Formel 1

Das große Rätseln um Ferraris Formel-1-Fahrzeugnamen

Ferraris Namenssystem für ihre Formel-1-Boliden ist seit Jahren ein Chaos. SF90, SF71, SF70, SF16, SF15, F14, F138, F2012, 150 Italia - alle Namen erklärt.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Alle Jahre wieder blickt die Formel 1 für die Ferrari-Präsentation gespannt nach Maranello. Wie sieht der nächste Ferrari aus? Wer die Frage mit "rot" beantwortet, dem kann diese Antwort schwer abgesprochen werden. Aber wie heißt die neue rote Göttin von Sebastian Vettel und Charles Leclerc? Das, nun, das ist eine schwierige Angelegenheit.

Denn mit Namens-Systemen hat es Ferrari nicht so. Vielleicht versprüht die Marke, die sich so gerne als die "emotionalste" der Formel 1 bezeichnet, einfach zu viel Emotion, als dass sich ihre Marketing-Leute an so etwas Banales wie ein rigides Nummernschema halten können. Wer will denn schon wie diese Deutschen oder Engländer von W01 bis W11 fade durchnummerieren? Besser SF90 zu SF ... 89? 80? Falsch, falsch, SF71H. Wer kann weiterzählen? Einmal kurz im Kopf durchgehen, dann weiterlesen - Motorsport-Magazin.com bringt Ordnung in Ferraris Namens-Chaos.

Ferraris Formel-1-Autotypen der letzten Jahre aufgeschlüsselt

Zur Jahrtausendwende, zu Zeiten Todts, Brawns, Schumachers, konnte Ferrari für ihre Formel-1-Boliden noch ein solides Schema vorweisen: "F200X". 2001 fuhr F2001, 2002 F2002, und so weiter.

Ferrari F2001: Standard-Schema - Foto: Sutton

Bis sie 2006 die Lust daran verloren. Plötzlich stand statt F2006 248 F1 als Name da. Weil: Die FIA hatte das Motorenreglement geändert, von V10 auf V8, und Ferrari sah die Gelegenheit, zu einer traditionelleren Namensgebung zurückzukehren. 24 stehen für das Motorvolumen (2,4 Liter), 8 für die Zylinder, F1 für F1. Das Schema Motorvolumen-Zylinder nutzten sie schon in den 70ern. 2007 war das prompt wieder vergessen, sie kehrten mit F2007 und F2008 zurück zum vorangegangenen Schema.

Ferrari ab 2009: Jubiläums-Manie

2009 wurde der Wunsch nach einem neuen Namen wieder stärker, denn ein Ferrari-Jubiläum war entdeckt worden. Jubiläen - sie sollten sich ab jetzt als die Nemesis der geradlinigen Namensgebung erweisen. 60 Jahre Ferrari in der Formel 1 waren es 2009, da muss doch was Besonderes her? Gerade, weil Ferrari in allen 60 am Start stand. F60! 2010 ging es zurück zum Ursprung, in etwa. F10 der "20"-Teil von "2010" blieb diesmal weg.

Doch halt! Ist das ein neues Jubiläum am Horizont? Es ist eins! 150 Jahre italienische Einheit waren es wert, 2011 den F150 an den Start zu bringen. Doch halt (nochmal)! Diese Zahlen kennt doch jeder Pickup-Enthusiast, das ist ein Ford. Dachte sich auch Ford, und sorgte für eine Neuauflage des Duells Ford-Ferrari, leider nur vor Gericht. Ferrari gab nach, aus F150 wurde 150° Italia. Das von der Bezeichnung erhoffte Glück blieb aus. Also Rückkehr zum alten Schema. Mal wieder. 2012 fuhr der F2012, aus Gründen war der "20"-Teil wieder dabei.

Ferrari F150, Pardon, 150 Italia - Foto: Ferrari

2013 markierte die letzte Saison des V8-Motors in der Formel 1. Für Ferrari Anlass, den V8 wieder in den Namen einzugliedern. Aber als F138. F-Jahr-Zylinder. Sozusagen eine Vermischung des 2010er- und 2006er-Schemas.

F138, der letzte V8-Sauger - Foto: Ferrari

Für die 2014 beginnende Turbo-Hybrid-Ära musste es natürlich wieder anders kommen. Mittels Internet-Voting wurde F14 T ermittelt, Jahr plus "Turbo". Oder "FIAT", was besser zur Performance des Autos passte. Anpassungen mussten sein, also wurde es 2015 SF15-T, jetzt mit "S" für Scuderia und neuem Bindestrich. 2016 kam der SF16-H, "Turbo"-T musste für "Hybrid"-H weichen.

Dann bahnte sich 2017 ein neues Jubiläum an, wie immer war das unwiderstehlich: Zur Feier des eigenen 70-Jahr-Jubiläums als Autohersteller fuhr der SF70H. Die Idee schien zu gefallen, 2018 blieb sie mitSF71H bestehen.

Mit dem SF70H fuhr Sebastian Vettel 2017 endlich wieder um die WM - Foto: Ferrari

Aber wie jede alte Firma weiß: Ab einem gewissen Punkt feiert man jedes zweite Jahr ein Jubiläum. So geschehen 2019, Ferrari wurde 90 Jahre alt. (Nicht den Überblick verlieren: 90 Jahre = Alter der Marke, 72 Jahre davon als Autohersteller.) Also SF90. Außerdem ohne "Hybrid"-H, warum nicht.

Ferraris 2019er-Auto, der SF90 - Foto: Ferrari

Und 2020? Italienische Medien berichten vom SF1000 - für Ferraris 1000. Formel-1-Rennen, das ja nicht mit dem 1000. Formel-1-Rennen zusammenfällt. Damit hätte Ferrari vor allem eines sichergestellt: 2021 muss wieder ein neuer Name her, schließlich wäre der Name SF1000 in Verbindung mit der Bedeutung unmöglich zu übertragen. Wobei SF1001 etwas für sich hätte. Vielleicht würde ihm der Geist Enzo Ferraris entsteigen und WM-Wünsche erfüllen, wenn der Fahrer am Seitenkasten reibt.


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