Formel 1

Formel 1 USA: 17 Mal Track Limits! Qualifying-Chaos droht

Ärger um Track Limits in der Formel 1. Beim USA GP ist es wieder so weit. 17 Rundenzeiten im Austin-Training gelöscht. Fahrer erwarten kniffliges Qualifying
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - 17 Mal. So oft klingelte es im Freien Training der Formel 1 zum USA GP in Austin am Freitag. Alleine in den ersten beiden Einheiten löschte die FIA 17 Rundenzeiten wegen Verstößen gegen die Track Limits, elfmal in FP1 (HAM, 2x VER, LEC, ALB, GAS, STR, 2x NOR, MAG, KVY), sechsmal im zweiten Training (2x HAM, VET, ALB, NOR, RUS).

Allesamt in derselben Kurve. Turn 19, die vorletzte Ecke des Circuit of the Americas. Genau jene Kurve, welche die Rennleitung schon zuvor ins Auge gefasst hatte. Genaue Regelungen wurden vor dem Wochenende für Kurve 19 vorgegeben.

Im Rennen drohen Strafen

Gelangt ein Fahrer über den weiß-roten Kerb am Ausgang der Linkskurve und schlägt die dort platzierte Kontrollschleife aus, so wird die Rundenzeit in Training und Qualifying seitens der Stewards gestrichen. Geschieht es im Rennen, folgt beim dritten Vergehen eine Verwarnung per schwarz-weißer Flagge. Beim nächsten Verstoß meldet Rennleiter Michael Masi den Sünder bei den Stewards.

Wäre das Training das Rennen gewesen, hätten bereits zwei Fahrer die Verwarnung kassiert. Lewis Hamilton und Lando Norris leisteten sich Session-übergreifend je drei ungültige Versuche. Im Training hat das keine Konsequenzen abseits eines schlechteren, aber irrelevanten Ergebnisses. Im Qualifying sieht das allerdings schon ganz anders aus.

Problemkurve 19 läd zum Limit-Verstoß ein

Im Hinterkopf präsent hat das Thema vor dem heutigen Zeittraining der Formel 1 in Austin jedenfalls so gut wie jeder. Es könne durchaus ein Faktor werden, glaubt Nico Hülkenberg. "Man muss aufpassen. Speziell da in Kurve 19, da ist oft Rückenwind. Dann hast du das Auto schnell verloren und kommst am Ausgang zu weit raus", warnt der Renault-Pilot. "Morgen, wenn du nur eine Runde hast, musst du es packen und auf der Strecke bleiben", so Hülkenberg am Freitag in Austin.

Das Strafenprotokoll aus FP1 - Foto: Motorsport-Magazin.com

Alle seien sich der Lage jedoch bewusst und müssten sich eben zusammennehmen. Wie Hülkenberg bereits nahelegte, ist das an der betreffenden Stelle jedoch besonders diffizil. Nicht nur wegen des Winds. "Es ist eine sehr weite Kurve, auch etwas blind. Also gehst du auf das Gas noch bevor du den Ausgang richtig siehst. Deshalb ist es immer ein kleines Ratespiel, wenn du es tu früh durchtrittst, dann kannst du weit gehen", schildert Valtteri Bottas. "Und es ist eben einer der Schlüsselorte im Qualifying, um die Rundenzeit zu maximieren."

Fahrer erleichtert: Kontrollschleife funktioniert

Noch wichtiger als diese Herausforderung ist nahezu allen Piloten jedoch die Fairness. "Wenn es konsequent verfolgt wird und für alle gleich, dann ist es so okay", kommentiert Red Bulls Dr. Helmut Marko bei Motorsport-Magazin.com der gegenwärtige Praxis. Zumindest technisch sei mal alles glattgegangen, meint Antonio Giovinazzi: "In Kurve 19 lief es ganz gut. Wenn du außen der weißen Linie bist, dann funktioniert der Zensor und löscht deine Zeit. Es hat gut funktioniert."

Lewis Hamilton, mit drei Verstößen so oft betroffen wie sonst nur Lando Norris, sieht dennoch nicht einmal ein Thema. "Ich habe einfach nur die Limits der Strecke ausgelotet", erklärt er seine drei annullierten Zeiten. "Es ist ein ziemlich ungewöhnlicher Kurs, weil du an vielen Stellen keine Limits hast. In Kurve neun kannst du voll raus oder auch in Kurve 19 natürlich."

Der Traum vom Kiesbett

Damit zielt Hamilton auf keine klaren Barrieren wie Kiesbetten, Gras oder die aus Spielberg berüchtigten Wurst-Kerbs in Austin. Diese 'natürlichen' Begrenzungen würden auch die Haas-Fahrer vorziehen. "Mit Kies würden wir erst gar nicht so hart pushen", sagt Romain Grosjean. "Ich bin ein Freund von Kies statt Asphalt im Auslauf. Das macht allen das Leben leichter. Immerhin scheint die Kontrollschleife aber zu funktionieren."

"Es ist fair", bestätigt Teamkollege Kevin Magnussen. "Aber man sollte Kies oder Gras hinmachen. Es ist langweilig, dass einem die Rundenzeiten gelöscht werden. Es gibt dort keine natürlichen Grenzen. Du hast nicht das natürliche Gefühl, dass du dich zurücknehmen musst, sondern musst [dich zwingen] dich zurückzunehmen", kritisiert der Däne.


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