine F1 der zwei Geschwindigkeiten bleibe, dann müsse Renault durchaus das ganze Projekt neu bewerten.

Immerhin: Eine etwa von Red Bull und Racing Point bereits geforderte zweite Verschiebung auf 2023 schmetterte die Formel 1 ab. „Ein paar Teams waren darauf aus, sie um ein weiteres Jahr zu verschieben. Für nächstes Jahr ist das auch gerechtfertigt, diese Autos mitzunehmen, denn wir sind inmitten des Lockdowns“, sagte F1-Sportchef Ross Brawn auf der offiziellen Homepage der Königsklasse. „Aber 2022 kommen sie definitiv!“ Spätestens dann könnte es heißen: Showtime, Fernando Alonso!


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