Formel 1

Formel 1: 2021-Verträge nicht unterschrieben - warum es dauert

Das Reglement für die Formel-1-Saison 2021 steht bereits, die kommerziellen Verträge hat aber noch kein Team unterschrieben. Eine Bestandsaufnahme.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 hat für den großen Umschwung der Saison 2021 schon ein technisches, ein sportliches und erstmals auch ein finanzielles Reglement. Was sie aber eigentlich noch nicht hat: Teams. Denn die Verträge zwischen den Teams, den Regelhütern der FIA und den kommerziellen Rechteinhabern von Liberty Media - als "Concorde Agreement" bekannt - laufen aus. Neue Verträge hat noch niemand unterschrieben.

Diese Verträge beinhalten zwei kritische Dinge: Einmal die politische Struktur der Formel 1 - wer hat in welchen Bereichen wie viel Einfluss, muss für Regeln gefragt werden? Und dann geht es um die Preisgeld-Verteilung - wie viel Geld bekommen die Teams vom Rechteinhaber? Liberty will das alles umkrempeln, aus gutem Grund. Das alte System ist schwerfällig und größtenteils erfolglos. Aber um das Schiff für 2021 auf Kurs zu halten, müssen die Teams die neuen Verträge unterschreiben.

Eine echte Deadline gibt es für sie nicht, anders als bei einem FIA-Reglement. Aber bis zum Jahresende möchte Liberty die Zusagen auf dem Tisch haben. Es geht auch darum, eventuelle Anpassungen an den Reglements für 2021 vorzunehmen. Dafür brauchen sie neue Verträge.

Formel 1 vor neuer Führungsstruktur

Zuerst einmal geht es also um die eigentliche politische Struktur der Formel 1. Die aktuellen Verträge gehen noch auf die alten Eigentümer der Formel 1 zurück und sind Problemfälle. In ihnen gab es große Zugeständnisse an die Top-Teams. Gegenwärtig ist es schwierig, Regelanpassungen zu vereinbaren, da oft Einstimmigkeit verlangt wird und es strenge zeitliche Fristen gibt.

Liberty Media hofft seit ihrer Übernahme, hier ausmisten zu können. "Ich glaube, wir haben heute eine sehr schwerfällige Herrschafts-Struktur, zwei Schichten bis zur Zustimmung, ein paar sehr komplizierte Wahlmethoden und viele verschiedene Beteiligte, die sich einmischen", fasst Liberty Medias Formel-1-Verantwortlicher Chase Carey noch einmal zusammen. Es gibt nämlich mit der "Strategy Group" (in der nur ausgewählte Teams, FIA und Liberty sitzen) und der Kommission (in der wirklich jeder, auch Partner und Rennveranstalter sitzen) gleich zwei Gremien, Prozesse für Regelanpassungen sind lange und können von mächtigen Teams missbraucht werden.

Das hat Liberty bereits erlebt, sie und die FIA mussten das eigentliche Reglement für 2021 durch diese Struktur drücken. In den auslaufenden Verträgen sehen sie die große Chance, sich das bei zukünftigen Anpassungen zu ersparen. Keine großen Vorteile mehr für Top-Teams und dergleichen, keine zähen Blockaden mehr. Dazu Carey: "Am Ende des Tages sind wir nicht an irgendeinem Team interessiert, wir sind daran interessiert, was richtig für den Sport ist."

"Der Sport ist jetzt schon schwierig genug, mit ausreichend schwierigen Problemen", meint Carey. "Es geht darum, die Entscheidungs-Struktur zu vereinfachen, damit wir vorwärtskommen." Liberty hätte gerne ein schlankes Gremium aus ihnen, der FIA und den Teams. Dort sollen Entscheidungen per Mehrheiten getroffen werden, und die Zeitrahmen sollen gelockert werden.

Formel 1 soll neue Preisgeld-Verteilung erhalten

Ebenfalls in diesen Verträgen verankert ist die Aufteilung des Preisgeldes. Und auch hier gilt: Die großen Teams staubten bei der letzten Verhandlungsrunde große Vorteile ab. Ferrari erhält einen immensen Bonus, und Mercedes, Red Bull, Williams und McLaren zumindest mehr als ihre Gegner.

Dafür bleibt das Mittelfeld ziemlich trocken. Sollte die Aufteilung so bleiben, helfen auch die neuen technischen und finanziellen Regelwerke nicht wirklich dabei, das Feld enger zu machen. Also zielt Liberty darauf ab, Ferraris Bonus zu beschneiden und auch den Rest der Bonuszahlungen zu kürzen. Das Mantra lautet: Etwas weniger für die Großen, etwas mehr für die Kleinen.

Liberty präsentiert letzte Vertrags-Vorschläge nach Abu Dhabi

In Abu Dhabi danach gefragt, zeigte sich Chase Carey zuversichtlich, dass die Formel-1-Teams die Vorschläge von Liberty bald annehmen würden: "Es liegt in der Natur dieses Sportes, dass immer etwas Lärm gemacht wird. Aber unsere Position erscheint mir gut. Unser Ziel ist natürlich, jedes Team und alle Beteiligten so bald als möglich an Bord zu haben."

Die neuen Reglements für die Formel 1 2021 stehen bereits - Foto: LAT Images

Seit Monaten werden zwar schon Entwürfe verteilt, aber das ist Standard-Vorgehen. Solche Verträge abzuschließen ist rechtlich immer schwierig. Nach Abu Dhabi soll eine neue Version bei den Teams angekommen sein. "Sie werden sie bald haben", verspricht Carey, "und unser Ziel wird sein, es so bald als möglich zum Abschluss zu bringen. Aber wie wir schon sagten: Wir werden diese Diskussionen privat halten und keine Deadlines ausgeben."

Formel-1-Teams zufrieden: Hängt an den Anwälten

Tatsächlich kommen auch von den Teams positive Signale. "Ja, ich glaube, es ist besser als das, was wir jetzt haben", sagt etwa Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer. "Es sollte okay sein. Viel besser. Ein Schritt in die richtige Richtung." Das reicht für ihn schon einmal: "Ist es das, was wir letztendlich wollen? Nein. Können wir damit Fünfjahresschritte machen? Ja. Auch die Kostengrenze ist noch nicht ganz da, wo sie sein soll, und braucht weitere Schritte. Aber mal schauen, wie das läuft, und in zwei, drei Jahren schauen wir es uns nochmals an."

Das entspricht der Grundstimmung im Fahrerlager. Und eine gute, vertraglich abgesicherte Beziehung zwischen Teams, FIA und Liberty würde eben auch die bedarfsgerechte Anpassung der anderen Regeln - sportlich, technisch und finanziell - ab 2021 einfacher machen. Anders als jetzt - als zum Beispiel der Versuch, mitten in der Saison die Reifen zu ändern, torpediert wurde.

Der wirklich große Lärm blieb bis jetzt auch aus. Anders als in der Vergangenheit, als große Teams etwa mit Ausstieg und Piratenserien drohten. Mittlerweile ist es schon so spät, dass solche Druckmittel wohl vom Tisch sind. Im Gegenteil - Red Bull und Honda haben beispielsweise für 2021 bereits einen Motorenvertrag abgeschlossen.

Das Unterzeichnen der Verträge mit Liberty scheint da tatsächlich nur mehr Formsache. In den Händen der Anwälte läge es jetzt, meinte McLaren-Boss Zak Brown zuletzt. Das übliche Vorgehen bei so einem Vertrag. Das letzte Sicherstellen, bevor unterschrieben wird. "Ich glaube, das Ziel ist, es bis zum Jahresende erledigt zu haben", sagt auch Brown und fügt an: "Nachdem wir es bekommen haben würde ich erwarten, dass die Leute es bis zum Jahresende unterschreiben."


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