Formel 1

Sebastian Vettel mit neuem Baby-Boost gegen alte Probleme

Sebastian Vettel ist in Abu Dhabi hin und hergerissen. Bock auf Formel-1-Finale, aber Nachwuchs daheim. Statt Baby-Boost folgt im Training erst ein Crash.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Für Sebastian Vettel ist das Formel-1-Saisonfinale 2019 ein ganz besonderes. Erst mit einem Tag Verspätung reiste der Ferrari-Pilot nach Abu Dhabi. Die Pressekonferenz am Donnerstag hatte Vettel jedoch aus gutem Grund verpasst. Ehefrau Hanna hatte Nachwuchs Nummer drei zur Welt gebracht!

"Ich wäre gerne Zuhause geblieben. Es ist vielleicht das erste Wochenende, an dem das konkret mal so ist", sagt Vettel dann einen Tag später nach den ersten beiden Trainings zu seinem privaten Glück. "Wichtig ist, dass alles gutgegangen ist. Natürlich bin ich sehr, sehr glücklich."

Baby-Boost? Vettel: Schadet sicher nicht ...

Ungewohnt ausführlich plaudert Vettel über sein Privatleben, sonderlich viel lässt sich der Heppenheimer dazu normalerweise nie entlocken. "Gott sei Dank kann man heutzutage ja gut in Kontakt bleiben. Aber ich bin hin und hergerissen. Ich bin natürlich gerne hier und möchte die Saison ordentlich zu Ende bringen. Gleichzeitig wäre ich natürlich auch gern zuhause", sagt Vettel.

Formel 1, Abu Dhabi: Vettel fehlt, Mick Schumacher bleibt!: (08:42 Min.)

Auswirkungen auf seine eigene Performance im Auto? Beflügelt der Nachwuchs Vettel oder macht er, ganz alte Rennsport-Weisheit, langsamer? "Das schauen wir nach dem Wochenende", scherzt Vettel. "Aber ich denke, es schadet auf jeden Fall nicht. Es gibt einem mit Sicherheit nochmal ein bisschen einen Boost. Ich hoffe, dass wir das ein bisschen ins Wochenende mitnehmen können."

Ferrari in Abu Dhabi in gewohnten Problemen

Das sei auch nötig. "Es wird schwer genug. Uns fehlt hier und da, wie schon in den letzten Rennen, noch etwas", mahnt Vettel. "Aktuell sind wir nicht die absoluten Favoriten." Keine allzu gewagte Einschätzung nach zwei Trainingsbestzeiten von Mercedes. Im in Abu Dhabi einzig relevanten Abend-Training fehlten Vettel und Charles Leclerc vier Zehntel.

Noch dazu erwies sich die Rote Göttin mehr als Zicke. Im ersten Training erwischte es Vettel in Kurve 19 heftig - Heck ausgebrochen, Crash. "Das war eine kleine Überraschung. Ich habe nicht erwartet, dass ich mich wirklich drehen würde. Als ich in die Kurve gefahren bin, wusste ich schon, dass ich das Heck einfangen muss", schildert Vettel die Szene. "Aber es hat nicht wirklich funktioniert. Das war etwas unglücklich, aber zum Glück gab es bis auf die Felge keinen Schaden."

Vettel crasht, Leclerc kopiert im zweiten Training

Weiterfahren konnte der Ferrari-Pilot jedoch nicht, so groß war der Schaden dann doch. Noch dazu musste Ferrari für das zweite Training das Getriebe wechseln. Immerhin eine Strafe zieht das nicht nach sich. Es handelte sich wie üblich nur um ein Freitagsgetriebe.

Kurios: In jenem zweiten Training kopierte dann Charles Leclerc seinen Teamkollegen 1:1, auch der Monegasse verlor in Kurve 19 das Heck, touchierte die Bande. Einziger Unterschied: Zumindest an die Box konnte er sich noch retten und das Training wieder aufnehmen. "Sobald du etwas zu weit rauskommst, hast du hier schon sehr viel weniger Grip. Das hat mich überrascht. Ich hatte ziemlich viel Glück, dass da nichts kaputt gegangen ist", sagt Leclerc.

Vettel erwartet Rennspektakel: Keiner hat noch etwas zu verlieren!

Die Performance sorgte unterdessen weder bei Leclerc noch Vettel für große Freudensprünge. "Die Balance war nicht toll, da müssen wir dran arbeiten. Die erste Session war vielleicht die härteste Session des Jahres oder sogar seit ich in der Formel 1 bin", sagt Leclerc gar. "Aber wir haben zum zweiten Training schon einen guten schritt geschafft. Jetzt müssen wir es aber noch weiter verbessern."

"Es ist so ziemlich das gleiche Bild wie in den letzten Rennen, wir kämpfen mit denselben Dingen. In all den mittelschnellen und langsamen Kurven fehlt es uns verglichen mit den anderen an Speed", schildert Vettel die Probleme. Insbesondere das Ende der Runde kostet Ferrari viel Zeit. "Der letzte Sektor tut uns weh, da sind ja die meisten langsamen und mittelschnellen Kurven. Wir kämpfen da mit den Reifen, die heiß werden, sodass das Auto schwierig zu fahren ist und wir da die meiste Zeit einbüßen", analysiert Vettel. "Der dritte Sektor ist echt schwierig mit den Reifen, Überhitzung und Abbau. Da haben wir zu kämpfen und müssen noch mehr arbeiten", bestätigt Leclerc.

Drin sei in Abu Dhabi aber noch alles, meint Vettel. "Ich glaube, wir können aber noch am Setup tüfteln, um da noch ein bisschen mehr rauszuholen. Schauen wir einfach, ob wir Sonntag dann etwas haben, womit wir kämpfen können", sagt Vettel. "Wenn wir morgen im Qualifying vorne reinfahren können, verspricht das nur Gutes fürs das Rennen."

Viel Kampf erwartet Vettel am Sonntag jedenfalls. "Da kann dann alles passieren. Es ist ziemlich offen, jetzt hat ja keiner mehr etwas zu verlieren. Die Rangordnung ist gesetzt", erklärt Vettel seine Einschätzung. "Jeder wird einfach probieren, das Beste herauszuholen. Das gilt auch für uns. Wenn wir nach dem Rennen dann dieses Gefühl haben, egal was dann die Platzierung sagt, sind wir auch zufrieden."

Leclerc unterdessen bewertet zumindest auf einem Gummi die Ferrari-Rennpace gar nicht einmal so schlecht. "Die Rennpace war auf dem harten Reifen sehr stark, etwas schlechter auf den weicheren. Wir müssen also etwas arbeiten, aber es sieht schon ziemlich vielversprechend aus", meint der Monegasse.


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