Formel 1

Formel 2, Formel 3: Ist der neue Weg in die Formel 1 zu teuer?

Die FIA hat in den letzten Jahren den Weg in die Formel 1 umstrukturiert. Aber nach wie vor ist der Weg ein teures Unterfangen. Zu teuer?
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - 2019 gab es für das Management der Formel 1 Grund zum Feiern. Endlich war die Pyramide des Nachwuchs-Formelsportes fertig, nachdem jahrelang daran gearbeitet wurde. Jetzt ist der Weg an die Spitze klar, einfach und direkt: Vom Kartsport in die nationalen und überregionalen Formelserien, und wer sich hier durchsetzt, steigt auf in die Formel 3 und Formel 2, die beide im Rahmenprogramm der Formel 1 fahren. Die "Road to F1", wie es so schön heißt.

Doch auch ein neuer, klarer Weg an die Spitze kann nicht darüber hinwegtäuschen: Talent allein reicht nur bedingt, schließlich muss irgendwer die Rechnungen der Rennteams bezahlen, und bei der Ankunft in der Formel 3 und Formel 2 wird es richtig teuer. So teuer, dass Talent nicht unbedingt ausreicht, um genügend Budget aufzubringen, daran ändert auch die neue Pyramide nicht viel. Die Zuständigen von FIA und Liberty Media wissen um das Problem: Drohen große Talente an finanziellen Hürden zu scheitern?

Ist die Formel 2 leistbar genug?

2020 stehen für die Formel 2 von Bahrain bis Abu Dhabi 24 Rennen an zwölf Wochenenden an, allesamt im Rahmen der Formel 1. Trotz Einheits-Auto muss für ein Top-Cockpit schon im Bereich von zwei Millionen Euro kalkuliert werden. Leistbar klingt anders, das gesteht auch Serienchef Bruno Michel gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Es darf nicht passieren, dass ein talentierter Fahrer seine Karriere nicht fortsetzen kann, weil er das Geld nicht hat. Und es stimmt, dass das schon passiert ist."

Liberty Medias F1-Boss Chase Carey mit Nachwuchsformel-Manager Bruno Michel - Foto: LAT Images

Für Fahrer mit geringem Budget ist es eine Abwärtsspirale. Sie landen in kleineren Teams, denen wiederum die Ressourcen fehlen, um sich mit Top-Teams zu messen - denn trotz Einheits-Equipment können bessere Ingenieure und dergleichen hier Unterschiede machen. Für Geld. Talent kann das nur bedingt wettmachen. Daran leidet die Konstanz, es gibt schlechte Wochenenden. Schlechte Ergebnisse machen es schwieriger, Sponsoren zu halten. Irgendwann geht das Geld aus, dann bleibt den meisten Fahrern nur mehr der Abschied aus dem Formelsport und in Richtung GT-Serien, oder ein endgültiger Abschied aus dem Motorsport.

Formel 2 und Geld verdienen?

Die Veranstalter geben sich Mühe, Sicherheit zu schaffen und Mittel ins System zu pumpen, wie Serienchef Michel erklärt: "Wir geben Preisgelder an die Teams - nicht an die Fahrer, aber die Teams können das dann in Verträgen mit den Fahrern aushandeln. Wir geben dem Formel-3-Sieger mit Pirelli zusammen einen Preis, der es ermöglicht, in die Formel 2 zu kommen. Wir versuchen diese Dinge zu entwickeln."

"Das ist nicht genug, und wird nie genug sein", räumt Michel dennoch ein. "Solange wir in unserem System nicht genügend Einnahmen kreieren." Das große Problem ist die geringe Sichtbarkeit: Nachwuchs-Formelserien wurden jahrelang sträflich behandelt, erst in den letzten Jahren begannen Liberty und die FIA, die Querverbindungen zu verbessern. Ganz anders etwa als die MotoGP, wo die kleinen Klassen Moto3 und Moto2 als Vorprogramm prominent im Fokus stehen. Libertys Sportchef Ross Brawn erklärt gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Wir versuchen, F2 und F3 für unsere kommerziellen Partner so attraktiv wie möglich zu machen, damit mehr Geld im System ist."

2019 wurden F2-Meister Nyck de Vries, F1-Meister Lewis Hamilton und F3-Meister Robert Shwartzman gemeinsam geehrt - Foto: LAT Images

"Je mehr wir machen, um F2 und F3 mehr Präsenz zu verleihen, desto höher wird die Chance, dass wir dort mehr Erfolg haben", glaubt Brawn. Ein Beispiel dafür: Ab 2021 sind Formel-1-Teams verpflichtet, in einem Freien Training einen Nachwuchsfahrer einzusetzen. Somit bekommen Formel-1-Fans den Nachwuchs früher zu sehen.

Formel-1-Teams stehen genauso in der Pflicht

"Aber andererseits ist es nicht nur unser Job", meint Bruno Michel. "Es ist auch der Job der Formel-1-Teams." Die müssen seiner Meinung nach mitspielen, und ihre Nachwuchs-Piloten in jeder Hinsicht pushen. "Wir haben nächstes Jahr fünf Ferrari-Fahrer in der Formel 2, das sind 25 Prozent des Feldes, das ist absolut fantastisch und wir sind dafür sehr dankbar. Renault hat ebenfalls eine große Academy, die uns Fahrer für F2 und F3 liefert."

Allerdings sind die finanziellen Anforderungen selbst für F1-Teams steil - besonders wenn sie Millionen ausgeben, und nur einen Fahrer mit mehr Erfahrung zurückbekommen, aber keine Publicity und kaum Preisgelder.

Für die Zukunft zielen Bruno Michel und die anderen Verantwortlichen daher vor allem auf beidseitigen Verbesserungen der Pyramide ab: "Wir müssen sicherstellen, dass die Teams nachhaltig sind, aber die Teams müssen den Fahrern genauso helfen wie wir."


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