Formel 1

Formel 1 USA, Esses vs. Geraden: Vorteil Ferrari oder Mercedes?

Der Circuit of the Americas vereint lange Geraden, schnelle Kurven und winklige Ecken. Das eine freut Ferrari, das andere Mercedes. Welcher Trumpf sticht?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Wer ist der Favorit beim drittletzten Saisonrennen der Formel 1 2019? Beim USA GP auf dem Circuit of the Americas (Cota) in Austin ist die Favoritenrolle vor dem Wochenende nur schwierig auszumachen. Immerhin vereint der texanische Kurs Passagen, die entweder klar den Stärken Ferraris oder jenen Mercedes' entsprechen.

"Es ist knifflig zu sagen", grübelt auch Valtteri Bottas. "Es gibt Bereiche auf der Strecke, die mal dem einem, mal dem anderen Team liegen", sagt der Finne am Donnerstag in Austin. "Es gibt hier lange Geraden. Da wird Ferrari natürlich stark sein", warnt Bottas vor allem vor der extrem langen Gegengeraden vor der Spitzkehre. Noch dazu geht es unmittelbar vor der Kehre ein gutes Eck Vollgas, auch die Hauptgerade, noch dazu heftig bergauf, ist nicht zu verachten.

Ferrari vs. Mercedes: Ungleiches Duell in Austin

"Aber es gibt auch Abschnitte voller Kurven, was unsere Stärke ist", ergänzt der letzte WM-Herausforderer Lewis Hamiltons jedoch. Damit zielt er insbesondere auf das, was Haupt- und Gegengerade verbindet. Die an Silverstone angelehnten 'Esses' des ersten Sektors. Damit nicht genug. Im zweiten Teil der Runde kommt ein Bereich, der dem Ferrari noch weniger schmeckt. Das an Hockenheim angelehnte Infield nach der längsten Geraden.

Das könnte allerdings noch einem anderen Widersacher helfen. Doch ganz so sehr hat Bottas den noch nicht auf dem Zettel. "Red Bull muss man schauen. Da bin ich noch nicht sicher, aber die können sicher auch stark sein wenn sie alles hinbekommen", sagt der Mercedes-Pilot.

Bottas: Ferrari im Qualifying-Favorit, Mercedes-Konter im Rennen

Insgesamt erwartet der Finne, dass sich Vor- und Nachteil wohl in etwa ausgleichen dürften. Deshalb könne es am Ende doch wieder - wie so oft zuletzt - mehr um eine andere Stärken-Schwächen-Verteilung gehen. Nämlich Qualifying (Ferrari-Land) vs. Rennen (Mercedes-Land).

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem US GP: (10:15 Min.)

"Ich denke das Qualifying wird eng, da ist Ferrari vielleicht Favorit", meint Bottas. "Aber sonntags sind wir schon die ganze Saison stark, besonders in der zweiten Hälfte konnten wir mit echt guter Rennpace und gutem Reifenmanagement den Spieß herumdrehen."

Sebastian Vettel weiß um Ferraris Renn- und Reifen-Schwäche

Dessen ist sich auch Ferrari bewusst. Sebastian Vettel wurde am Donnerstag in Austin nicht müde, wieder und wieder dieses Mantra herunterzubeten. Rennpace, Reifenmanagement. "Da ist Mercedes noch die Messlatte", so Vettel. Dennoch hofft er den Vorjahressieg für Ferrari durch Kimi Räikkönen wiederholen zu können.

"Es ist keine leichte Strecke, um alles hinzubekommen. Erst hast du einen Highspeed-Abschnitt, dann einen sehr langsamen in der Mitte und dann noch etwas Medium-Speed am Ende. Du brauchst alles von allem etwas, deshalb halte ich es für besonders wichtig, dass du dich im Auto gut fühlst und die Strecke dir auch entgegen kommt", schildert Vettel.

Leclerc freut Austin-Kälte: Ferrari beim Wintertest top!

Vor allem baut er darauf, dass aerodynamische Effizienz in Austin wieder mehr zählen wird als in der dünnen Höhenluft Mexikos. "Wir haben ein starkes Auto, ein sehr effizientes Auto, aber warten wir mal ab", sagt Vettel.

Teamkollege Charles Leclerc baut unterdessen offenbar noch auf einen ganz anderen Faktor. Das in Austin untypisch kühle Wetter. Am Donnerstagmorgen zeigte das Thermometer kaum mehr als Werte leicht über dem Gefrierpunkt! Mütze statt Kappe beim Track Walk. "In Barcelona waren wir während der Wintertestfahrten sehr stark", erinnert Leclerc.

"Mit diesen Temperaturen kann es mit den Reifen natürlich möglicherweise ein Problem werden. So kalt war es hier noch nicht. Ich kann mich zumindest nicht erinnern. Aber wir werden es schon herausfinden", kommentiert später Bottas auf Nachfrage das Thema.

Als echten Vorteil sieht wiederum Leclerc die Kühle offenbar ohne nicht - zumal es während der Sessions am Wochenende dann doch wieder normal warm (rund 20 Grad Celsius) werden soll. "Das ist lang her, aber für uns ändert es nichts. Und wenn es ein Problem werden sollte, wird es sowieso eins für alle. Wir werden versuchen, uns anzupassen", sagt der Ferrari-Fahrer.

Charles Leclerc sicher: Ferrari sollte in Austin stark sein

Ansonsten klingt der Formel-1-Youngster optimistischer als Vettel. "Es gibt hier ziemlich lange Geraden. Ich glaube, dass wir stark sein sollten. Wie stark, sehen wir erst Samstag und Sonntag, aber ich bin ziemlich zuversichtlich", sagt Leclerc.


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