Formel 1

Formel 1 - Sebastian Vettel: Mercedes' Sieg war Glück

Sebastian Vettel verteidigt auch Tage nach dem Formel-1-Rennen in Mexiko Ferrari. Strategie kein Fehler. Und: Mercedes habe einfach nur Glück gehabt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel verpasste in Mexiko seinen zweiten Sieg in der Formel-1-Saison 2019 nur knapp. Von Platz zwei gestartet kam der Ferrari-Pilot zwar vor Teamkollege Charles Leclerc - am Ende gar nur Vierter - ins Ziel, musste allerdings Lewis Hamilton einmal mehr den Vortritt lassen. Der Mercedes-Pilot war per Undercut durch einen frühen Boxenstopp vorbeigezogen, bekam die Reifen danach in einem Monsterstint über die Distanz.

Ferrari dagegen reagierte nicht sofort auf den Undercut der Silberpfeile, sondern versuchte das komplette Gegenteil. Einen langen ersten Stint, um dann am Ende zu attackieren. Oder, um sowieso vorne zu bleiben, weil Hamilton wegen seines frühen Stopps sowieso noch einmal kommen musste. Zumindest schien das die Erwartung gewesen zu sein. Damit hatte die Scuderia die Track Position aufgegeben. Das erwies sich als Fehler. Weder kam Hamilton an die Box noch Vettel im Schlussspurt vorbei.

Vettel weiter überzeugt: Ferrari-Strategie war richtig

Doch Sebastian Vettel sieht das weiterhin anders. Auch Tage nach dem Rennen, am Donnerstag vor dem direkt im Anschluss anstehenden USA GP, verteidigt der Ferrari-Pilot die Taktik seines Teams. "Wir haben es analysiert und ich bin überzeugt, dass unsere Strategie die richtige war. Als Lewis gestoppt hat, war es deutlich zu früh, um zu Ende zu fahren wenn es nach den Schätzungen vor dem Rennen ging", meint Vettel.

Der Deutsche weiter: "Ich denke, sie lagen dann in Führung und haben es einfach versucht. Dann hattest du die Chance, zu gewinnen statt ganz sicher Dritter, Vierter oder Fünfter zu werden. Ich denke nicht, dass sie erwartet haben, so weit zu kommen."

Vettel: Grund für Ferrari-Niederlage war Risiko auf Mercedes-Seite

Doch genau das war der Fall. Auch wegen der im Vergleich zu den Vortagen wärmeren Bedingungen am Rennsonntag. Litten die Reifen an den Vortagen noch extrem, war es im Rennen deshalb plötzlich besser. Das hatte Pirelli noch vor dem Start vorhergesagt. Mercedes nutze das - und das Vertrauen in Reifenflüsterer Lewis Hamilton -, um es zu versuchen. Ferrari rutsche das durch.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem US GP: (10:15 Min.)

Vettel jedoch sieht es anders. "Taktisch ist letztes Wochenende alles rund gelaufen", meint der vierfache Formel-1-Weltmeister. "Wir konnten mit dem Rennen zufrieden sein. Wir wurden auf der Strecke geschlagen, aber der Grund dafür war ein Risiko auf der anderen Seite, das sich dann ausgezahlt hat. Aber das geht nicht jedes Mal so auf."

Mercedes für Vettel im Reifen-Glück

Heißt im Klartext: Für Vettel hatte die Konkurrenz einfach nur Glück. Das formuliert er in Austin letztlich auch explizit so. "Mercedes hatte in dem Sinne Glück", sagt Vettel. "Aber auch verdient Glück. Sie haben das Risiko auf sich genommen. Und wenn man sich in der Situation befindet, dann gibt es glaube ich keinen, der freiwillig aufgibt, und in die Box fährt, weil er denkt, dass die Reifen vielleicht nicht halten."

Man versuche dann einfach, so lang draußen zu bleiben wie es eben gehe. "Ich denke, das hat vor dem Rennen aber niemand erwartet. Weder wir noch Mercedes noch Red Bull", betont Vettel nochmals. Seine Argumente: "Sonst wäre der Valtteri nicht so lange draußen gewesen, sonst hätte man den Alex Albon nicht so früh reingeholt und auf die in dem Sinne falschen Reifen gesteckt. Da können wir uns nicht groß etwas vorwerfen."

Vettel: Ferrari Schwäche ist mehr die Rennpace

Vettel weiter: "Für uns ging es dann, als er drin war, darum, ein so großes Delta wie möglich zu schaffen, um am Ende nochmal zu kommen. Aber das war nicht genug, weil die Reifen bei ihm zu gut gehalten haben. Ich werte das nicht als strategischen Fehler. Kein Stück."

Wenn Ferrari das Rennen aus einem anderen Grund als dem Glück Mercedes verloren habe, dann sei es wohl die für Vettel noch immer existente Schwäche im Rennen gewesen - im Verhältnis zur jüngst überragenden Stärke im Qualifying jedenfalls. "Was unsere Performance angeht, ist es richtig, zu sagen, dass wir ab Singapur einen Schritt nach vorne gemacht haben", sagt Vettel zwar.

Ferrari-Teamchef fordert mehr Präzision

"Aber im Rennen sehen wir noch Schwachstellen. Da kommt es nicht nur auf eine Runde an, sondern viele. Und da tun wir uns noch etwas schwer, verlieren in den Ecken. Wir tun uns schwer, was den Umgang mit den Reifen angeht, da sind wir noch ein bisschen zu aggressiv. Deshalb wir im Rennen dann nicht mehr die stärkste Kraft und driften etwas ab. Mercedes ist da noch die Messlatte."

Doch mit einer idealen Strategie ließen sich diese nur leichten Nachteile kaschieren, gerade wenn man - wie Ferrari in Mexiko - geschlossen aus Reihe eins startet, Max Verstappen sich in den Startphase selbst aus dem Rennen nimmt und Lewis Hamilton mit einem beschädigten Unterboden fährt. Also kann es im Grunde nur die Taktik gewesen sein. Tatsächlich hatte Teamchef Mattia Binotto nach Mexiko bereits darauf gepocht, Ferrari müsse präziser operieren.

Ferrari-Fahrer bei Strategie zu sehr involviert?

Vielleicht, indem man weniger diskutiert? Immerhin ging es zum Zeitpunkt des Hamilton-Stopps zwischen Vettel und Kommandostand per Funk hin und her. Mercedes scheint hier mehr Vorgaben zu machen. Im Zweifel entscheidet James Vowles, nicht Hamilton, nicht Bottas. Ist die Ferrari-Taktik, mehr gemeinsam zu entscheiden also verantwortlich für die Probleme?

Vettel negiert, sieht nicht einmal einen großen Unterschied. "Ich weiß nicht, ob es so anders ist. Wir drücken aus, was wir spüren und versuchen mit dem Kommandostand die beste Entscheidung zu treffen. Letzte Woche haben wir das Bestmögliche getan. Lewis hat sich ja auch über die Reifen beschwert, war nicht sicher, ob die halten würden. Also ist das etwas verkürzt dargestellt", winkt der Ferrari-Pilot auf Nachfrage ab.

"Wir müssen das nicht hinterfragen. Es hat oft funktioniert, vielleicht nicht immer, ja. Aber ich treffe die Entscheidungen ja auch nicht allein. Das Team ist froh, uns zu fragen, wie wir uns mit den Reifen fühlen. Darauf basierend treffen wir dann eine Entscheidung."


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